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Die Macht der Dunkelheit

von Tionne

PROLOG

Es war ein kühler Frühlingsabend auf den Hügeln von Morlea, als Darth Verendur auf einem mit Leichen übersäten Schlachtfeld sein letztes Duell bestritt.

Was die Sith letztendlich zugrunde gerichtet hatte, war ihre Uneinigkeit untereinander. Und so kämpfte Darth Verendur nicht etwa gegen einen dieser jämmerlichen Jedi, die überall tot herumlagen, sondern gegen eine Sith. Und während die Sith jung und durchtrainiert war, war er alt geworden, schwach, eigentlich kein ernstzunehmender Gegner für diese junge Kriegerin. Doch Verendur hatte andere Stärken: Er war erfahren und hatte die dunkle Seite beinahe vollkommen zu beherrschen gelernt. Er versuchte, die andere Sith mit gewaltigen Machtblitzen zurückzutreiben, doch sie konnte sie fast alle abwehren, bis ihre Konzentration plötzlich nachließ - Verendur traf sie mit einem Blitz, ihr Fuß trat ins Leere und sie stürzte einen steilen Abhang hinunter. Verendur fegte hinterher, doch die Sith war listiger und körperlich stärker als er. Sie versetzte ihm ein paar Tritte, als er sich auf sie stürzen wollte und versengte ihm mit ihrem Lichtschwert beide Beine. Die Luft entwich pfeifend aus Verendurs Lungen, und plötzlich konnte er sich nicht mehr bewegen. Die Welt begann vor seinen Augen zu verschwimmen, schemenhaft erkannte er die Sith, die nun über ihm stand. Doch noch war er nicht geschlagen. Er sammelte die dunkle Macht um sich herum, bündelte sie und richtete sie gegen die Sith. Seine Kräfte reichten nicht aus, um sie zu vernichten, doch er wusste, er würde sie zumindest einsperren können, bannen für ihr Leben lang. Du bist verflucht junge Sith, dachte er voller Hass und grimmiger Genugtuung. Du denkst, du kannst mich besiegen? Dein Schicksal wird tausendmal schlimmer sein als das meine, denn ich fürchte den Tod nicht. Doch du, du wirst dich fürchten, bis in alle Ewigkeit! Niemand unterschätzt Darth Verendur und kommt ungestraft davon!

In diesem Moment wurde die Luft von einem entsetzlichen Schrei zerrissen. Verendur lachte, er lachte so laut er es noch konnte. Er war zwar unfähig, sich zu bewegen, doch sein Gesicht wurde zu einer Fratze und seine Hände zu Klauen, die er höhnisch auf seine Gegnerin richtete, die plötzlich verschwand. Ihr Lichtschwert fiel schwer zu Boden. Eines der herumliegenden Jedi-Lichtschwerter schoss plötzlich senkrecht, wie von einer unsichtbaren Kraft gerissen in die Luft, und fiel dann zurück auf den Boden.

Dort wo die Sith gestanden hatte, gab es eine gewaltige blau-knisternde Entladung, und Verendur starb wie er es sich immer gewünscht hatte: Hasserfüllt, mit dem Wissen, sich an demjenigen, der ihn getötet hatte, gerächt zu haben.

1

Obi-Wan Kenobi setzte zur Landung auf dem Outer-Rim-Planeten Leroon an. Kurz darauf verließ er mit gemischten Gefühlen sein Schiff und sah sich um. Über dem Planeten hing eine dichte Wolkendecke, und ein beständiger Wind wehte. Es war nicht kalt, doch Obi-Wan fröstelte. Er wusste weder was ihn hierhergeführt hatte, noch, was er hier tun sollte. In einer Vision hatte er sich selbst auf diesem Planeten gesehen, und diese Vision war so intensiv gewesen und so oft wiedergekehrt, dass er den Rat gebeten hatte, hierher reisen zu dürfen.

Leroon war schon vor langer Zeit verlassen worden, von den Städten und Dörfern waren nur Ruinen übrig geblieben. Ein Schleier des Vergessens hatte sich über diese Welt gelegt. Und nun stand Obi-Wan hier, höchstwahrscheinlich das einzige intelligente Wesen auf dem ganzen Planeten. Er kam sich plötzlich unglaublich verlassen vor - wie gerne hätte er jetzt Anakin, seinen schwierigen, aber dennoch geliebten Padawan an seiner Seite gehabt. Doch die Vision war deutlich gewesen - er musste allein hierher reisen. Anakin war im Tempel geblieben und absolvierte zusammen mit den anderen Padawanen sein tägliches Training. Sicher war es besser so.

Langsam ging Obi-Wan auf eine kleine Ansammlung von "Häusern" zu. Wenn er schon hier übernachten sollte, dann wollte er wenigstens einen besseren Schlafplatz als seinen engen Jäger finden. Er hoffte, dass es keine wilden Tiere auf dieser Welt gab. Misstrauisch blickte er sich um, doch er konnte nichts auffälliges in der Macht spüren. Ein paar vereinzelte Vögel schwirrten in der Luft herum, hier und da bemerkte er mit seinen geschärften Sinnen Insekten und Kleintiere, doch andere Tiere schien es nicht zu geben. Diese Welt machte einen ékranken' Eindruck, so, als wenn sie ... vergiftet wäre. Sie schien feindlich auf Obi-Wan herabzusehen. Er begann zu laufen. Das ist Unsinn! Lass dich von dieser Vision nicht verrückt machen! schalt er sich innerlich und zwang sich, langsamer zu gehen. Ein Jedi geriet nicht in Panik, auch nicht auf einem Planeten wie diesem.

