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Die letzte Lektion

von Ambersky

Obi-Wan stand allein am Fenster seines Quartiers, das sich in einem abgelegenen Teil des königlichen Palastes von Theed befand. Dunkelheit hatte sich wie ein Laken über die Hauptstadt der Naboo gelegt. Zuvor war die Stadt von hektischer Aktivität erfüllt gewesen, die die Vorbereitungen für die baldige Siegesfeier mit sich brachten. Nun breitete sich jedoch Stille aus als Theed sich zur Ruhe bettete. Ein sanfter Windhauch trug das leise Rauschen der Wasserfälle an sein Ohr. Die funkelnden Sterne kamen zum Vorschein und verbreiteten zusammen mit den Lichtern der Häuser eine friedliche Atmosphäre.

Die Hände in den weiten Ärmeln seiner Jedi-Robe versteckt blickte Obi-Wan nachdenklich in die Unendlichkeit des Sternenhimmels. Er war vor einigen Minuten von seinem Gespräch mit Meister Yoda zurückgekehrt und ging in Gedanken das Gespräch noch einmal durch. Der Rat hatte ihn in den Stand eines Jedi-Ritters erhoben. Obi-Wan hatte sich schon seit längerer Zeit auf diesen neuen Lebensabschnitt eingestellt, den die Ernennung zum Jedi zwangsläufig mit sich brachte. Er hatte sich innerlich auf die Prüfungen vorbereitet, so wie Qui-Gon es ihm geraten hatte. Nun hatte er sein Ziel erreicht, seine Laufbahn als Padawan war beendet, doch er konnte sich nicht darüber freuen. Nie hätte er gedacht, daß der Preis dafür so hoch sein würde.

In wenigen Stunden würde die zeremonielle Verbrennung seines Meisters beginnen. Er hatte also noch ein wenig Zeit; er hatte zwei Dinge zu erledigen. Er nahm den Dolch, der vor ihm auf dem Fenstersims gelegen hatte und beobachtete, wie sich das Sternenlicht auf der polierten Klinge spiegelte. Die Sterne schienen ihm aufmunternd zuzufunkeln. Schließlich ergriff seine rechte Hand den langen geflochtenen Padawan-Zopf. Noch einmal fuhr er mit den Fingern behutsam daran entlang und schnitt ihn dann mit einer schnellen Bewegung ab. Er rollte das Symbol seines Status als Padawan zusammen und verstaute es in einer versteckten Innentasche seiner Robe. Es war schon bedauerlich genug, daß er den eben getanen Schritt allein vollzogen hatte, doch jetzt mußte er etwas erledigen, was ihm noch sehr viel schwerer fallen würde. Obi-Wan zog die Kapuze seiner weiten Robe über den Kopf. Er wollte nicht, daß jemand sein Gesicht sah oder ihn gar ansprechen würde. Dann machte er sich auf dem Weg zum Tempelbezirk.

Lautlos betrat Obi-Wan den Raum in dem Qui-Gon aufgebahrt war. Bei dem Raum handelte es sich um einen offenen Tempel. Als Obi-Wan sich der Bahre näherte, erblickte er zwei Mitglieder der königlichen Garde von Naboo, die bei dem Jedi-Meister Totenwache hielten. Als sie die verhüllte Gestalt erblickten, verließen sie wortlos den Raum, um Obi-Wan nicht zu stören.

Er näherte sich dem Katafalk mit der reglosen Gestalt seines ehemaligen Meisters und schlug mit einer fließenden Bewegung seine Kapuze zurück. Der Schein von Fackeln hüllte Qui-Gon in ein sanftes goldenes Licht.

Alles schien so friedlich. Die stolzen Gesichtszüge seines Meisters waren entspannt, so als würde er schlafen oder als sei er tief in eine seiner Meditationsübungen versunken. Nichts deutete mehr auf die Anspannung und den Schmerz seines letzten Kampfes hin. Langsam hob Obi-Wan seine Hand und strich sanft über das Gesicht und schließlich über das sorgfältig gekämmte Haar seines Meisters.

