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Bestimmungen

von Tionne

"Du schaffst das schon, mein Kind. Geh." "Ma ..." Ashina sah ihrer Mutter ein wenig hilflos in die Augen. "Du hast gesagt, du liebst ihn, oder nicht?" die Mutter packte ihre Schultern und sah ihr fest in die Augen. "Ich weiß noch, wie viel Sorgen ich wegen dir hatte, als dieser Jedi abgereist war. Lerne seine Welt kennen. Kämpfe für deine Liebe." "Aber ... ich kann doch nicht einfach ... ich hab doch meine Aufgaben ..." Ashinas Mutter lachte auf. "Jetzt wo Peye dich gefeuert hat? Mach dir nichts vor. Wenn du gehen willst, ist jetzt die beste Gelegenheit." "Aber ..." "Wenn du jemals von hier wegkommen willst, dann nutze deine Chance jetzt. Du lässt niemand zurück (außer deiner alten Mutter, aber ich glaube, ich werde das verkraften) und du hast keine Arbeit mehr. Was willst du hier tun? Für eine Urlaubsreise ist jetzt die richtige Zeit." Mutter und Tochter sahen sich an. "Also gut", sagte Ashina mit heiserer Stimme, "ich gehe." Ihre Mutter umarmte sie. "Aber vergiss niemals, wo du herkommst. Vergiss nie Terelle." "Ma ... ich werde bald zurückkommen. Ich kann nicht lange von hier wegbleiben." Sie lächelte. "Ich liebe doch Terelle." Ihre Mutter hielt sie ein Stück von sich weg und lächelte sie an. "Das ist meine Tochter. Der Jedi hat gesagt, du hast besondere Fähigkeiten? Na ja, dann bilde sie aus. Aber ich würde dich auch gerne noch mal sehen, bevor ich sterbe." "Ma!" rief Ashina entrüstet. "Glaubst du ich will dort bleiben? Ich werde im Jedi-Tempel fragen, was ich tun kann für meine Fähigkeiten. Und vielleicht ... vielleicht werde ich Obi-Wan wiedersehen, aber ... ich werde auf keinen Fall dort bleiben!" Die Mutter lächelte wissend. "Ja ja, so etwas ist leicht gesagt. Aber dann kommt die Liebe ... und alles was man jemals gesagt hat, ist bedeutungslos." Ashina wich ihrem Blick aus. "Ich werde dich nicht alleine hier sitzen lassen", sagte sie fest.

Ashina zog ihren Umhang fester um sich. Normalerweise war ihr nicht kalt auf Terelle; sie war hier aufgewachsen. Doch heute schien es besonders kalt zu sein. "Ashina!" rief Sarik, der Pilot des Frachters Abhayar. "Wir sind soweit! Komm an Bord, Mädchen!" Sarik war ein alter Freund der Familie. Ashina kannte ihn seit frühester Jugend. Er war an die 50 Jahre alt und in ihrem Heimatdorf ein Sonderling. Er war mit etwa 20 Jahren Leuten der Republik nach Coruscant gefolgt, war Pilot geworden und hatte sein eigenes Schiff erworben. Seitdem arbeitete er als freier Händler und Transporteur von Waren nach Terelle. Er hatte Ashina angeboten, sie mit nach Coruscant zu nehmen und ihrer Mutter versprochen, sich um sie zu kümmern und auf sie aufzupassen.

Krank vor Aufregung betrat Ashina das Schiff. In dem kleinen Aufenthaltsraum würde sie schlafen, auf einer ausklappbaren Bank. Sarik winkte ihr freundlich zu. "Du kannst deine Sachen hier abstellen. Wir brauchen etwa 2 Tage nach Coruscant, du wirst hier also zweimal übernachten müssen. Dazu kannst du die Bank ausklappen. Ich schlafe im Cockpit, das ist mir lieber." Ashina nickte und stellte ihre Tasche mit den wenigen Habseligkeiten ab. "Alles klar?" rief Sarik. Ashina nickte wieder. "Okay, wir fliegen ab." Sarik ließ die Maschinen anlaufen. Ashina warf noch einmal einen letzten Blick auf ihren Heimatplaneten. Also besonders Schönes lässt du hier ja nicht zurück, ging es ihr durch den Kopf. Es war wie immer dunstig und feucht auf der Oberfläche, alles war eine einheitsgraue Fläche. Kein Wunder, dass viele Leute es hier ungemütlich finden. Doch sie hatte Angst vor Coruscant. Sarik hatte ihr Bilder gezeigt und sie vorbereitet und sie fand alles ungeheuer interessant (vor allem auch architektonisch), und doch hatte sie Angst vor der fremden Welt. Ein Planet ohne Wälder, ohne weite Grasebenen, ohne Seen und Gebirge ... das alles muss doch schrecklich sein. Wie kann Obi-Wan dort leben? Fragte sie sich. Und trotzdem: Sie war neugierig, die Abenteuerlust hatte sie gepackt. Und den atemberaubenden Bildern von Coruscant bei Nacht, diesem glitzernden, funkelnden Lichtermeer konnte auch sie sich nicht entziehen.

***

Obi-Wan atmete tief ein. Die Luft im Tempelgarten war erfrischend, rein und klar. So reine Luft auf Coruscant, eigentlich ein Paradoxon. Doch Obi-Wan dachte nicht darüber nach. Er war hier aufgewachsen, er nahm es als selbstverständlich hin. Hier im Tempelgarten fand er immer Ruhe, es war ein so friedvoller Ort. Hier konnte man in Einklang mit sich selbst kommen, in Einklang mit der Macht, was er in letzter Zeit oft nötig hatte. Sein junger Padawan hielt ihn ziemlich auf Trab. Allein seine Leidenschaft zum Fliegen sorgte ständig für Probleme. Trotzdem lernte der Junge sehr schnell und Obi-Wan hatte den Eindruck, dass es schon werden würde mit ihm. Der Rat hatte ein wachsames Auge auf ihn und auch alle anderen im Tempel (vor allem die jüngeren Schüler) beobachteten ihn gespannt. Alle wollten wissen, ob er wirklich der Auserwählte sein könnte. Anakin war es manchmal etwas unangenehm, wenn man ihn das spüren ließ, doch er war eine unbefangene Natur und sprach nicht viel darüber. Alles lief gut, doch Obi-Wan fühlte sich ... nicht ganz vollständig innen. Irgendetwas fehlte. Und er glaubte zu wissen, was. Doch er wollte es sich nicht so recht eingestehen, wollte vergessen, um nicht unglücklich sein zu müssen. Außerdem hatte ein Jedi solche Probleme nicht. Jedi lebten alleine für die Macht und um anderen Lebewesen zu helfen. Wirklich? Er war kein Teenager mehr. Er war 27. Macht das etwas aus? Er konnte sich so etwas nicht erlauben. Er musste auf Anakin aufpassen. Und er war glücklich dabei. Glücklich? Ein Jedi muss nicht glücklich sein. Ein Jedi muss wachsam und verantwortungsbewusst sein, obwohl ... Jedi sind auch nur Menschen - oder Twi’lek, Bothan, was auch immer. Jedi sind Lebewesen... und Jedi verlieben sich. Und Jedi leiden, wenn sie von ihrer Liebe getrennt werden, von einer Liebe, die sie gerade erst entdeckt haben. Von einer Liebe, die hätte wachsen können, die zu etwas hätte werden können, zu etwas schönerem als der leuchtendsten Coruscagemme. Zu etwas, was die Leere in ihm ausgefüllt hätte. Eine Leere, die er erst bemerkt hatte, die er erst gespürt hatte, als sie fast ausgefüllt gewesen war. Obi-Wan seufzte. Er sollte nicht solche Gedanken haben.
"Gefühle sich nicht verdrängen lassen. Mit ihnen ins Reine kommen du musst." Obi-Wan sah auf. Meister Yoda. Er verbeugte sich und wusste nicht recht, was er antworten sollte. Yoda sah in prüfend an. "Vermissen du tust etwas." Yoda verzog sein Gesicht zu so etwas wie einem Lächeln. "Jedi diese Frage kennen. Eine Patentlösung es nicht gibt." Obi-Wan sah ihn etwas verwundert an. "Aber ... wie kann man sie überhaupt lösen?" fragte er. "Vielleicht das größte Problem der Jedi dies ist", sagte Yoda. "Doch erkennen du wirst, wenn du meditierst über die Macht. Kein Problem diese Frage ist. Eine Herausforderung für die Jungen."
>Obi-Wan sah Yoda nach. Was hat er damit gemeint? Ob Yoda je verliebt war? Gegen seinen Willen musste Obi-Wan lachen, bei allem Respekt, den er dem Jedi-Meister entgegenbrachte. Dies sind die Dinge über die Anakin nachdenkt, dachte er amüsiert. Aber ich? Auch Jedi sind Lebewesen mit Gefühlen.