Die Geschichte von Leroon war sehr turbulent gewesen: Vor über 4000 Jahren hatten hier Verlauf der Sith-Kriege große Schlachten stattgefunden. Hunderte von Jedi hatten gegen die übermächtigen, dunklen Lords gekämpft und sie schließlich besiegt. Für die heutige Generation waren das allerdings nur mehr Sagen, spannende Geschichten, die die jungen Padawane abends im Bett lasen. Für die Gegenwart aber hatten sie keine Bedeutung mehr. Die Macht der alten Sith mochte sich niemand mehr vorstellen. Nie hatte man etwas Unheimlicheres als sie gekannt, nie etwas Mysteriöseres. Und trotzdem hatte man sie fast vergessen. Doch nun schlichen sie sich mit unangenehmer Deutlichkeit zurück in Obi-Wans Gedächtnis; dieser Planet schien die Erinnerung an sie geradezu zu provozieren. Unbehaglich fragte er sich, wie ein Planet noch nach 4000 Jahren die Wunden einer Schlacht zeigen konnte ... was mochte sich hier zugetragen haben?!

2

Obi-Wan ließ sich von der Macht leiten und betrat ein Haus. Im Inneren war es dunkel, elektrisches Licht gab es nicht. Diese Welt war auf primitivem Niveau stehengeblieben. Nach ein paar weiteren Schritten befand er sich in einer Art Wohnzimmer mit einem verrußten Kamin und einigen Möbeln, unter anderem einem langen Tisch und Stühlen. Obi-Wan hatte gehört, dass vor einiger Zeit hier noch Menschen gelebt, den Planeten allerdings bald wieder verlassen hatten. Die Einrichtung des Hauses war noch einigermaßen intakt. Es konnte noch nicht allzu lange leer stehen. Obi-Wan stieg eine knarrende Treppe hinauf und stand in einem Schlafraum. Ein Bett stand in einer Ecke, die Wände waren bis zur niedrigen Decke von Regalen verdeckt, die uralte verstaubte Bücher enthielten. Neben dem Bett befand sich ein Nachttisch - Obi-Wan öffnete eine Schublade und fand ein paar Kerzen. Er nahm sie heraus und legte sie auf den Tisch. Er hatte zwar einen Leuchtstab in der Tasche, und zur Not ließ sich auch das Lichtschwert als Lichtquelle verwenden, doch Kerzen waren ihm lieber; sie passten besser an diesen Ort. Und aus irgendeinem Grund hatte er Angst, diesen Ort zu verärgern. Das klang lächerlich, doch Obi-Wan erschien dieser Gedanke im Moment vollkommen logisch.

***

Es wurde langsam dunkel auf dieser Seite von Leroon, als Obi-Wan von einem Spaziergang zurück kam. Er hatte sich draußen umgesehen und Holz besorgt, das er nun im Kamin aufschichtete und mit einem Streichholz entzündete. Bald prasselte ein gemütliches kleines Feuer in dem uralten Kamin. Trotzdem war es kalt: Durch ein kaputtes Fenster im Wohnzimmer fegte ständig Zugluft die Treppe hinauf. Obi-Wan versuchte, das Fenster abzudichten, doch es gelang ihm nicht. Die Scheibe war vollständig herausgebrochen und eine genügend große Platte, die man davor hätte befestigen können, konnte er nicht finden. Also ging er nach oben um zu sehen, wo dort die Zugluft herkam. Ein Fenster in einer Wandnische war offen. Mit ein wenig Gewaltanwendung ließ es sich schließen. Er wollte gerade wieder hinuntergehen, als er ein auf einem Schreibtisch liegendes Buch bemerkte. Irgendwie sah es anders aus als die anderen. Nachdenklich nahm er es in die Hand. Er musste vorsichtig sein, denn das Papier fiel beinahe auseinander, als er es berührte. Auf dem Einband stand in goldenen Lettern ein Wort, das aus einer ihm fremden Sprache zu stammen schien. Er nahm das Buch mit nach unten. Während er langsam einen Nahrungsriegel verspeiste, dachte er darüber nach, wo er diese Schriftzeichen schon einmal gesehen hatte. Das Feuer im Kamin war fast herunter gebrannt, und er stand auf, um Holz nachzulegen. Da fiel es ihm ein: In der Jedi-Bibliothek hatte er Schriftbeispiele dieser fremden Sprache gesehen, als er sich über Leroon informiert hatte.

Leider hatte er sich nicht die Mühe gemacht, etwas mehr davon zu lernen. Doch als er nun das Buch durchblätterte, sah er, dass ungefähr in der Mitte des Buches die seltsame Schrift aufhörte und stattdessen in Basic weitergeschrieben worden war. "Dies sind die Aufzeichnungen von Ithk'itia Hmerion, übersetzt von Quonos Vel, dem Galaktiker", las er. "Dieses Tagebuch existiert seit über 4000 Jahren. Es wurde von Nachkommen Ithk'itias weitergegeben und erhalten. Für Außenweltler wurde es in die Universal-Sprache übersetzt. Nun lies, wer immer du auch sein magst, ein Verwandter oder Reisender, dem dieses Buch zufällig in die Hände fiel, lies mehr über Ithk'itia und Aena!"