Gleich schlägt er die Augen auf und fragt mich, warum ich ihn bei seiner Meditation störe...

Doch Obi-Wan wußte es besser. Man hatte Qui-Gons Leichnam in seine dunkle Jedi-Robe gehüllt und dann die Hände über seiner Brust gefaltet. So war die tödliche Wunde nicht zu sehen, die der Sith ihm zugefügt hatte.

Wieder und wieder hörte Obi-Wan dieses entsetzliche Geräusch, das ein Lichtschwert verursacht, wenn die Klinge erst durch Stoff, dann durch Haut und Knochen fährt. Er hatte es über das leise Summen der Laserwand gehört, die ihn von seinem Meister abschnitt. Wieder und wieder sah er diese Szene vor sich, als sein Meister getötet wurde. Die Erinnerung verfolgte ihn gnadenlos. Ein Schlag ins Gesicht, das Lichtschwert fällt nach hinten und dieser kurze Moment ist alles, was der Sith braucht. Er durchbohrt Qui-Gon mit seinem Lichtschwert. Plötzlich breitet sich eine entsetzliche Stille aus, die schließlich durch seinen verzweifelten Schrei zerrissen wird. ”NEIN!” Dieser Ausdruck auf Qui-Gons Gesicht. Eine Mischung aus Schock, Schmerz und Überraschung. Er sieht, wie der stolze Jedi-Meister auf die Knie sackt, hinten überkippt und schließlich reglos liegenbleibt. Er möchte auf der Stelle losrennen und diesen Mörder mit den tätowierten Gesichtszügen umbringen. Wut kocht bedrohlich in ihm hoch. Er hat dieses brodelnde Gefühl nicht mehr unter Kontrolle. Dabei ist ihm völlig egal, was Yoda oder sein Meister ihn gelehrt haben.

Wut führt zu Haß. Haß führt zur Dunklen Seite.

In diesem Moment, als er seinen Meister niedergestreckt am Boden liegen sah, konnte er nichts anderes empfinden als Wut. Das selbstgefällige Grinsen des Sith, das Bewußtsein, daß er der reglosen Gestalt seines Freundes nicht mehr helfen konnte, wandelte die Wut in kühlen, dunklen Haß um. Haß, der ihm Schnelligkeit und Fähigkeiten verlieh, die er nie für möglich gehalten hatte. Dieser Haß hatte es Obi-Wan letztendlich erlaubt, diesen übermächtigen Gegner zu besiegen. Er hatte Darth Maul nur bezwingen können, weil er ihm etwas Gleiches entgegengesetzt hatte. Er hatte den Hauch der dunklen Seite gespürt, er war greifbar gewesen. Und verführerisch.

Er hatte gegen die Regeln des Kodex verstoßen und alle Lehren in den Wind geschlagen. Er wußte, daß er in dieser Situation versagt hatte. Es war eine schreckliche Ironie, daß man ihn wegen dieser Leistung zum Jedi ernannt hatte.

"Ja, sie haben mich zum Jedi ernannt, Meister", sagte er zu der reglosen Gestalt vor ihm. Obi-Wan lachte leise. Er konnte sich nicht darüber freuen. Sein Meister hatte diese Ernennung nicht mehr erleben dürfen. Er fragte sich, ob er unter diesen Umständen wohl stolz auf seinen Schüler gewesen wäre. Qui-Gon war immer stolz auf Obi-Wans Leistungen gewesen.

Er hatte oft von seiner Ernennung als Jedi geträumt, hatte ungeduldig den Moment herbeigesehnt, an dem er die Prüfungen endlich ablegen konnte. Jetzt stand er hier und wünschte sich, er könnte wieder an der Seite seines Mentors stehen. Qui-Gon hatte gesagt, daß er ihm nicht mehr viel beibringen könne. Obi-Wan wußte, daß das nicht stimmte. Er hätte noch sehr viel von ihm lernen können, das wußte er jetzt, wo es zu spät war.