***

Coruscant. Kernwelt der Republik und Juwel der Galaxis. Ashinas Atem stockte, als sie die riesige Kugel erblickte. "Einflugerlaubnis erteilt", klang es durch den Lautsprecher in Sariks Cockpit. "Danke, Coruscant Kontrolle", gab Sarik lässig zurück. "Ashina, mach dich bereit. Du wirst gleich das größte Wunder der Galaxis live erleben, etwas, was außer uns noch kaum ein Terelle gesehen hat."

Sie landeten auf einer öffentlichen Schwebeplattform, die ihr Schiff automatisch in einen Hangar bringen würde. Nachdem die beiden das Schiff verlassen hatten, verriegelte Sarik es mit einem Codegeber und machte sich mit Ashina im Schlepptau auf den Weg zu ihrer Unterkunft. Ashina war überwältigt von Coruscant. Sie hatte ein wenig Angst vor den unglaublich tiefen Straßenschluchten, doch Sarik erklärte ihr, dass ihr wegen der guten Sicherheitsvorkehrungen praktisch nichts passieren könnte. Sie liefen durch einige Einkaufspassagen und Straßen innerhalb von Türmen. Immer wenn sie an einem Fenster vorbeikamen, wurde Ashina schwindelig und sie musste sich konzentrieren, um nicht zu fallen. Es war alles so künstlich. Auf Coruscant kam ihr alles vor, wie in einem Traum. Einem nicht unbedingt angenehmen Traum, aber dennoch einem faszinierenden. Der Gegensatz zu Terelle hätte nicht vollkommener sein können. An ihr vorbei huschten Angehörige unzähliger verschiedener Rassen, das alles nahm ihr den Atem. Sie hatte zwar die Bilder gesehen, doch die Wirklichkeit war noch sehr viel beeindruckender als Bilder.
Sarik sah sie prüfend an. "Geht es dir gut?" fragte er. Ashina nickte mühsam. "Ja ... es ist nur alles so ... atemberaubend ... und schwer zu verstehen." Sarik nickte verstehend und nahm ihren Arm. "Wir sind bald da", sagte er tröstend, "dann kannst du dich ausruhen." Er lächelte sie an. "Wir wohnen bei einer alten Freundin von mir. Du kannst ihr und ihrer Nichte vertrauen, sie sind wirklich sehr liebe Menschen – na ja, zumindest eine von ihnen."

Sariks Freundin und ihre Nichte lebten in der mittleren Sektion des Aree-Tower, einem hoch in den Himmel ragenden Gebäude, nah beim Galaktischen Senat. Als sie ankamen, schwirrte Ashina von Turboliften, Gängen, frei schwebenden Plattformen und großen Einkaufsstraßen innerhalb von Gebäuden der Kopf. Alles war hier aus Plastik, Durastahl oder Glassit. Sie war Holz und Stein gewohnt ... doch diese Umstellung schaffe ich auch noch, dachte sie sich. Kein Ort könnte unterschiedlicher von Terelle sein, als dieser ... es ist eine atemberaubende Erfahrung und eine Chance.

Sarik drückte den Türsummer. Eine Frau in Ashinas Alter öffnete die Tür. "Du schon wieder!" rief sie unwillig aus, und hätte die Tür wieder zugeworfen, wenn Sarik sich nicht schnell dazwischen gestellt hätte. Mit einem Arm in den Türrahmen gestützt sagte er: "Komm, Recha, nicht jedesmal das gleiche Theater. Hol deine Tante, ja?" Recha funkelte ihn an und lugte ihm über die Schulter, wo Ashina stand. "Wer ist das?" fragte sie und zeigte auf Ashina. "Das ist eine Freundin von meinem Heimatplaneten", erwiderte Sarik. "Sie will die Welt kennenlernen, und sie hat eine Verabredung." Ashina wurde ein wenig rot. Recha sah Sarik misstrauisch an, sagte aber nichts. Eine Stimme kam aus den Tiefen der Wohnung: "Recha, lass Sarik herein. Bitte, nun hör doch auf mit dem Theater." "Ja, Tante!" rief sie etwas lauter als nötig zurück und winkte die beiden widerwillig herein. Ashina war das Ganze etwas peinlich, doch Ela schien Sarik erwartet zu haben. Es wäre ihr unangenehm gewesen, Leuten zur Last fallen zu müssen, denen Sarik sich aufgedrängt hatte und bei denen er unerwünscht war. Recha musterte Ashina neugierig, als sie die Tür hinter ihr schloss. Recha sah für Ashinas Begriffe sehr merkwürdig aus. Das musste Coruscantische Mode sein. Sie trug ein Oberteil mit merkwürdigen, flügelähnlichen Ärmeln und einen langen Rock aus einem grünen Fellstoff, der für Ashina sehr fremdartig aussah. Sie selbst kam sich in ihrem braunen Overall ein bisschen schäbig vor gegen so viel Extravaganz. Recha lächelte amüsiert, als sie Ashinas Blicke bemerkte. "Das ist ein ganz normaler Stoff von Bothawui. Falls du, ich darf doch "du" sagen? Also falls du denkst, dass ich irgendwie aufgestylt bin oder so ... das ist Coruscanter Mode. Wunder dich nicht!" Sie lächelte. "Dieser Schnitt ist im Moment unglaublich "in". Das Modell kam von Bakura und hat sich sofort etabliert. Wenn du willst, können wir ja mal zusammen shoppen gehen? Ich kenne da ein paar Geheimtipps ..."
Ashina nickte interessiert. Sie wollte so viel wie möglich über diese fremdartige Welt lernen. Doch sie konnte sich selbst nur schwer in einem solchen Aufzug vorstellen. Recha jedoch betrachtete sie schon abschätzend, als wollte sie prüfen, was Ashina stehen würde. Ashina lächelte sie an. Recha lächelte zurück. "Das ist das erste Mal, dass Sarik jemanden Vernünftiges mitbringt!" Sie legte eine Hand auf Ashinas Schulter und führte sie in eine Art Wohnzimmer. Ein großes Fenster öffnete den Blick auf Coruscant. "Unsere Aussicht!" sagte Recha mit einer ausholenden Bewegung. "Leider nicht echt. Das ist ein Fenster mit einem künstlichen Hintergrund. Wir sind in diesem Gebäude überall von Wänden umgeben, also müssen wir uns die Illusion schaffen, als könnten wir nach draußen schauen."
Ashina musste zugeben, dass sie die Fälschung nicht erkannt hätte, wenn Recha sie nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Nicht von frischer Luft umgeben zu sein ... eine Wohnung ohne echte Fenster ... wie kann man so leben? Fragte sie sich. Ich hätte ständig Platzangst. Sie fühlte sich in diesen riesigen Türmen sowieso schon etwas verloren. Und dann für immer hier wohnen? Niemals. Sie würde wieder zurückkehren, sobald Sarik seine Geschäfte erledigt hatte. Ich bin nur hier, um Coruscant zu sehen und Erfahrungen mit außerirdischen Gewohnheiten zu machen. Doch .... Coruscant gefällt mir, trotz allem. Ich finde es wundervoll fremd. Und ich will Obi-Wan zurück. Ashina war erschreckt, ein bisschen schämte sie sich. Sie würde nie auch nur darüber nachdenken, hierzubleiben. Auch nicht für Obi-Wan? Obi-Wan kann mich nicht gebrauchen. Ich würde ihm nur Probleme machen. Das hat er nicht verdient - Hat ein Mensch es verdient, ein Leben ohne Liebe zu leben? Sein Leben ist nicht ohne Liebe. Er liebt den Tempel. Und er hat die Macht.
Ashina schüttelte diese Gedanken ab, als sie Elas Zimmer betraten. Rechas Tante war an die 50 Jahre alt, sie saß in einem Sessel und trug ihre vollständig silberweißen Haare zu einem verwirrenden Zopfgeflecht aufgesteckt. "Hallo Ashina", lächelte sie, als die beiden jungen Frauen das Zimmer betraten, "Sarik hat mir von dir erzählt. Ich freue mich dich kennenzulernen." Ashina lächelte freundlich und schüttelte Ela die Hand. Sie lächelte ein wenig verlegen. "Es ist hier alles ein bisschen verwirrend und unglaublich merkwürdig ... ich glaube, ich brauche erst mal eine Pause." Ela nickte verstehend. "Selbstverständlich. Die Reise muss anstrengend gewesen sein ... vor allem in Sariks Schrottkiste." Sarik wollte protestieren, aber Ela gebot ihm lächelnd zu schweigen. "Lass, Sarik. Ich weiß, du hängst an deiner Kiste. Schon der Name ..." sie wandte sich an Ashina, "der Name Abhayar bedeutet Freiheitstraum. Idealisten ..." sie schüttelte den Kopf. "Ashina, unsere Wohnung ist leider nicht besonders groß, du kannst bei Recha schlafen." "Sarik schläft bei Ela", zischte Recha ihr zu. Ashina musste grinsen. "Ich danke Ihnen", sagte sie. "Ich weiß nicht, was ich hier ohne Sie und Sarik tun sollte."
Recha führte sie in ihr Zimmer. Es war ein recht großer Raum, modern eingerichtet. Recha schien gelangweilt. Nachlässig durchquerte sie das Zimmer und stieg dabei achtlos über auf dem Boden verstreute Kleidung. Ashina war ein bisschen geschockt. Diese Kleidung ... auf Terelle wären 30 Leute froh, wenn sie sich dies hier teilen dürften. Aber daran würde sie sich gewöhnen müssen. Im Gegensatz zu Terelle herrschte hier unglaublicher Reichtum. Recha holte von irgendwoher eine Matratze und machte Ashina ein Bett. "Okay so?" fragte sie. Ashina nickte nur. Zuhause hatte sie auf dem Boden geschlafen, wenn sie Glück hatte, mit einer Decke.
"Mit wem bist du eigentlich verabredet?" fragte Recha. "Kennst du denn hier jemanden?" Ashinas Gesicht verdunkelte sich. "Na ja ... ich kannte jemanden. Aber ich weiß nicht mehr, ob ich ihn wirklich wiedertreffen will." "Wirklich?" Rechas Interesse war geweckt. "Wie kam derjenige nach Terelle?" "Er ... war auf einer Mission. Er ist ein Jedi." Rechas Augen wurden groß. "Ein Jedi? Wow. Sieht er gut aus?" Ashina sah sie erst verwundert an, dann belustigt. Schwärmerisch sagte sie: "Ja, das könnte man sagen." Sie grinste. Recha schüttelte den Kopf. "Glückskind. Selbst hier, wo man quasi nebenan von den Jedis wohnt, lernt man nie einen kennen. Die lassen sich nie blicken. Geht bei denen bestimmt zu wie in einem Kloster." Ashina zuckte die Schultern. "Und warum willst du ihn nicht wiedertreffen? So einen lässt man doch nicht wieder fallen." Ashina wollte nicht ihre ganzen Gefühle vor Recha ausbreiten. "Ach ... ich weiß es selbst nicht so genau. Ich ... bin müde, ich gehe schlafen. Lass dich von mir nicht stören."