3

Auf dem Sofa vor dem Kamin liegend, versank Obi-Wan in dem Buch und vergaß darüber die Zeit. Die Schrift war fast verblasst, doch das meiste konnte er entziffern, und was er las, faszinierte ihn ungemein. Es schien, als hätte er hier einen wahren Schatz entdeckt. Das Buch war tatsächlich vor über 4000 Jahren begonnen worden, von einem Zeitgenossen der alten Sith und Jedi, die damals auf diesem Planeten erbitterte Schlachten führten.

"Nicht weit von hier kämpften sie, auf den Hügeln Morleas. Ich versteckte mich in meinem Haus und wagte kaum, hinauszusehen. Abends riskierte ich einen Blick durch das Fenster, und was ich sah, verschlug mir den Atem. Zwei Menschen trugen ein Duell aus. Soweit ich erkennen konnte, waren es zwei Sith! Unglaublich. Diese Sith kämpften gegeneinander, obwohl sie doch auf derselben Seite standen. Einer der beiden war ein alter Mann, körperlich nicht mehr in Hochform, doch strahlte er eine geheimnisvolle Macht aus, und schon allein deshalb brachte mich die Angst vor ihm fast um den Verstand. Doch irgend etwas hielt mich am Fenster fest, ich konnte mich nicht bewegen, hing wie gebannt da, und beobachtete das Duell. Die junge Frau, gegen die der Alte kämpfte, schlug ihn schließlich, doch ihr Sieg war nicht von Dauer. Plötzlich gab es einen riesigen Blitz, die Frau schrie, und ich mit ihr, und plötzlich war sie verschwunden.

Der alte Mann starb kurz darauf und die Frau war wie vom Erdboden verschluckt. Erst Wochen später wagte ich mich zu diesem Ort. Dort fand ich ein seltsames Gerät, ich glaube es war eins von diesen Dingern, die sowohl Jedi als auch Sith ständig bei sich tragen. Ich nahm es an mich und taufte es Aena, denn es schien geradezu nach einem Namen zu schreien ..."

Obi-Wan hielt inne. Was er da erfuhr, war nahezu unglaublich. Plötzlich wurden seine Augen von etwas neben dem Kamin magisch angezogen Ein niedriges Regal. Darauf lag, bisher unter dem Staub verborgen, ein Gegenstand. Dessen Form kam Obi-Wan seltsam bekannt vor und löste Unbehagen in ihm aus. Er stand auf, blies den Staub weg und nahm den Gegenstand in die Hand. Ein Lichtschwert, ohne Zweifel. Das musste Aena sein ...!

Voll Argwohn legte er es auf den Kamin. Irgendetwas schien ihn zu warnen ... doch wovor? Wenn es wirklich ein Sith-Lichtschwert war, könnte es gefährlich sein. Diesen Fund würde er dem Rat vorlegen, sobald er nach Coruscant zurückkehrte.

Plötzlich bemerkte er, dass es draußen schon seit geraumer Zeit dunkel war, er hatte die Zeit vergessen. Und müde wie er war, ließ er sich auf das Sofa sinken und fiel bald in einen sanften Schlaf, während neben ihm das Feuer langsam herunterbrannte.

4

Abrupt schlug Obi-Wan die Augen auf. Irgendetwas war nicht richtig. Er schreckte hoch und saß kerzengerade auf dem Sofa. Blinzelnd versuchte er, in der Dunkelheit etwas zu erkennen. Die Macht ... die Macht hatte ihn gewarnt. Als er erneut einen Warnimpuls spürte, warf er sich sofort zur Seite. Er fiel vom Sofa, doch dadurch entging er knapp einem zischenden Lichtschwertschlag, der ihn fast einen Kopf kürzer gemacht hätte. Ein rotes Lichtschwert zischte durch die Luft, direkt auf ihn zu. Bevor er wusste was er tat, hatte er schon sein eigenes Lichtschwert aktiviert und war aufgesprungen. Der Raum wurde nun von blauem und rotem Licht erhellt, das alles in gespenstische Schatten tauchte. Das rote Lichtschwert holte zu einem Schlag aus, den Obi-Wan blitzschnell parierte. Was bei allen Planeten ...? Ein Lichtschwert, das alleine kämpfte?? Träumte er etwa immer noch? Unsinn, dachte er.

Er träumte niemals. Und selbst wenn, jetzt war nicht die Zeit dazu. Das Lichtschwert setzte ihm kräftig zu, es schien fast so, als wolle es ihn zur Tür hinaustreiben, und schließlich fand er sich draußen auf der Wiese wieder. Die Nacht war dunkel, die beiden Monde wurden durch dichte Wolken verborgen. Ein weiterer harter Schlag, den Obi-Wan gerade noch abwehren konnte hatte direkt auf seine Brust gezielt. Er wurde unaufhörlich von verschiedenen Seiten angegriffen. Das Schwert wirbelte über seinen Kopf, um plötzlich hinter ihm aufzutauchen.