Obi-Wans Hand fuhr instinktiv an die Stelle, wo sich bis vor wenigen Augenblicken noch der geflochtene Zopf befunden hatte. Er holte den Zopf aus der Innentasche seiner Robe hervor und betrachtete ihn. Eigentlich wäre es Qui-Gons Aufgabe gewesen, ihn seinem ehemaligen Schüler feierlich abzunehmen. So war es Tradition. Wie oft hatte er sich diesen Moment herbeigesehnt? Vor allen Dingen wenn er nicht mit der Meinung seines Meisters übereinstimmte und dieser ihn mit seiner Sympathie für jede noch so geringe Kreatur manchmal zur Verzweiflung trieb. In solchen Augenblicken hatte er sich zurückgezogen und sich den Zeitpunkt ausgemalt, an dem er die Prüfungen bestanden hatte. Alle würden ihn beglückwünschen, Qui-Gon ihm feierlich auf die Schulter klopfen und wie ein stolzer Vater auf ihn herablächeln.

Ja, so hatte er es sich vorgestellt. Stattdessen stand er nun hier und wünschte sich, er könne die Zeit zurückdrehen und wieder Padawan sein.

Er mußte plötzlich an Anakin denken. Er konnte nicht die Sympathie für den Jungen aufbringen, die Qui-Gon für ihn gehabt hatte. Dennoch hatte Obi-Wan sich vor dem Jedi-Rat und vor allem vor Yoda durchgesetzt. Yodas Stimme klang in ihm nach.

Qui-Gons Trotz ich in dir spüre. Du das gar nicht nötig hast.

Der weise Jedi-Meister hatte recht. Sicher hatte Qui-Gons Persönlichkeit im Laufe der Jahre hier und dort auf ihn abgefärbt. Obi-Wan hatte durchaus Verständnis für Yodas Bedenken. Er selbst war gegen die Ausbildung des Jungen gewesen. Er erinnerte sich noch lebhaft an die Diskussion mit Qui-Gon, an sein verletztes Vertrauen und seine Enttäuschung darüber, daß Qui-Gon Anakin zu seinem Padawan machen wollte. Sein Meister hatte in Kauf genommen, daß er seinen Schüler und Freund Obi-Wan mit dieser Entscheidung kränken würde. Qui-Gon war schon immer ein trotziger Mensch gewesen, das hatten ihn schließlich schon seine Stellung im Jedi-Rat gekostet.

Welche Ironie - nun würde er Anakin selbst ausbilden. Er respektierte den letzten Wunsch seines Meisters und hätte alles getan, um dessen Willen auszuführen. Und das, obwohl er selbst Qui-Gon vor der Gefährlichkeit des Jungen gewarnt hatte.

"Ich werde mein Versprechen halten, Meister. Anakin wird ein Jedi werden."

Doch die Zweifel blieben. Plötzlich fühlte er sich so jung, so unerfahren. Er hatte keine Ahnung, ob er dem gewachsen war, was nun vor ihm lag. Qui-Gon war immer bei ihm, immer für ihn da gewesen, seit er mit zwölf Jahren den Jeditempel verlassen und Qui-Gon ihn als Padawan akzeptiert hatte. Qui-Gon hatte ihm seitdem immer gesagt, was er tun soll, wie er etwas tun soll, auch wenn er nicht immer damit einverstanden war. Er hatte ihn durch seine Entwicklung zum Jedi begleitet und verschiedene Rollen in seinem Leben übernommen. Lehrer, Vaterersatz und später auch Freund. Und als Qui-Gon ihn gebraucht hatte, war er nicht zur Stelle gewesen.

Noch nie hatte er sich so allein gefühlt wie in diesem Augenblick. Sein Meister war nicht mehr bei ihm.

Die Endgültigkeit dieses Gedankens und diese Erkenntnis, daß Qui-Gon für immer fort sein würde traf den jungen Jedi in diesem Augenblick nun wieder mit voller Wucht. Bisher hatte er es geschafft, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Doch jetzt erfaßte ihn eine Welle von Trauer, die er nicht mehr bekämpfen konnte. Sein letzter Rest von Selbstkontrolle verschwand, als er neben der Bahre auf die Knie sank.