***

Ashina schlief in den Tag hinein. Als sie erwachte, war es schon Mittag und Recha war längst aufgestanden. Als sie gähnend im Schlafshirt in die Küche schlich, war nur Ela anwesend.
"Guten Morgen Ashina!" sagte sie freundlich. "Wie ich sehe, hast du gut geschlafen."
"Hm? Ja, danke." Sie hatte tief und traumlos geschlafen, trotzdem fühlte sie sich merkwürdig.
"Recha ist schon in einkaufen gegangen und Sarik ist zu seinem Treffen unterwegs. Hast du Hunger?" Ashina nickte und unterdrückte ein zweites Gähnen. Ela baute schnell ein kleines Frühstück vor ihr auf, was Ashina ein wenig misstrauisch beäugte. "Entschuldigung, aber ... was ist das?" Ela lachte. "Es ist alles essbar, keine Angst. Das sind thyferranische Brötchen, sehr lecker. Alderaanische Marmelade, Nerf-Milch und -Käse ... alles da." Brötchen ... wann hatte sie zum letzten Mal Brötchen gegessen? Es musste Jahre her sein. Ashina bedankte sich und begann erst vorsichtig, dann mit wachsendem Appetit zu essen. Es schmeckte fremd, aber gut. Neue Welt, dachte sie. Ich werde das alles kennenlernen.