Mal führte es direkte Angriffe, mal täuschte es Schläge nur vor, um dann von einer anderen Seite auf Obi-Wan einzuschlagen. Langsam begann er zu ermüden, sein unsichtbarer Gegner schien unbesiegbar zu sein. Sie kämpften nun mitten auf einer Lichtung, ein heftiger Schlag riss Obi-Wan zu Boden. Er schlug hart mit dem Rücken auf, die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst. Gequält schnappte er nach Luft, als er den nächsten Schlag des roten Schwerts zu parieren versuchte, und ihm dabei mit einem gewaltigen Ruck das Lichtschwert aus der Hand geschleudert wurde.

Der aufkommende Wind schwoll zu einem Sturm an und drohte ihn wegzufegen, irgendwo hin in die Dunkelheit, aus der es kein Entkommen gab. Dann sah er sein Leben im Zeitraffer vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen. So habe ich es mir immer vorgestellt zu sterben. Er sah Anakins Gesicht, das von Qui-Gon ... und es schien auf ihn herabzulächeln und ihm sagen zu wollen: Noch nicht, mein junger Schüler. Die Wolkendecke riss auf und die beiden Monde hüllten alles in ihr silbernes, gleißendes Licht. Obi-Wan, der einen letzten, tödlichen Schlag erwartete, schloss die Augen. Doch dann hörte er ein leises Zischen und öffnete langsam ein Auge. Er sah ... nichts.

Das Lichtschwert ...? Es war verschwunden. Nein, da lag es, auf dem Stein neben ihm. Verwundert griff Obi-Wan zögernd danach. Was war geschehen? Er schloss die Augen und tastete sich langsam mit der Macht vor. Das Lichtschwert schien von einer Sphäre umgeben zu sein. Er runzelte die Stirn, als er sich konzentrierte um sie zu durchbrechen. Er fokussierte seinen Geist auf einen Punkt, wie beim Punktbeschuss auf den Schutzschild eines Schiffes ... Schweiß bildete sich auf seiner Stirn. Plötzlich gab es einen Ruck und er wurde zurückgeschleudert, das Lichtschwert noch immer in der Hand. Doch durch die geschlossenen Augenlider nahm er ein helles, blendendes Licht wahr - die Sphäre war durchbrochen.

"Wer bist du?" flüsterte etwas in seinem Kopf. "Meine Zeit ist gekommen ... ich fühle es ... ich wagte nicht mehr zu hoffen, dass es jemals so weit sein würde. Ich danke dir, Fremder." "Wer bist du?" fragte Obi-Wan seinerseits mit mühsam beherrschter, plötzlich aufkommender Furcht. Ein leises Lachen ertönte. "Warum stellst du mir Fragen, die ich nicht beantworten kann? Ich war einmal dein erbittertster Gegner ... eine Sith ... Was ich nun bin ... ich habe es vergessen. Ich kann dir keine Antwort darauf geben." Obi-Wan zuckte zusammen. Eine Sith? Das stellte ihn vor ein Problem. Sofort erwachte Misstrauen in ihm. Die Stimme, die er in seinem Kopf hörte, klang traurig. "Du bist ein Jedi ... jetzt weiß ich es sicher. Ich hätte es mir denken können. Doch hab keine Angst vor mir ... ich bin nicht mehr was ich war. Bitte ... lass mich frei! Du hast die Sphäre durchbrochen ... du musst nur mit Hilfe der Macht eine Art versteckten Schalter betätigen, dann bin ich frei. Bitte, befreie meine gequälte Seele ..." Obi-Wan war hin- und hergerissen. Das war alles zu phantastisch für ihn. Eine Sith ... über viertausend Jahre lang gebannt in einem Lichtschwert?! Das klang einfach unglaublich und auch gefährlich. Ohne den Jedi-Rat durfte er keine so wichtige Entscheidung treffen. Falls er all dies nicht träumte. "Woher weiß ich, dass du nicht lügst?" fragte er, jetzt noch misstrauischer. "Du hast mich angegriffen, und du hättest mich getötet, wenn nicht ..." Ja, was eigentlich? Was hatte ihn gerettet? "Ich habe dich nicht angegriffen. Dieses Lichtschwert, in das ich eingesperrt bin, hat eine seltsame Macht, die ich selbst nicht mehr verstehe. Aber ich weiß, dass es kein Licht verträgt. Es kann nur in der Dunkelheit aktiv werden - das Mondlicht hat dich gerettet. Doch es ist anstrengend, so zu dir zu sprechen. Du musst mich befreien, dann können wir uns unterhalten." Ich träume niemals, dachte Obi-Wan. Er schüttelte den Kopf. "Du meinst, dann bekommst du deine eigentliche Gestalt wieder?" Wie immer die auch ausgesehen haben mag, ergänzte er in Gedanken. "Ja", kam die Antwort. "Ich kann das nicht entscheiden", sagte er. Dann unterbrach er den geistigen Kontakt und stand langsam auf. Sein Rücken schmerzte, und er war erschöpft. Es war immer noch Nacht. "Nein, ich kann das nicht tun", murmelte er. Skeptisch blickte er auf das Lichtschwert in seiner Hand, als er zum Haus zurückging. Die Stimme hatte so gequält geklungen ... die Einsamkeit von Jahrtausenden hatte daraus gesprochen. Eine Welle von Mitleid überkam ihn, es brach ihm fast das Herz. "Du kannst dieses Geschöpf von seinen Qualen erlösen ..." dachte er, als er das Haus erreicht hatte. Doch was würde der Jedi-Rat dazu sagen? Dieses Ding konnte gefährlich sein, sehr gefährlich. Obi-Wan war nur ein Ritter. Er hatte nicht das Recht, und nicht die Erfahrung, so etwas im Alleingang zu entscheiden.