"Vergib mir, Meister." Seine Stimme brach. Er versuchte diesmal nicht mehr, die Tränen zu unterdrücken, sondern ließ sie jetzt ungehindert fließen. Er weinte, weil er nicht rechtzeitig zur Stelle gewesen war, um seinem Meister zu helfen. Er trauerte um den Verlust Qui-Gons, um die verlorene Zeit, die er nicht mehr mit ihm verbringen konnte. Er spürte die Leere, die dessen Tod in ihm hinterließ. Er fühlte sich den kommenden Aufgaben nicht gewachsen.

Plötzlich hatte Obi-Wan das Gefühl, nicht mehr allein zu sein. Erschrocken sprang er auf. Das hatte ihm noch gefehlt. Jemand hatte den Raum betreten, ohne daß er es gemerkt hatte. Niemand sollte ihn so sehen. Von den Jedi wurde erwartet, daß sie ihre Gefühle unter Kontrolle haben, selbst in einer solchen Situation. Ärgerlich wischte er sich mit einem Ärmel über das Gesicht und drehte sich um.

Doch da war niemand. Verblüfft betrachtete Obi-Wan die immer noch fest verschlossene Tür. Dann schüttelte er erleichtert den Kopf. Nach all dem, was in den letzten Stunden passiert war, wunderte es ihn nicht, daß seine Wahrnehmung ihm Streiche spielte.

Sein Blick kehrte auf die reglose Gestalt zurück. Wieder berührte er die kalte Stirn seines Mentors.

"Meister. Was nun ohne Euch?"

Du solltest es eigentlich besser wissen, mein junger Padawan.

Obi-Wan zog erschrocken die Hand zurück, als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen. Er wirbelte herum.

"Meister?" Dieses Wort hing fragend im Raum. Seine Hand fuhr an Qui-Gons Lichtschwert, das nun an seinem Gürtel hing. Suchend blickte er sich um.

Hast du denn schon alles vergessen, was ich dir beigebracht habe?

Nun gab es keinen Zweifel mehr. Obi-Wan konnte Qui-Gons Stimme überdeutlich in seinem Geist hören.

"Was meint ihr, Meister?" Er stellte die Frage in den Raum, zweifelnd.

Dreh dich um.

Obi-Wan wandte sich wieder dem Leichnam zu. Fast erwartete er, Qui-Gon würde dort sitzen, als wäre nie etwas geschehen. Aber natürlich hatte sich nichts verändert. Wieder hörte er die vertraute Stimme. Was siehst du?

"Ich verstehe nicht...."

Was liegt dort auf der Bahre?

Obi-Wan trat näher an die Bahre heran, nicht sicher, was die Stimme von ihm hören wollte.

"Ich sehe euch, Meister." Seine Kehle schnürte sich zusammen.

Nein. Was siehst Du?

Obi-Wan antwortete nicht. Eine Träne rann ihm über die Wange, weil er die Frage nicht beantworten konnte.

Eine letzte Lektion, die du noch lernen mußt, mein junger Schüler.

Plötzlich hatte Obi-Wan das Gefühl, eine tröstende Hand auf seiner Schulter zu spüren. Er drehte sich wieder um und konnte kaum glauben, was er sah. Neben ihm stand Qui-Gon, eine schimmernde Gestalt, durch die man die Umrisse des Raumes hindurch sehen konnte. Es dauerte eine Weile, bis er seine Stimme wieder fand.

"Meister, seid ihr es wirklich?"

Die schimmernde Gestalt lächelte. Ja und nein. Obi-Wan sah, wie Qui-Gon auf die andere Seite der Bahre ging. Dann sah er Obi-Wan an.

Erinnere dich an das, was du gelernt hast, mein junger Schüler.

Plötzlich wußte Obi-Wan, was sein Meister meinte. Der Jedi-Code war das erste, was sie einem auf der Jedi-Akademie beibrachten. Leise murmelte er den letzten Satz. "Es gibt keinen Tod. Es gibt nur die Macht." Er hatte diesen Satz schon unzählige Male heruntergebetet, ihn aber nie verstanden - bis zu diesem Augenblick, als er mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig werden mußte.