***

Ashina musste sich beherrschen, um nicht mit offenem Mund irgendwo stehenzubleiben. Coruscant war faszinierend. Die Menschen, die Aliens, die Droiden, die Stadt mit ihren Lichtern, die Speeder in der Luft ... das alles war unbegreiflich, wie in einem Märchen, einem Traumabenteuer. Recha hatte ihr großzügig etwas zum Anziehen spendiert (Ashina selbst hatte verständlicherweise kaum Geld), und sie fühlte sich nun beinahe als Teil von alledem. Zugegeben, etwas ungewohnt war es schon; Recha hatte ihr eine dunkelblaue, seidige Wickelbluse empfohlen, die im Licht funkelte. Rechas Kommentar: "Du siehst fantastisch aus! Ein bisschen schlicht, aber für den Anfang ...! Dein Jedi wird begeistert sein ... wenn Jedi so etwas zu schätzen wissen", ergänzte sie. Ashina hatte nur etwas schüchtern gelächelt und war noch unsicherer geworden, was sie wegen Obi-Wan tun sollte. Sie war noch nicht zum Tempel gegangen, weswegen sie eigentlich hier war. Sie traute sich nicht. Aus Angst, Obi-Wan zu treffen? Vielleicht, aber nicht nur. Morgen, sagte sie sich. Morgen, ganz bestimmt.
Ihre Füße taten weh vom vielen Laufen an Rechas Seite, doch sie spürte es kaum. Es war dunkel geworden über dieser Hälfte von Coruscant, die Nacht brach an, doch das Gewimmel auf den Straßen nahm kaum ab. Recha und Ashina waren auf einer großen schwebenden Kreuzung gelandet. Ging man geradeaus weiter, kam man zu einem großen, hellerleuchteten, fast völlig verglastem Gebäude. Sah aus wie ein Festsaal. Um das Gebäude führte eine Galerie. Von einer unbestimmten Neugier getrieben, ging Ashina in diese Richtung. Sich durch eine Gruppe Rodianer schlängelnd, erreichte Ashina das Gebäude. Vorsichtig wagte sie einem Blick durch ein Fenster. Viele Leute ... sah aus wie eine Cocktailparty. Ashina schlich von Fenster zu Fenster und verfolgte neugierig das Treiben in dem Festsaal. Plötzlich stockte ihr der Atem. Nein ... nein, das konnte nicht sein. Bitte nicht. Sie kniff die Augen zusammen. Doch. Da stand er. Bewundernde Blicke trafen ihn von allen Seiten. Er stand da mit einigen Leuten, leicht plaudernd, ein Glas in der Hand. Jedi – Sektglas – Cocktailparty? Gehört das auch zu den Aufgaben eines Jedi? Fragte sie sich sarkastisch. Die modisch angezogenen Damen um ihn herum schienen zu rätseln, wie sie ihn ansprechen konnten. Manche tuschelten, andere schlichen ständig um ihn herum, ohne dass er es zur Kenntnis nahm. Mutlosigkeit überkam Ashina. Ich gehöre hier nicht hin. Sie spürte es ganz deutlich. Was machte sie hier überhaupt noch? Wenn er wollte, könnte er tausende haben. Kein Wunder. Ein bitteres Lächeln überzog ihr Gesicht. Zum ersten Mal fiel ihr Recha wieder ein, und sie sah sich suchend um. Nichts. Plötzliche Angst überkam Ashina. Ein letzter Blick auf Obi-Wan ... goodnight, my angel. Sie verließ die Galerie und machte sich auf die Suche nach Recha. Doch Recha war nicht zu sehen. Nur mühsam unterdrückte sie ihre Beunruhigung. Auf einmal kamen ihr die ganzen Menschen nicht mehr freundlich vor, die Nacht nicht mehr traumhaft, die Menge nicht mehr bunt und schön anzusehen. Verflucht ... sie drängte sich durch die Menge, ständig Ausschau haltend. Sie wagte es, laut nach Recha zu rufen. Keine Antwort. In ihrer Panik lief sie ziellos in irgendeine Richtung, in der Hoffnung den Weg zurückzufinden. Doch das war aussichtslos. Sie waren so viele Schlenker gegangen, so viele Schleifen beim Bummeln ... Hatte Recha nicht gesagt, sie wollte auf dem Rückweg ein Schwebertaxi nehmen, weil ihr der Rückweg zu lang sei? Ich habe kein Geld! durchzuckte es Ashina. Sie konnte kein Taxi bezahlen. Ein Bettler sprach sie an. "Haben Sie ein paar Credits übrig?" Ashina sah ihn verständnislos an, dann rannte sie los. Weg, nur weg ... weg wovon? Egal. Nur weg. Sie schien in einen sich drehenden Abgrund zu fallen, ein Loch aus Lichtern, Türmen, fremden Lebewesen ... Sie wusste nicht, wie lange sie gerannt war, als sie sich in einer düsteren Region wiederfand, in irgendeinem Tower ... Schweratmend kauerte sie sich in eine Ecke und verbarg den Kopf in ihren Händen. Was zu tun? Sie traute sich nicht, die Augen wieder aufzumachen. Coruscants Bilder drehten sich in ihrem Kopf, sie hatte Angst verrückt zu werden, wenn sie die Augen öffnete. Ihr Atem ging stoßweise. Ruhig, bleib ruhig ... sie versuchte anzuwenden, was Obi-Wan ihr gezeigt hatte, versuchte, ihre Mitte zu finden, doch es gelang ihr nicht.
Sie wusste nicht, wie lange sie so dagesessen hatte, als sie spürte, dass jemand gekommen war. Sie sah vorsichtig auf. Obi-Wan. Lange Zeit sagte niemand etwas. Schließlich fragte er vorsichtig: "A ... Ashina? Ich dachte, du ..." er brach verwirrt ab. Ashina versuchte, die plötzlich aufsteigenden heißen Tränen zu unterdrücken. Sie war so verwirrt.
Obi-Wan half ihr beim Aufstehen. Als er merkte, dass sie leise weinte, drückte er sie an sich. "Schhhh ..." Er streichelte ihr sanft über den Rücken. "Nicht weinen." Sie waren fast gleichgroß; er legte seinen Kopf an ihren und hielt sie ganz fest. Wie habe ich das vermisst.
Ashinas Tränen versiegten schnell. Warum habe ich überhaupt geweint? Fragte sie sich ärgerlich. Sie hatte so viel Leid gesehen, schon als Kind ... sie war im Krieg aufgewachsen. Und nun brachte sie dieser Planet, dieser simple Planet und dieser Jedi total aus der Fassung. Mit einer hastigen Bewegung löste sie sich aus Obi-Wans Armen und wischte ihre Tränen mit einem Ärmel ab. In ihrem Kopf tobte ein Wirbelsturm, den sie nicht glaubte ertragen zu können. Sie drehte sich von Obi-Wan weg um sich zu fassen. Ein Rest Angst vor diesem Planeten blieb noch, doch mit Obi-Wan war eine warme Welle in die Kälte ihrer Angst gekommen.
"Erzählst du mir, warum du hier bist?" fragte er vorsichtig. Ashina drehte sich wieder zu ihm. Auf einmal brach ihre Distanz und die Gedankenverbindung öffnete sich wieder. Ashina zuckte zurück. Sie spürte ihn wieder in der Macht, ganz nah bei ihr. Zeit wurde ein Begriff ohne Bedeutung. Das war fast mehr als sie verkraften konnte ... erst die Angst vor der fremden Umgebung, dann Obi-Wans plötzliches Erscheinen und nun brach das Licht der Machtverbindung strahlend in ihren Geist ein.
Obi-Wan stand da etwas hilflos. Ashina sagte nichts. Er spürte ihre Verwirrung und machte einen neuen Versuch. "Soll ich dich ... dahin bringen, wo du wohnst?" Nach Hause hatte er sagen wollen. Er wünschte, sein Zuhause wäre auch ihres. "Es ist gefährlich hier, du bist ziemlich weit in den unteren Regionen gelandet." Ashina blickte ihm zum ersten Mal wieder richtig in die Augen.
"Ja", sagte sie, "gehen wir ... nur ich weiß nicht, wie ich zurückkommen soll." "Sag mir einfach, wo du hinwillst ..." Obi-Wan hielt inne. Ein Geräusch und eine Veränderung in der Macht hatte ihn vor etwas gewarnt. Im nächsten Moment kamen zwei vermummte Gestalten um die Ecke, zwischen sich eine furchteinflößende Kreatur. Das muss eine mutierte Wompratte sein, dachte Obi-Wan. Wompratten auf Coruscant. Er schüttelte den Kopf.
"Rückt ihr eure Credits freiwillig raus, oder müssen wir unser Baby auf euch hetzen?" knurrte eine der Gestalten. Ashina erstarrte. Die Stimme klang tief, krächzend. Du bist eine Kämpferin, erinnerte sie sich und ballte die Fäuste. Gefahr lag in der Luft. Sie schien doch ein paar Etagen zu tief geraten zu sein.
"Ihr braucht unsere Credits nicht", suggerierte Obi-Wan. Er war nicht ganz so ruhig, wie man es von einem Jedi erwarten sollte. Ashina merkte das er sich verkrampfte. Eine der Gestalten lachte höhnisch. Dann löste er das elektronische Band, dass die Womprattenkreatur bändigte.
"Lauf!" rief Obi-Wan und riss Ashina am Arm mit sich. Ashinas Kämpferinnenreflexe sprachen an. Sie erwachte aus ihrer Lethargie und rannte los. Sie konnte gut mit Obi-Wan mithalten. Hinter ihnen hörten sie die Kreatur. Ashina rannte. Weiter, nur weiter hinter Obi-Wan her, durch düstere Gänge, über Treppen ... doch die Kreatur kam unaufhörlich näher. Kein Mensch war hier unterwegs. Bald würde sie sie eingeholt haben. Und Ashina spürte bereits, wie ihre Lungen anfingen zu brennen.
"Vorsicht!" schrie Obi-Wan. Sie waren in einer Sackgasse. Der Gang war zu Ende. Doch in der Wand war ein Gitter eingelassen. Obi-Wan warf sich im vollen Lauf gegen das Gitter und riss es aus der Halterung. Er stürzte ein einen Abgrund. Ashina riskierte einen raschen Blick nach hinten und sah bereits die Wompratte um die Ecke kommen. Sie zögerte nicht und sprang blind hinter Obi-Wan her. Obi-Wan! Wenn du einen Fehler gemacht hast, als du da rein gesprungen bist, ist es gleich aus mit uns. Sie schrie im Fallen, doch ihr Schrei verhallte im Lärm, den die Wompratte machte. Der Aufprall presste ihr die Luft aus den Lungen. Als wieder klar sehen konnte, sah sie in der Düsternis schemenhaft Obi-Wans Gestalt. Er griff nach ihrer Hand um ihr aufstehen zu helfen.
"Wo sind wir hier?" keuchte Ashina.
"Ich vermute, in einer Müllsammlungsanlage." Als Ashina aufstand, merkte sie es auch. Der Boden war weich und matschig, und es stank. Obi-Wans Haar war so zerzaust ... sie musste grinsen, obwohl ihr eigentlich nicht danach zumute war. "Und wie kommen wir jetzt hier raus?" Ihre Augen blitzten. Sie hatte so viel Angst gehabt, war so oft gejagt worden in ihrem jungen Leben, dass sie jetzt eine Art Galgenhumor und erstaunliche Tatkraft entwickeln konnte. Obi-Wan bewunderte sie.
"Ich liebe dich", sagte er. Das kam überraschend.
Ein flüchtiges, bitteres Grinsen huschte über ihr Gesicht. "Immer noch? Wie auch immer, das wirst du nicht mehr lange können, wenn wir beide gleich hier sterben." Sie deutete nach oben, wo die Wompratte ein Loch schaffte, das groß genug für sie war. Bald würde sie es geschafft haben.
Ashina und Obi-Wan rannten durch den Matsch, auf der Suche nach einem Ausgang. Ashina stolperte über ein Metallteil und schlug der Länge nach hin. Sie wollte nicht wissen, in was sie jetzt gerade gefallen war. Obi-Wan sah sich besorgt um, lief aber weiter, als er sah dass es ihr gut ging. Sie erreichten schließlich ein neues Gitter. Obi-Wan schnitt es mit seinem Lichtschwert auf. Hinter sich hörten sie die Wompratte in den Matsch fallen. Obi-Wan winkte Ashina zu sich. "Halt dich an mir fest", sagte er. Dann schlüpften sie durch das Gitter und rutschten zusammen eine Rampe hinunter. Obi-Wan hielt sie fest umklammert. Ashina spürte den Luftstrom, der über sie hinwegzischte.
Sie landeten in einer großen Halle in der nicht mehr völlige Dunkelheit herrschte, sondern schon gedämpftes Licht. Sie landeten zusammen mit einer Lawine Müll auf einem Förderband. Obi-Wan sprang ab und bot Ashina eine Hand an, doch sie brauchte seine Hilfe nicht. Leichtfüßig kletterte sie über den Müll und sprang sie vom Band. Obi-Wan warf abschätzende Blicke nach oben – ein Belüftungskanal, groß genug für Menschen, ungefähr vier Meter über dem Boden.
"Wie sollen wir da hoch kommen?" fragte Ashina. Obi-Wan grinste gequält. "Wozu bin ich ein Jedi?" Er streckte eine Hand aus, konzentrierte sich und ein großes Metallstück vom Müllförderband begann sich zu bewegen. Ashina sah staunend zu. Sie hatte zwar gehört, dass Jedi Telekinese beherrschten, es aber nie wirklich glauben können. Wow. Das Metallstück war circa 1,50 m hoch – für Obi-Wan kein Problem. Für Ashina auch nicht. Noch zwei Meter fünfzig ...
"Spring!" sagte Obi-Wan. "Ich helfe dir mit der Macht. Spring einfach hoch." Ashina sah ihn zweifelnd an, tat aber, was er sagte. Sie stieß sich ab ... und fühlte sich auf einmal hochgehoben. Sie ließ ihre Überraschung nicht überhand nehmen und hielt sich am Rand der Öffnung fest. Mit einem kräftigen Klimmzug zog sie sich hoch. "Obi-Wan ...?" Doch der kam schon geflogen. Ashina krabbelte weiter in den Schacht hinein. Obi-Wan war angekommen. "Hier, ich habe einen Glühstab. Sieh nach, ob wir hier sicher sind." Ashina nahm den Glühstab und erkundete den Schacht. Nach drei Metern stieß sie auf eine Kreuzung. Sie ließ sich in der Mitte nieder und wartete auf Obi-Wan.
"Wir sind hier sicher", verkündete er und setzte sich ebenfalls hin, um einen Moment zu verschnaufen. Ashina drehte den Kopf und lächelte ihn an. Obi-Wan drehte seinen Kopf ebenfalls. Es war nichts zu hören außer dem heftigen Atmen der beiden. Sie versanken sie in den Augen des anderen. In diesem Licht erscheinen seine Augen grünlich. Ich dachte immer, sie wären blau. Ashina rümpfte die Nase. "Du stinkst." Obi-Wan stieß sie an. "Du auch." Ashina stieß zurück. Sie musste lachen, und Obi-Wan fiel ein. Ich glaube, er lacht viel zu wenig, dachte sie.
In einiger Entfernung, an der Öffnung des Schachtes hörten sie die Wompratte hochspringen und an der Wand kratzen. Doch dieser Schacht lag zu hoch für sie. "Was jetzt?" fragte Ashina. Obi-Wan rappelte sich auf. "Wir müssen einen Weg nach draußen finden." Er schloss die Augen und öffnete sich der Macht. Ashina störte ihn nicht. "In dieser Richtung ist ein Ausgang", sagte er endlich. Er nahm Ashinas Hand und die beiden gingen schnell weiter. Der Schacht hatte sich erweitert, so dass man in ihm aufrecht stehen konnte. Es war dunkel, und Ashina sah nichts mehr. Sie vertraute sich völlig Obi-Wans Führung an. Schließlich schimmerte Licht am Ende des Tunnels auf, der jetzt wieder enger wurde. Sie mussten wieder kriechen. Obi-Wan kroch langsam bis zum Ende des Schachtes und spähte durch das Gitter. Ein öffentlicher Gang. Er zog sein Lichtschwert und schnitt das Gitter aus dem Rahmen. Mit lautem Krach fiel es zu Boden. Obi-Wan sprang hindurch und ließ sich von den Passanten, die sie neugierig anstarrten, nicht stören. Der Boden war nicht weit entfernt. "Spring!" rief er Ashina zu. Ashina sprang. Wie eine Katze landete sie auf allen vieren auf dem Boden. "Wo sind wir?" fragte sie. "Wir müssen das nächste Informationsterminal finden, dann wissen wir es", sagte Obi-Wan. Die beiden machten sich auf den Weg.