Bitte, befreie meine gequälte Seele ... klang es in seinem Kopf nach. Er wollte es nicht. Er durfte es nicht. Obi-Wan nahm fast gegen seinen Willen wieder Kontakt zu dem Wesen auf. "Hör zu ... ich werde zum Tempel zurückkehren, der Rat wird entscheiden, was zu tun ist. Ich bin sicher, dass es Hoffnung für dich gibt."

"Nein!" die Stimme klang jetzt panisch. "Bitte ..." sie senkte sich zu einem Flüstern, "Du hast mir Hoffnung gemacht, ich halte es nicht aus, weiter hier drin zu bleiben ... dein Rat würde mich als wissenschaftliches Forschungsobjekt betrachten." Sie hatte Recht. Er durfte so etwas nicht denken, aber sie hatte recht. "Oh, quäl mich nicht so!" flüsterte Obi-Wan gedanklich. "Du quälst mich!" sagte die Stimme. "Bitte, nur du kannst mich retten! Gib meiner Seele Frieden ...". Der Tonfall, in dem die Stimme gesprochen hatte ging Obi-Wan durch Mark und Bein - zuerst war sie schrill gewesen, dann nur noch ein ersticktes Schluchzen. Noch bevor er darüber nachdenken konnte, konzentrierte er sich schon auf die Macht, sammelte sie und fokussierte sie auf das Lichtschwert.

Er suchte mit seinen Gedanken in der rätselhaften Aura des Schwertes und plötzlich schien er einen speziellen Punkt erreicht zu haben. Schweiß trat auf seine Stirn. Er stieß zu. Ein blendendes Licht erschien, und Obi-Wan hob einen Arm vor sein Gesicht um seine Augen zu schützen. Als das Licht schwächer wurde, riskierte er einen Blick.

Auf dem Boden lag ein Häuflein, ein zusammengekrümmter weiblicher Mensch mit schwarzen Haaren und merkwürdigen Tätowierungen auf ihrem Körper. Sie trug eine Art Robe in tiefem Schwarz. Langsam rappelte sie sich auf und stützte sich auf einen Ellenbogen. Sie schien sehr schwach zu sein. Was habe ich getan? dachte Obi-Wan auf einmal entsetzt. Er wachte wie aus einer Trance auf. Wer weiß was ich damit geweckt habe? Doch ein anderer Teil von ihm empfand Mitleid, als er das bedauernswerte Geschöpf sah, dass verzweifelt und blind auf dem Boden herumkroch und versuchte, sich aufzurichten. "Helft ... mir ... bitte", brachte das Wesen heraus. Sie sprach ein seltsames Basic, was nicht weiter verwunderlich war, wenn sie tatsächlich vor 4000 Jahren das letzte Mal gesprochen hatte.

Obi-Wan überwand seinen Argwohn und hob das Geschöpf auf. Sie war unheimlich leicht. Vorsichtig trug er sie zum Haus und legte sie auf das Sofa.

Die Frau atmete heftig, schien sich aber langsam zu erholen. Ihre Augen, die bisher blind ins Leere geschaut hatten, wurden plötzlich lebendig. Sie drehte den Kopf, sah Obi-Wan an und versuchte zu lächeln, doch es glich mehr einer Grimasse. "Danke!" hauchte sie.

Obi-Wan brachte ein schwaches Lächeln zustande. Er strich ihr über die Stirn. Gerade wollte er etwas sagen, hielt aber inne, als er den ruhigen Atem des Wesens bemerkte. Sie war eingeschlafen. Obi-Wan schüttelte den Kopf. Heute war ein unwirklicher Tag. Wenn er nicht wüsste, dass dies Realität war, sein musste ... er konnte das Wesen in der Macht fühlen - und das bedeutete, sie war durchaus lebendig. Keine Illusion, keine Vision. Beim Anblick des schlafenen Geschöpfes wurde ihm unvermittelt klar, wie müde er selbst war. Es musste schon sehr spät sein. Er kauerte sich gegenüber vom Sofa neben dem Kamin nieder, um das rätselhafte Wesen im Auge zu behalten. Innerhalb von Minuten jedoch war auch er eingeschlafen.