Qui-Gon nickte, als er die Erkenntnis in Obi-Wans Gesicht sah. Was du hier siehst, er wies auf den Leichnam, ist eine leere Hülle. Seine Gestalt verblaßte und tauchte dann neben dem jungen Jedi wieder auf. Er trat nahe an Obi-Wan heran und sah ihm in die Augen.

Habe ich dir nicht einmal gesagt, daß ich immer bei dir sein werde?

"Ja, Meister," sagte Obi-Wan mit leiser Stimme. Wieder war er den Tränen nahe.

Qui-Gon nickte.

Ich sage es jetzt noch einmal. Er hob seine durchsichtige Hand auf die Höhe von Obi-Wans Herzen. Ich werde immer bei dir sein. Hier. Obi-Wan fühlte, wie sich dort ein warmes Licht ausbreitete und den dunklen Schatten von von seiner Seele nahm. Qui-Gons Hand wanderte weiter nach oben und seine Fingerspitzen berührten nun fast Obi-Wans Scheitel. Und hier. Wieder breitete sich das wärmende Licht aus. Obi-Wan spürte, wie Zuversicht und Verstehen in ihn hineinströmten.

Laß dich nicht von deiner Trauer beherrschen, Obi-Wan. Gib ihr nur soviel Macht, wie ihr zusteht. Kein Gefühl ist schlecht.

”Ja, Meister,” erwiederte Obi-Wan überwältigt. Qui-Gon lächelte ihm ermutigend zu.

Du wirst dein Bestes tun und den Jungen zu einem Jedi ausbilden.

"Es ist eine so große Verantwortung. Was ist, wenn ich einen Fehler mache?"

Jedi zu sein bedeutet nicht, daß man keine Fehler macht. Niemand außer du selbst erwartet das von dir.

Qui-Gon hob seine schimmernde Hand und strich sanft über Obi-Wans Wange. Obi-Wan spürte ein sanftes, kribbelndes Gefühl. Sie sahen sich für einen langen Moment in die Augen, dann nickte Qui-Gon.

Es wird nun Zeit für mich zu gehen.

"Ich weiß, Meister," flüsterte Obi-Wan rauh. Plötzlich wollte er noch so viel sagen, doch er fand keine Worte. Schließlich hob er die Hand. Qui-Gon tat das gleiche, bis sich ihre Fingerspitzen zu berühren schienen. Ein letztes Mal flammte die geistige Verbindung hell auf. Obi-Wan schloß die Augen und konzentrierte sich ganz auf diese simple aber intensive Abschiedsgeste. Er würde diesen Moment immer in seinem Herzen aufbewahren.

Wir werden uns wiedersehen. Wenn deine Zeit gekommen ist werde ich auf dich warten. Bis dahin möge die Macht dich leiten, mein junger Padawan.

Obi-Wan konnte nicht sagen, wie lange er mit geschlossenen Augen dagestanden hatte. Schließlich öffnete er die Augen.

Qui-Gon war fort. Er war nun wieder allein auf sich gestellt. Die Trauer über den Abschied blieb - aber nun wußte er, daß Qui-Gon immer bei ihm sein und es ein Wiedersehen geben würde. Qui-Gon hatte recht. Er mußte loslassen und – wie sein Meister ihn immer ermahnt hatte - sich auf das Hier und Jetzt konzentrieren. Er hatte eine Aufgabe zu erfüllen, er mußte sich nun ganz der Ausbildung von Anakin widmen. Qui-Gon aber hatte Frieden gefunden, er war eins mit der Macht.

Obi-Wan trat noch einmal an den aufgebahrten Leichnam heran. Er legte den Padawan-Zopf, den er bis jetzt in seiner rechten Hand gehalten hatte in die Hände des Leichnams. Vorher fuhr er jedoch noch einmal mit der Fingerspitze daran entlang.

"Ich danke euch für alles, was ihr mich gelehrt habt, Meister. Auch für diese letzte Lektion." Danach kehrte er den Überresten seines vergangenen Lebens den Rücken zu und ging. Er wußte, daß Qui-Gon jetzt irgendwo lächelte.

Ende