Die Gegend in der sie gelandet waren, war ebenfalls verlassen, doch es sah nicht ganz so düster aus, wie an dem Ort, von dem sie geflohen waren. Das Informationsterminal verriet ihnen, dass es nicht sehr weit zu Elas Appartement war. Sie machten sich auf den Weg zum nächsten Turbolift. In gleichem Maße wie die Angst verschwand, kehrte das Gefühl der Unsicherheit zurück. Ashina beobachtete Obi-Wan von der Seite. Er ließ sich nicht anmerken, was er fühlte. Sie fuhren mit dem Turbolift etwa 40 Stockwerke weiter hoch und kamen Elas Wohnung immer näher. Auf einem Gang, der an einer Seite verglast war und das nächtliche Coruscant zeigte, fasste Ashina Obi-Wan an der Schulter und zog ihn zurück. "Warte." Obi-Wan drehte sich um. "Was ist?" Ashina trat von einem Fuß auf den anderen. Ihr Herz schlug schnell und schneller. "Schluss mit dem Theater, als wenn nichts gewesen wäre. Du hast mich gefragt, warum ich hier bin. Ich weiß es auch nicht mehr. Ich habe einen Fehler gemacht, als ich her kam." "Nein ..." Obi-Wan wollte etwas sagen, zögerte aber. "Warum warst du auf dieser ... Party?" "Das war ein Empfang der Diplomaten von Alderaan. Ich als Jedi sollte anwesend sein – so was gehört auch dazu." Ashina nickte und betrachtete ihre Füße. "Was macht Anakin?" "Es geht ihm gut." Wieder nickte Ashina. "Ashina ..." Obi-Wan trat einen Schritt vor und wollte sie an der Schulter fassen, doch seine Hand hielt kurz davor inne. Sie blickte zu ihm hoch. "Können Träume wahr werden?" Obi-Wans zog sie in seine Arme. Er legte seinen Kopf auf ihre Schulter; trotz dem ganzen Dreck aus der Müllanlage konnte er ihren eigenen, seltsamen Geruch riechen, den er so liebte. Lange standen sie so da. Er hielt sie ganz fest. "Du bist das, was mir mein ganzes Leben gefehlt hat", sagter er leise. Ashina meinte, sie müsste innerlich zerspringen. Was zu tun? Fragte sie sich verzweifelt. Wie soll ich mich entscheiden? Positiv auf Obi-Wan reagieren oder abbrechen, um sie beide nicht noch mehr zu verletzen? Als Obi-Wan ihren Hals küsste, schien ihre Spannung noch zu steigen. Sie drehte sich um. Er hatte entschieden. Wenn er keine Zweifel hatte, warum hatte sie dann überhaupt welche? Sie war doch frei und ungebunden. Leidenschaftlich küsste sie ihn, ohne nachzudenken. Obi-Wan erwiderte ihren Kuss. Fühlen, nicht denken ... alles Rationale verschwand, die Umgebung verschwand. Coruscant wurde zu einer vagen Erinnerung. Nichts existierte mehr, außer dem jungen Paar, das sich äußerlich nicht von den unzähligen anderen unterschied, die um diese Zeit auf Coruscant unterwegs waren. Doch die Zweifel kamen wieder. Ashina befreite sich schließlich aus Obi-Wans Umarmung und wehrte seine Zärtlichkeiten ab. "Nein ... wir dürfen das nicht." Sie drehte sich um. "Das ist mir egal", flüsterte Obi-Wan. "Ich liebe dich. Alles andere ist nicht wichtig." Ashina lächelte wehmütig. "Anakin wird dich vermissen. Und ich muss nach Hause. Ich wette, ich werde schon mit allen Mitteln gesucht." "Wie lange bleibst du?" fragte er sie. "Ich weiß nicht ... eigentlich vier Wochen." Die Andeutung eines Lächelns erschien auf Obi-Wans Gesicht. "Die vier schönsten Wochen meines Lebens." "Obi-Wan ... ich dachte, der Tempel verbietet ... dich und mich ..." "Jedi schließt Liebe nicht aus. Wir dürfen nur nicht heiraten." Er küsste ihre Schläfe. "Bleib bei mir. Bitte." Hör auf, mich zu quälen. "Ich liebe dich auch. Ich ... werde sehen, wie lange ich bleibe." "Bleib bei mir." Obi-Wan dachte nicht an die Jedi. Er dachte nur an sie. Er wünschte sich, dieser Moment möge niemals enden. Ashina lächelte innerlich. Ich habe einen Jedi dazu gebracht, seinen Gefühlen nachzugeben. Darauf könnte ich mir was einbilden.