5

Obi-Wan blinzelte und fuhr sich mit der Hand über die Augen. Ihm war kalt und sein Körper fühlte sich steif an. Wo war er überhaupt? Da erinnerte er sich wieder an die letzte Nacht. Er hatte sitzend an die Wand gelehnt geschlafen. Wahrscheinlich war alles nur ein Traum gewesen, und wenn er jetzt die Augen öffnete, wäre die vermeintliche Sith verschwunden ... Hast du vergessen, dass du nie träumst? Obi-Wan schüttelte unwillig den Kopf, gähnte und öffnete endgültig die Augen. Und da lag sie. Sie, deren Namen er noch nicht einmal kannte. Die Szene, die sich ihm bot, sah so unwirklich aus. Warmes Sonnenlicht fiel durch die blinden Fenster des Hauses, Staubkörner tanzten in der Luft. Es musste schon nach Mittag sein. Vorsichtig erhob Obi-Wan sich und unterdrückte einen Fluch, als seine schmerzenden Glieder rebellierten.

Er warf einen Blick auf das Gesicht der Frau. Sie hatte die Augen geschlossen. Friedlich sah sie aus, so schlafend ... unschuldig und harmlos. Wie ein Engel. Engel! Lächerlich! Wie kam er nur auf solche Ideen? Er hatte wohl vergessen, dass diese Frau eine Sith gewesen war. Ärgerlich schüttelte er den Kopf, doch er war noch immer verunsichert, wusste nicht, was er glauben sollte. Sie hatte ihm gesagt, dass sie keine Sith mehr war und es hatte ehrlich geklungen. Dieses Geschöpf brauchte Hilfe. Und Jedi halfen den Hilflosen. Helfen ... Obi-Wan dachte auf einmal wieder an elementare Dinge. Es war nicht wirklich kalt auf diesem Planeten, doch es war durchaus kühl, auch im Haus. Obi-Wan erinnerte sich, draußen vor dem Haus einen Stapel Holzscheite gesehen zu haben. Er holte ein paar von ihnen und entzündete ein Feuer im Kamin.

Während der Zeit die er damit verbrachte, etwas zu Essen zu kochen, traf er eine Entscheidung. Er würde diese Frau zurück ins Leben holen und später mit in den Tempel nehmen. Vielleicht konnte sie wieder ein normales Leben führen und an dessen Ende in Frieden sterben. Er fragte sich unwillkürlich, wie lange sie überhaupt noch leben mochte. Sie hatte 4000 Jahre körperlos und eingesperrt verbracht ... das war schon unvorstellbar genug. Und jetzt war sie wieder zurückgekehrt und sah nicht älter aus als dreißig. Es war alles so verworren! Wenn ich sie nicht sozusagen als Beweis bei mir hätte, würde mir das kein Mensch glauben, dachte er kopfschüttelnd. Er warf zwei Nahrungskonzentrate in einen Topf und schürte das Feuer in dem primitiven Herd. Das würde nicht gerade ein Festmahl werden, doch es würde reichen.

Hier auf dem Planeten gab es zwar Pflanzen, doch Obi-Wan hatte keine Ahnung, welche davon essbar sein mochten und welche nicht. Das hätte er zwar feststellen können, doch die Trockenrationen aus seinem Jedi-Sternjäger zu kochen war wesentlich einfacher und bequemer, als Stunden damit zuzubringen, Pflanzen zu überprüfen und zu versuchen daraus irgendetwas Essbares zu fabrizieren.

Außerdem war das ohnehin nicht nötig. Die Rationen reichten für bis zu 90 Tage, und Obi-Wan hatte nicht vor, so lange hierzubleiben. Heute gab es ... er blickte auf die Verpackung des Konzentratwürfels ... Mujasuppe. Nun ja, nicht schlecht. Hatte er als Kind schon gern gegessen. Er hoffte, der Frau würde es auch schmecken. Diese war inzwischen aufgewacht, und als Obi-Wan mit dem Topf in den Händen das Zimmer betrat, saß sie aufrecht auf dem Sofa. Obi-Wan lächelte ihr aufmunternd zu und stellte den Topf auf den Tisch. "Hast du Hunger?" fragte er. Die Frau antwortete nicht. Ihre Augen füllten sich auf einmal mit Tränen und sie wandte sich ab. Es tut mir leid, sagte sie gedanklich, und Obi-Wan spürte eine große Trauer und Verwirrung. Ich muss zu dir auf diese Weise sprechen, denn anders geht es noch nicht. Es ist so ... ungewohnt, wieder an Hunger zu denken. Ich habe das Leben geliebt ... und jetzt ist es wieder da ... Mehr Tränen rannen ihr über die Wangen und sie wischte sie mit einer ungeschickten Bewegung fort.

"Es ist schon gut", sagte Obi-Wan leise. Er brachte ihr einen Teller und half ihr beim Essen. Es ging langsam, denn die Frau musste alles wieder neu lernen, fast wie ein kleines Kind, dass gerade erst das Licht der Welt erblickt hatte. Doch sie lernte schneller als ein Kind, scheinbar kam ihre Erinnerung langsam zurück. Sie brachte es sogar fertig, wieder zu sprechen. "Danke", sagte sie nachdem sie fertig war und lächelte Obi-Wan an. "Wie ... wie ist Euer Name?" "Obi-Wan Kenobi", antwortete er fast automatisch. "Und Eurer?" Ein Schatten legte sich über das Gesicht der Frau. "Er ist ..." sie stockte, als wenn sie sich krampfhaft an etwas zu erinnern versuchte. "Ich ... ich habe es vergessen", sagte sie schließlich leise, als schämte sie sich dafür. "In einem Buch das ich gefunden habe, hatte das Lichtschwert in dem Ihr ... gefangen wart, den Namen Aena ..." sagte Obi-Wan. "Ja! Das ... das muss er sein. Aena." Sie lächelte traurig. "Es klingt so fremd." Obi-Wan sah sie mitfühlend an. "Ich bin sicher, das wird sich legen." "Obi-Wan - ich wollte Euch danken, dass Ihr mich erlöst habt. Obwohl ... obwohl Ihr ein Jedi seid. Es muss Euch schwergefallen sein." Obi-Wan gab keine Antwort.