***

Die Nacht war kühl, doch Obi-Wan spürte es nicht. Ashina war bei Sarik und den anderen, Recha hatte sie in Empfang genommen, und ihn zwar neugierig gemustert, ihn jedoch nicht weiter beachtet. Obi-Wan hätte zu Anakin zurückkehren sollen, doch er konnte es nicht. Zuerst musste er mit sich selbst und seinen Gefühlen ins Reine kommen. Ich brauche dringend jemanden zum Reden, dachte er verzweifelt. Wer kann mir sagen, was ich darf und was nicht? Was ist richtig, was ist falsch? Ist Liebe falsch? Doch für solche Gedanken war es zu spät. Obi-Wan verzog sarkastisch das Gesicht. Ich liebe sie doch schon längst ... mehr als alles andere. Du steckst mitten drin.
Er erreichte den Tempel. Augenblicklich fühlte er sich wohler. Zu Hause. Der tiefe Frieden, der im Tempel herrschte, beruhigte ihn ein wenig. Durch die Macht spürte er die schlafenden Jedi, dann lokalisierte er Anakin. Doch der schlief nicht. Meister? Endlich! Wo seid Ihr gewesen? Obi-Wan verzog das Gesicht. Durch ihre Meister-Padawan-Verbindung musste Anakin spüren, wie es um seine Gefühle bestellt war. Ich komme gleich, Anakin! signalisierte er.
Als er Anakins Zimmer betrat, saß der auf seinem Bett im Schlafanzug und sah ihm erwartungsvoll entgegen. Als Obi-Wans verdreckte Robe sah, rümpfte er die Nase. "Meister ... wo wart Ihr? Ich rieche Euch bis hierhin." Obi-Wan lächelte schwach. "Ich habe eine kleine Verfolgungsjagd mitgemacht." Anakins Augen glitzerten sehnsüchtig. "Wow." "Ich gehe jetzt erst mal in die Erfrischungszelle ... und du solltest langsam schlafen." Anakin sah ihn enttäuscht an. Dann seufzte er und grinste schelmisch. "Aber nur wenn Ihr mir morgen erzählt, wer Euch verfolgt hat, und an wen ihr die ganze Zeit denkt." Er duckte sich, als ihn Obi-Wans amüsiert-strafender Blick traf. Ohne ein weiteres Wort verließ er das Zimmer. Anakins Grinsen verschwand. Er fragte sich, was seinen Meister so verwirrt und unausgeglichen gemacht hatte. Äußerlich hatte er sich nichts anmerken lassen, doch Obi-Wan hatte seine Gefühle nicht vollständig vor Anakin verbergen können. Kopfschüttelnd legte er sich ins Bett und zog die Decke über den Kopf.

Obi-Wan ließ Wasser in seine Hände laufen und bespritzte sein Gesicht damit. Sein Spiegelbild sah schrecklich aus. Blass, schmutzig und zerfurcht, mit schwarzen Rändern um den Augen. Er fühlte sich erschlagen. Erschlagen von den verschiedenen Dingen, um die er sich kümmern musste, von Problemen, die er lösen musste, von quälender Ungewissheit, von Erwartungen, die an ihn gestellt wurden. Jedi-Ritter Obi-Wan Kenobi. Jedi-Ritter. Verantwortlich für die Ausbildung des äußerst machtsensitiven Jungen Anakin Skywalker, verpflichtet, den Jedi-Kodex einzuhalten, verpflichtet, anderen Lebewesen zu dienen. Verpflichtet, bestimmte menschliche Gefühle nicht zuzulassen. Verflucht! Dachte er bitter. Ich bin aber ein Mensch. Ich kann auch nichts dran ändern. Gleichzeitig schaltete sich aber auch eine andere Stimme in seinem Bewusstsein ein. Weißt du noch, wie du ein kleiner Junge warst? Du hättest alles dafür gegeben, ein Jedi-Ritter zu werden. Dein Traum ist Wirklichkeit geworden. Willst du ihn wirklich aufgeben? Das wegschmeißen, wofür du dein Leben lang gekämpft und verzichtet hast? Obi-Wan verbarg sein Gesicht in seinen Händen. Wer spricht denn von Aufgeben und Wegschmeißen? Liebe ist nicht verboten im Jedi-Tempel. Sie darf nur nicht die Kontrolle über Handeln und Denken übernehmen. Seine Hände verkrampften sich. Ich tue nichts Verbotenes. Endlich bin ich wieder ganz in meinem Inneren. Ich will sie nie wieder verlieren. Langsam sank er auf die Knie und lehnte seine heiße Stirn gegen die kalte Wand. Er war müde, so müde. So unendlich müde ...

***

"Meister!" Anakin rüttelte entsetzt an Obi-Wans Schulter. "Ihr habt doch nicht etwa die ganze Nacht hier gesessen?!" Obi-Wan kam nur langsam zu sich. "Was ...?" Er rieb sich die Augen. Sein ganzer Körper tat ihm weh ... kein Wunder, du hast deine kurze Nacht in der Erfrischungszelle verbracht. Diese Erkenntnis machte ihn wach. Anakin schien erleichtert. Obi-Wans Verhalten machte ihm Angst. "Es ist nichts, Anakin", beantwortete Obi-Wan die unausgesprochene Frage des Jungen. "Ich ... mache mich jetzt erst mal frisch, und dann sehen wir weiter." Anakin verzog skeptisch den Mund, sagte aber nichts.
Nach einer Dusche und mit einer frischen Robe fühlte Obi-Wan sich gleich besser. Er fuhr sich einmal durch die Haare und öffnete dann das Fenster seines Zimmers. Die Luft auf Coruscant war nicht unbedingt die beste, doch sie reichte aus, ihn zu erfrischen. Die Zweifel von gestern waren zu einem kleinen Schatten in seinem Hinterkopf geschrumpft. Er dachte an Ashina und ein kleines Lächeln überzog sein Gesicht. Mit neuem Elan stürmte er hinaus auf den Gang. Anakin wartete auf seinen morgendlichen Unterricht. Auf dem Gang wäre er fast mit jemandem zusammengestoßen, er wollte sich entschuldigen, sah auf, und ... blickte direkt in Bants große Calamari-Augen. "Bant!" stieß er hervor und seine Verwunderung wurde zu einem herzlichen Grinsen. "Obi-Wan?!" Die beiden Freunde umarmten sich. "Ich wusste gar nicht, dass du von deiner Mission schon zurück bist!" sagte Obi-Wan freudig erregt. "Es ging schneller als ich dachte", lächelte Bant. Die beiden grinsten sich an. Sie verstanden sich ohne Worte. "Schön, dich mal wieder zu sehen", sagte Bant. "Ja, wirklich." "Wie kommst du mit Anakin zurecht?" "Er macht sich gut; mit ihm habe ich im Moment keine Probleme ... außer mit seinen paar hundert gestörten Droiden, die den Tempel unsicher machen", grinste er. Bant musste lachen. Sie studierte Obi-Wan aufmerksam. Irgendetwas stimmte nicht. "Was bedrückt dich?" Obi-Wans Lächeln verschwand. Bant konnte er Sachen schlecht verheimlichen. "Es ... ist nichts." Bant legte den Kopf schief. Ihr Freund war so verschlossen und ernst geworden. Qui-Gons Einfluss hatte ihm gut getan, dennoch war er von Natur aus ernst und pflichtbewusst. "Du weißt, dass du mir alles erzählen kannst." Obi-Wan nickte. "Ja ... danke. Aber ... bevor ich selbst nicht genau weiß, was mein Problem ist ... möchte ich nicht darüber reden." Bant sah ihn aufmerksam an, doch für Obi-Wan war die Sache damit erledigt.

***

"War das gestern dein Jedi?" "Er ist nicht mein Jedi." Recha grinste. "Er ist so süß." "Hör auf!" Ashina sah sie aufgebracht an. In ihren Augen funkelte jedoch der Schalk. Recha seufzte. "Du hast wirklich Glück. Ich wünschte, ich hätte die Chance, an so einen ranzukommen. Er hat dich vor irgendetwas gerettet, gestern Abend, stimmt’s? Wow. Wir haben uns ganz schön Sorgen um dich gemacht, aber wenn wir gewusst hätten ... dann hätten wir euch auch die ganze Nacht alleingelassen." Sie zwinkerte und grinste. Ashina verzog das Gesicht. "Oh Recha!" platzte es aus ihr heraus, "wenn du wüsstest, was ich wegen ihm durchmache!" Recha sah sie prüfend an. "Ich sehe das Problem nicht." Ashina seufzte und stand auf, wobei sie beihnahe den Stuhl umwarf. Sie fuhr sich fahrig über das Gesicht. "Ich weiß nicht, ob ich bleiben soll, ob ich gehen soll, ob ich ihn lieben soll oder ob ich ihn abweisen soll, um nicht noch mehr zu leiden. Ich weiß überhaupt nichts mehr." Recha sah sie an. "Du denkst zu viel nach. Genieß einfach eure Zeit, das kann euch niemand verbieten." Ashina verzog gequält das Gesicht. "Und was soll ich tun? Hierbleiben? Dieser Planet macht mich wahnsinnig. Ich bin das einfach nicht gewohnt. Und ich liebe meinen Heimatplaneten." "Wie ich sagte", sagte Recha sorgfältig, "nimm alles wie es kommt. Wenn dich jemand nach Hause ruft, dann geh. Du kannst immer bei uns wohnen, das ist gar kein Problem, so wenig wie du isst!" Sie lächelte. Ashina musste auch lächeln. "Aber darf ich das? Obi-Wan Probleme machen? Und ihn dann einfach verlassen?" "So, Obi-Wan heißt er also. Schöner Name ..." "Recha!" "Ja ja ... ich würde sagen, du darfst das. Mach das Leben nicht komplizierter als es ist." Es klingelte an der Tür. "Na?" Recha grinste unverschämt. "Ich wette, das ist er." Sie rannte zur Tür. Ashina versuchte, sie strafend anzusehen, doch sie konnte ihr nicht böse sein. Von weiter weg hörte sie Recha mit ihrer liebenswürdigsten Stimme sagen: "Ja, sie ist da. Wollen Sie ein wenig hereinkommen ...?" Sie hielt die Tür einladend offen. Doch Ashina hörte Obi-Wans nüchterne Stimme sagen: "Nein, vielen Dank, ich möchte lieber hier auf sie warten." Recha verzog enttäuscht das Gesicht, verbarg ihre Enttäuschung jedoch beinahe sofort. "Ashina!" schrie sie in die Wohnung herein. "Besuch für dich!" Ashina ließ sich Zeit; sie musste sich noch fertig anziehen. Dann ging sie langsam zur Tür. Als sie noch nicht bei Recha angekommen war, trafen sie schon Obi-Wans erleichterte Blicke. Sie musste gegen ihren Willen lächeln. Recha schien ihn in Grund und Boden geredet zu haben. Obi-Wan flehte sie mit Blicken an, ihm zu folgen. "Wir gehen ein bisschen spazieren", sagte sie zu Recha. "Mach dir keine Sorgen, ich verlaufe mich nicht wieder." Sie zwinkerte. Ohne eine Miene zu verziehen, ließ Recha die beiden ziehen.

"Nun, was gibt es?" fragte Ashina. Obi-Wan legte einen Arm um ihre Schulter. Überrascht von so viel Überschwang machte sie eine hastige Bewegung. Obi-Wan sah sie erschrocken an und nahm seinen Arm weg. "Nein, es ist okay ..." Ashina lächelte und legte ihren Arm um Obi-Wans Hüfte. Obi-Wan legte seinen wieder um ihre Schultern. Eine eigenartige Befangenheit machte sich in Ashina breit. Sie konnte nichts sagen, und wie sie so mit Obi-Wan Arm in Arm durch Coruscant lief, ohne Ziel und Sinn, kam sie sich sehr merkwürdig vor. Sie ertappte sich aber dabei, wie sie sich wünschte, er möge sie nie wieder loslassen. Sie fühlte sich so wohl. "Etwas was sich so gut anfühlt, kann nicht falsch sein", sagte sie leise zu sich selbst. Obi-Wan hatte es wohl gehört und lächelte leise. Auf einer Art großer Aussichtsplattform machten sie halt. Der Blick raubte Ashina den Atem. Sie schwankte ein wenig. Obi-Wan hielt sie fest. "Alles in Ordnung?" fragte er besorgt. "Ja, alles in Ordnung. Dieser Anblick ist nur noch immer fremd." Auf der rundum verglasten, sehr hoch liegenden Plattform waren unzählige Lebewesen unterwegs. Doch die beiden schienen ganz alleine zu sein. Sie gingen bis zum Rand und Ashina sah hinunter. Es wurde ihr leicht schwindelig, doch sie fand den Anblick faszinierend. Hoch über Coruscant ... es sah alles so anders aus, als sie es kannte. Ein wenig erschreckend, ein Planet ohne grün ... doch trotzdem faszinierend. Sie legte ihren Kopf gegen Obi-Wans Schulter. Er küsste ihr Haar und drückte sie fester an sich. Ashina dachte, sie müsste jeden Moment verrückt werden. Es geschah beinahe von selbst, als sich ihre Lippen zu einem erst zaghaften, dann leidenschaftlicherem Kuss trafen.
Sie lehnten ihre Gesichter gegeneinander. Ashina öffnete die Augen und sah ihn an. Obi-Wan schaute zurück. Ashinas Augen funkelten. "Fang mich, wenn du kannst!" Sie rannte los. Obi-Wan blieb nichts anderes übrig, als ihr zu folgen. Lachend rannte sie durch die Menge, über Treppenstufen hüpfend und sich ab und zu nach Obi-Wan umsehend. "Warte!" schrie Obi-Wan keuchend. Lachen und rennen gleichzeitig war ein schwieriges Unterfangen. "Warte auf mich, verdammt!" Er grinste. Ashinas Tempo verlangte ihm einiges ab.
Ashina gelangte in eine Sackgasse. Heftig atmend drehte sie sich um, und ehe sie sich umsehen konnte, war sie von Obi-Wan an die Wand genagelt. "Hier ist Schluss", sagte Obi-Wan heftig atmend. "Hey!" Ashina versuchte, ihre Hände aus seinem Griff zu lösen, doch es gelang ihr nicht. Schließlich gab sie es auf. "Okay, du hast mich!" lachte sie. Sie sahen sich an. Obi-Wan schien ein wenig verlegen, doch er ließ sie nicht los. Er schien mit sich gerungen zu haben, doch hatte einen Entschluss gefasst. "Jetzt bist du mir ausgeliefert!" grinste er. "Ich habe keine Angst vor dir", sagte Ashina und wollte ihn treten, doch Obi-Wan blockte im letzten Moment mit seinem Bein ab. "Hey! Ich hab gewonnen." "Und was machst du jetzt mit mir?" Obi-Wan lächelte und küsste sie heftig. Er hatte sich noch nie so verhalten – er war wie verwandelt. Aber er hatte auch noch nie so gefühlt. Er öffnete die Augen und sah in Ashinas meergraue Augen. Sie war so schön ... sie öffnete ihren Geist für ihn. Sie begegneten sich, näher als es jemals auf materieller Ebene möglich wäre. "Glaubst du, ich bin qualifiziert für den Tempel?" "Ich bin sicher. Aber sie werden dich nicht komplett ausbilden, weil du schon erwachsen bist." sendete Obi-Wan. "Ich verstehe." "Du musst nicht traurig sein. Vielleicht werden sie dir eine kleine Grundausbildung zukommen lassen, damit du etwas mit deiner Gabe anfangen kannst, wenn du ... wenn du wieder auf Terelle bist." Der Gedanke tat ihm weh. "Obi-Wan, ich werde dich niemals vergessen." "Verabschiede dich nicht, bevor es nicht nötig ist!" antwortete er etwas heftiger als beabsichtigt. Ashina senkte den Kopf. "Schon okay. Was macht eigentlich Anakin ohne seinen Meister?" "Ich habe heute morgen mit ihm trainiert. Jetzt hat er Freizeit. Ich hoffe, er macht nicht wieder irgendwelche Dummheiten. Es ist schon spät - wollen wir etwas zu Mittag essen gehen?" Ashina stimmte zu und hakte sich lächelnd bei Obi-Wan unter.

***

"Ich habe ihn gesehen. Mit einer Frau auf dem Vershenell-Tower ... sie waren ziemlich ausgelassen." Depa Billaba lächelte leicht und versuchte, es vor den versammelten Ratsmitgliedern zu verbergen. "Wir müssen das beobachten. Obi-Wan Kenobi hat wichtige Pflichten, die er nicht so einfach vernachlässigen darf", bemerkte Mace Windu mit gerunzelter Stirn. "Kenobi ist pflichtbewusst", warf Yarael Poof ein. "Ich habe keine Bedenken wegen ihm, doch wir müssen ihn überwachen, damit wir notfalls eingreifen können." "Pflicht alles ist im Leben eines Jedi, doch man den Jungen nicht verbieten darf zu lieben, solange es nicht gerät außer Kontrolle – sonst man ihnen nehmen würde eines der kostbarsten Dinge die existieren in der Macht." Yoda nickte sinnend. "Kenobi beobachten, wir werden. Wenn er verliert die Selbstbeherrschung, wir eingreifen werden, aber nicht vorher."

***

Ashina hatte ein bisschen Angst vor den Jedi ... sie fühlte sich ein wenig schuldig, einen von ihnen dermaßen verführt zu haben. Obi-Wan musste sie weiterziehen, als sie über einen großen Platz auf den Eingang des Jedi-Tempels zugingen. Er drückte aufmunternd ihre Hand. "Wovor hast du Angst? So wie ich dich kenne, würde es dir doch auch nicht viel ausmachen, wenn du nicht ausgebildet würdest." "Ich würde sehr gerne ausgebildet werden." Obi-Wan sah sie ein bisschen überrascht an, sagte jedoch nichts. Als sie schließlich vor den Toren standen, ließ Obi-Wan ihre Hand los. Es ist ihm peinlich, dachte Ashina. Vielleicht bekommt er Schwierigkeiten wegen mir. Sie hoffte es nicht.