"Seht ... Ihr seid keine Sith. Vielleicht wart Ihr einmal eine, aber jetzt ... und das Lichtschwert!" Er ging zu der Ecke hinüber, in der das Lichtschwert lag, nahm es und zeigte es Aena. "Das ist kein Sith-Lichtschwert." Er aktivierte die Klinge und der Raum erstrahlte in einem blauen Licht. "Als ich gegen es - gegen Euch - gekämpft habe, war die Klinge zwar rot, aber das muss irgendein anderer Effekt gewesen sein, den ich mir leider auch nicht erklären kann. Dies ist ein Jedi-Lichtschwert, nicht wahr?"

Aena nickte stumm. "Ihr habt recht. Aber bitte ... fragt nicht weiter. Ich will mich nicht erinnern müssen." Sie erschauerte. Nein, du bist wirklich keine Sith mehr, dachte Obi-Wan mitfühlend. Du bist das, was du warst, bevor die dunkle Seite von dir Besitz ergriffen hat. Er fühlte sich auf einmal verantwortlich für dieses Geschöpf. Sie hatte ihn seltsam verzaubert. Einige Tage gingen ins Land, während denen er ihr Essen machte, ihr half wieder gehen zu lernen, mit ihr sprach, ihr von der Welt erzählte, sie abends zudeckte, sie beschützte und behütete. Warum er das tat, wusste er selbst nicht genau. Nach einer Woche dachte er zum ersten Mal daran, nach Coruscant zurückzukehren, an Anakin und die anderen Jedi. Sie würden sich wundern, wenn sie so lange nichts von ihm hörten. Doch er hielt den Zeitpunkt noch für verfrüht, Aena brauchte noch Zeit. Und nach einer Woche war es auch, als er zum ersten Mal seine vorsichtige Zurückhaltung Aena gegenüber aufgab.

6

"Und du meinst wirklich, du kannst es nicht mehr?!" Obi-Wan war verblüfft. Aena schüttelte den Kopf. "Nein. Es ... es geht nicht. Ich kann mich zwar mit dir über eine mentale Verbindung unterhalten und ich spüre die Macht um mich herum, aber ich kann sie nicht manipulieren. Da ... da ist irgendwie eine innere Blockade in mir. Sie zu durchbrechen wäre nicht gut. Und ich weiß auch nicht, ob ich das wieder will - die Macht manipulieren können ... zu viel Macht haben. Wer weiß was dann passieren würde." Obi-Wan sah sie zweifelnd an. "Wahrscheinlich ist es besser so. Für uns alle." bemerkte er nachdenklich. Aenas Gesicht verfinsterte sich. "Du meinst, weil ich eine Sith war? Die dunkle Seite ... ich kann mich kaum daran erinnern. All das scheint in einem anderen Leben geschehen zu sein. Es ist in einem anderen Leben geschehen. Keine Sorge, ich werde nicht wieder zu dem werden, was ich einmal war ..." ... Doch irgendetwas kämpft in mir, setzte sie in Gedanken hinzu. Eine dunkle Seite ... gegen eine lichte Seite. Sie hatte Angst, auch wenn sie nicht genau wusste wovor. Sie fühlte sich so zerrissen, und dieses Gefühl wurde mit jeder Sekunde schlimmer. So viele schreckliche Erinnerungen. An gute und böse Geister, verschwommene Bilder längst vergessener Welten und Zeiten. Dämonen der Vergangenheit, die sie unbarmherzig heimsuchten... sie hätte fast aufgeschrien.

Obi-Wan bemerkte, dass sie anfing zu zittern. Er rückte näher zu ihr heran. "Du musst keine Angst haben", flüsterte er. "Du bist jetzt in Sicherheit." Aena sah mit großen, dunklen, rätselhaften Augen zu ihm auf. "Obi-Wan", sagte sie leise, "ich danke dir für alles, was du für mich getan hast." Obi-Wan winkte ab und lächelte verlegen. "Die Jedi helfen den Hilflosen", erwiderte er. Sie sahen sich an. Ihre Gesichter näherten sich einander, wie von unsichtbaren Kräften gelenkt. Obi-Wan wollte zurückzucken, doch etwas hielt ihn davon ab. Er schloss die Augen, als ihre Lippen sich berührten und plötzlich war es, als ob eine geheimnisvolle Magie die beiden umgab. Der Kuss war zart aber langandauernd und als er endete, schien er funkelnde Spuren von Sternenstaub auf ihren Seelen zu hinterlassen. Obi-Wan öffnete die Augen, ganz langsam, so als könne er nicht glauben, was er eben getan hatte. Was war geschehen? Aena sprang plötzlich auf und lief nach draußen. Sie zitterte, ihr ganzer Körper glühte. Durch Tränenschleier hindurch sah sie zum Himmel hinauf. Tausend Gedanken rasten ihr durch den Kopf und drohten ihn zu zersprengen. Über 4000 Jahre habe ich gelebt, dachte sie, und wie sehr habe ich mir gewünscht, wieder zum richtigen Leben zurückzukehren. Und was ist nun? Es bringt mich um! Sie weinte leise vor sich hin. Obi-Wan ... es war alles umsonst. Die Zeit unendlicher Verlassenheit und Einsamkeit steckte immer noch in ihr, und ließ sie nicht zur Ruhe kommen. Es würde sie nie mehr loslassen. Es war Wahnsinn, das, was sie in 4000 Jahren verpasst hatte, plötzlich nachholen zu wollen. Sie fühlte sich wie ein Geist aus einer Schattenwelt, nicht zu dieser Welt gehörig, aber auch nicht zu einer anderen. Heimatlos! Verlassen, verrückt, verflucht! Sie erinnerte sich kaum an ihr früheres Leben, an die Sith, die Lehren der dunklen Seite. Alles war fort. War sie mit ihrem früheren Leben zufrieden gewesen? Sie vermochte es nicht zu sagen. In dieser schwärzesten Stunde ihrer Verzweiflung fasste sie einen Entschluss. Sie rannte los, zu Obi-Wans Sternjäger. Obi-Wan selbst, der hinter ihr im dunklen Türrahmen gestanden hatte, riss den Mund auf vor Überraschung und lief hinter ihr her. "Aena!" versuchte er zu rufen, doch der Wind entriss ihm die Worte und trug sie davon. Doch Aena schien ihn trotzdem gehört zu haben. Sie blieb stehen und drehte sich um. Etwas in ihrem Blick veranlasste Obi-Wan dazu, ebenfalls anzuhalten. Dieser Blick machte ihm Angst. "Bitte halte mich nicht auf, Obi-Wan", sagte Aena merkwürdig gefasst. Sie kletterte in den Jäger und startete die Triebwerke. "Aena! Nicht!" schrie Obi-Wan über den Lärm der Triebwerke hinweg, "TU DAS NICHT!" Doch Aena beachtete ihn nicht. Obwohl sie seit 4000 Jahren keinen Sternjäger mehr gesteuert hatte, fand sie sich erstaunlich schnell mit den ungewohnten Instrumenten zurecht. Für ihre Zwecke würde ihr Wissen auf jeden Fall ausreichen. In ihr glühte auf einmal ein Fieber, etwas sagte ihr, dass sie nun ihre Bestimmung erfüllen würde. Kurz dachte sie an Obi-Wan, der jetzt unten auf der Planetenoberfläche stand, einsam und verstört. Doch später würde er es verstehen, da war sie sich sicher.

Der Jedi-Sternjäger näherte sich unaufhaltsam dem Kern des Sternsystems, einer blassgelben Sonne. Aena wusste, dies war der einzige Weg, endlich von ihren Qualen erlöst zu werden. Was war sie für ein seltsames Wesen ... sie gehörte nicht hierher. Und auch nirgendwo anders in dieser Galaxie konnte sie eine neue Heimat finden, das wusste sie. Sie war verflucht gewesen, seit sie damals von dem alten Sith besiegt worden war. Dieser Sieg war endgültig gewesen. Nichts konnte ihn rückgängig machen. Sie dachte noch einmal zärtlich an Obi-Wan, sie war ihm Dank schuldig, denn er hatte versucht sie zu retten. Dass es nicht geklappt hatte, war nicht seine Schuld. Er war ihr Erlöser gewesen, und dafür würde sie ihm ewig dankbar sein. Ihre Entscheidung aber war unumstößlich. Obi-Wan spürte nur einen letzten erleichterten, beinahe glücklichen Impuls von Aena, als der Jedi-Sternjäger in die Sonne stürzte.

EPILOG

Anakin hatte seinen Meister kaum wiedererkannt, als er in den Tempel zurückgekehrt war. Er war so nachdenklich, so ruhig, ja fast verstört gewesen. Er hatte Anakin nie erzählt, was wirklich dort passiert war, wo er so überstürzt hingeflogen war. Und warum er seinen Jäger verloren hatte. Wie er hatte zurückkehren können. Anakin glaubte, dass er es mit der Macht geschafft hatte, eines der Ratsmitglieder zu erreichen, das dann eine Rettungsmission in Gang gesetzt hatte. Doch auch darüber hatte Obi-Wan ihm nichts verraten. Es hatte sich scheinbar nichts geändert. Sie trainierten immer noch jeden Tag zusammen, und damit dass Obi-Wan ihm nichts erzählte, hatte sich Anakin inzwischen beinahe abgefunden. Nur eine Sache hatte sich geändert: Seit neuestem zog sich Obi-Wan jeden Tag abends eine Weile zurück und starrte nur in den Sternenhimmel. Anakin begriff nicht warum er das tat. Doch immer wenn er zurückkehrte, war er in einer seltsam schwermütigen Stimmung, so dass man ihm besser aus dem Weg ging, wenn man nicht angesteckt werden wollte. Anakin vermutete, dass es mit seiner mysteriösen Exkursion zu tun hatte, dass er das tat. Doch wer konnte das schon genau sagen?

Ende