Eine Jedi des Rates, Adi Gallia, empfing sie persönlich. Obi-Wan hatte sie hingebracht, doch dann war er schnell verschwunden. Wie auch immer, Adi Gallia schien sie erwartet zu haben, obwohl sie nichts auf diesen Besuch vorbereitet haben konnte. Sie saß hinter einer Art Schreibtisch mit einem kleinen Datapad. Als Ashina hereinkam, lächelte sie freundlich. Die Jedi stand auf und reichte Ashina die Hand. "Ich bin Ashina Mevo -" "Guten Tag, Miss Mevo, mein Name ist Adi Gallia. Wie kann ich Ihnen helfen?" "Nun ja ... es ist festgestellt worden, dass ich eine gewisse Machtbegabung habe, und jetzt wollte ich fragen, ob ich ausgebildet werden könnte?" Ashina war furchtbar aufgeregt, vor allem bei der unbewegten Miene, die Adi zur Schau trug. Man sah diesen Jedi überhaupt keine Gefühle an. Adi Gallia nickte wissend. "Sie können nicht mehr zum Ritter ausgebildet werden, das wissen Sie sicher ... der Kodex verbietet es. Doch gegen eine gewisse Grundausbildung ist im Grunde nichts einzuwenden – Sie werden geprüft werden." Ashina machte ein hoffnungsvolles Gesicht. "Ich komme von einem sehr armen Planeten. Vielleicht könnte ich dort mit meiner Gabe von Nutzen sein." Adi nickte wieder. "Das ist die Voraussetzung, dass Sie Ihre Gabe zum Nutzen anderer anwenden, niemals zum Schaden. Aber das wird man Ihnen in der Ausbildung beibringen ... ich werde sehen, was ich für Sie tun kann. Allerdings kann ich Ihnen schon jetzt die Oberbedingung für Ihre Ausbildung nennen." "Ja?" Ashina hatte kein gutes Gefühl. Adi beugte sich über den Tisch und sah sie eindringlich an. Ihr Blick war etwas zu wissend für Ashinas Geschmack. Sie weiß mehr von uns, als sie eigentlich sollte. "Man wird von Ihnen erwarten, dass Sie nach Terelle zurückkehren, wo Sie Ihre Gabe zum Nutzen anderer einsetzen können. Hier auf Coruscant würden Sie sich nicht wohlfühlen." Ich habe es gewusst. Es führt kein Weg daran vorbei. Und mir liegt viel an dieser Ausbildung. "Und diese Bedingung ist absolut zwingend?" fragte Ashina noch einmal, um sicherzugehen, dass es wirklich keine Hoffnung mehr gab. Adi nickte. "Leider ja." Du wirst dich entscheiden müssen, Mädchen. Eigentlich tut es mir Leid, die beiden trennen zu müssen. Doch es führt kein Weg daran vorbei. Alles was ich zu ihr sagte, ist keine Strategie von uns, um sie loszuwerden. Es sind Tatsachen. Und an Regeln des Kodex kann auch ich nichts ändern, selbst wenn ich wollte. Ashina nickte langsam, niedergeschlagen, wie es schien. "Kann ... ich mir das erst einmal durch den Kopf gehen lassen?" Adi nickte und lächelte warm. "Natürlich. Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, wenn Sie sich entschieden haben."

Ashina verließ den Tempel ein wenig benommen. Die Entscheidung der sie aus dem Weg gehen wollte, war da. Obi-Wan oder neue Fähigkeiten. Coruscant oder Terelle. Obi-Wan oder Heimat. Du würdest Obi-Wan sowieso irgendwann verlieren. Du würdest ihn selten sehen. Sei jetzt stark. Ashina war stark. Sie reckte trotzig den Kopf. Sie würde jetzt ganz alleine den Weg nach Hause zu Recha antreten, ohne sich zu verlaufen. Und sie würde allein diese Ausbildung durchziehen. Sie hatte Heimweh nach Terelle, das ließ sich nicht leugnen. Die Menschen dort brauchten sie. Und sie brauchte die Menschen.

Als sie in die Wohnung der beiden Coruscanterinnen eintrat, traf sie Sarik an, der sich angeregt mit Ela in der Küche unterhielt. Recha stand mit verschränkten Armen und verkniffenem Mund daneben. Als sie Ashina sah, erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht. "Gott sei Dank", flüsterte sie. "Ich dachte schon, ich würde Sarik ganz alleine ertragen müssen." Ashina lächelte nachsichtig. "Und, wie war es?" fragte Recha und nahm Ashinas Arm. Auch Ela und Sarik lauschten jetzt. "Ich war beim Tempel", begann Ashina. Langsam ließ sie ihren Blick über die drei wandern. "Ich werde wahrscheinlich ausgebildet!" Verkündete sie. "Das ist ja großartig!" rief Sarik. "Wow, Mädchen, du wirst eine Jedi!" "Nicht so schnell Sarik", lächelte Ashina. "Ich erhalte nur eine kleine Grundausbildung aus Sicherheitsgründen. Außerdem muss ich nach der Ausbildung nach Terelle zurückkehren." "Was?" Recha machte ein enttäuschtes Gesicht. "Du willst uns verlassen? Und was ist mit deinem – wie heißt er doch gleich – Obi-Wan?" Ashina lächelte etwas hilflos. "Es tut weh, euch alle zu verlassen. Coruscant fand ich auch interessant. Doch meine Welt ist eine andere." Sarik klopfte ihr auf die Schulter. "Das ist eine Terelle. Du kannst den Menschen dort bestimmt helfen, mit deinen Jedi-Fähigkeiten." "Ich werde noch nicht einmal ein Lichtschwert besitzen", wehrte Ashina lachend ab. "Na und, was macht das schon?" fragte Ela. "Sarik hat mir viel von Terelle erzählt. Allein schon die Symbolhaftigkeit: Eine Terelle eine Jedi! Schon das wird helfen, die Kontakte zur Galaxis zu verbessern." Ashina nickte, mit einem fröhlichen Gesicht, doch einem traurigen Herzen. "Ich werde zurückkehren. Das ist meine Bestimmung."

***

Der Entschluss war gefallen. Ashina hatte vor, Obi-Wan nichts zu sagen, bis ihre Ausbildung abgeschlossen war. Sie meldete sich bei Adi Gallia zurück und begann ihre Ausbildung bei einem Jedi-Meister. Die Ausbildung war anstrengend, doch die Zeit mit Obi-Wan entschädigte sie für alles. Wohl wissend, dass das alles bald vorbei sein würde, versuchte sie, die Zeit in sich aufzubewahren und sich seelisch darauf vorzubereiten, das alles hinter sich zu lassen. Obi-Wan war stolz auf sie – auf ihre Fortschritte, auf ihre schnelle Auffassungsgabe. Sie fühlte sich etwas schuldig; Obi-Wan baute sie auf, wenn sie müde und resigniert war, war ein Ruhepol wenn sie unruhig war, und wenn sie Probleme hatte, hatte er schnell eine Lösung parat. Sie fühlte sich ihm etwas schuldig, konnte sie doch niemals zurückgeben, was Obi-Wan ihr ermöglicht hatte. Doch Obi-Wan dachte anders. Sie hatte ihm mit ihrer Liebe etwas geschenkt, was er vorher in dieser Art nicht gekannt hatte.

EPILOG

Das Schiff entfernte sich immer schneller von der großen, glitzernden Kugel mit dem Namen Coruscant. Ein neuer Lebensabschnitt begann für Ashina, und ein Alter ging zuende. Obi-Wan hatte es mit Fassung getragen. Ashina hatte ihn im Verdacht, die ganze Zeit etwas gewusst zu haben. Sie war auf diesen Augenblick vorbereitet, doch konnte sie nicht ganz verhindern, dass Tränen zu fließen begannen, als sie an Obi-Wan dachte ... an ihn, und was er alles für sie getan hatte. Sie hob die Hand zu einem letzten stummen Gruß. Ich werde dich niemals vergessen. Sie fühlte sich wie ein neuer Mensch, erfüllt mit frischem Mut, mit neuer Energie, mit neuen Kräften. Wenn sie sich der Macht öffnete, konnte sie die Menschen auf Coruscant spüren – sie fühlte sich so lebendig. In ihrer neuen Welt war kein Platz für Trauer.

Sarik sprang in den Hyperraum. Der Weltraum verwandelte sich in nicht greifbare Schlieren und Muster. Ashina wandte sich von der Sichtscheibe ab. "Danke, Obi-Wan", flüsterte sie.

Ende