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Nur ein Blick

von Ewanknight

Anmerkung: Ich habe mir die größte Mühe gegeben, mich an die original „Star Wars“-Abläufe zu halten. Da ich aber diese Geschichte vor Episode 3 entstand, können die Abläufe, die sich zu diesem Zeitpunkt abspielen unlogisch oder unverständlich sein. Ich bitte um Vergebung und hoffe ihr habt trotzdem Spaß mit der Geschichte.

Vorwarnung: Diese Geschichte ist an einigen Stellen ziemlich kitschig. (Denk ich jedenfalls)

Schon als er das Gebäude betrat, fiel er Thayet ins Auge. Sie war es gewohnt hier wenig ansehnliche Herren vorzufinden, aber dieser Junge war alles andere als unattraktiv. Er musste so Anfang 20 sein, ein bisschen jünger oder älter vielleicht. Seine gleißend blauen Augen huschten durch den Raum und schienen alles wie ein Schwamm aufzusaugen. Er überragte die meisten anderen Besucher bei weitem und er war gut gebaut. Sie würde sich so einen attraktiven Kunden nicht entgehen lassen. Nachdem er ca. 5 Minuten allein an einem kleinen Tisch, von dem aus man das ganze Etablissement überblicken konnte, gesessen hatte, ging sie zu ihm. „Darf ich mich setzen?“, fragte sie lächelnd. „Natürlich.“, antwortete er mit einem Grinsen. Sie ließ sich ihm gegenüber nieder. Plötzlich kam ein kleiner, dicker Toydarianer angeflogen. „Du hast Glück, Kleiner. Sie ist das Beste was ich zu bieten habe.“, sagte er und flog schon wieder weiter. „Das glaub ich gern.“, erklärte der junge Mann mit einem anerkennenden Blick auf sein Gegenüber. „Danke. Bist das erste Mal hier, hm?“. „Vielleicht.“ „Ganz bestimmt. Wärst du schon mal hier gewesen, wüsste ich das.“. „Ach ja? Und woher?“. „Ich kenne jeden der hier reinkommt. Zuerst beobachte ich dich. Und wenn du mir gefällst, spreche ich dich an. Wie heißt du eigentlich?“. „Anakin. Ich ...ähm, bin allerdings nicht zum Vergnügen hier.“. „Soso. Und wofür dann?“. „Ich soll das Ganze hier unter die Lupe nehmen.“. „Und wofür?“. “Auftrag von meinem Meister.“. „Oh. Vielleicht sollst du das hier für ihn auskundschaften, damit er weiß ob es sich lohnt herzukommen?“, fragte Thayet lachend. „Nun, ich glaube nicht, dass Meister Obi-Wan derartige Orte privat aufsucht.“, erklärte Anakin grinsend. Plötzlich trat ein Mann vor Anakin. Er kehrte Thayet den Rücken zu und schien gar nicht zu bemerken, dass sie überhaupt da war. Er war kleiner als der junge Mann und hatte rotbraunes Haar, das fast bis zu den Schultern reichte. „Anakin, bist du soweit?“. Thayet bemerkte erschrocken, wie ihr Herz schneller zu schlagen begann beim Klang seiner Stimme. „Nun ja Meister... . Ähm...darf ich Euch Thayet vorstellen?“. Er drehte sich mit einem wütenden Gesichtsausdruck um und zischte: „Anakin...“. Doch dann sah er Thayet an. Er begann etwas verlegen zu lächeln: „Hallo.“. Auch Thayet begann schüchtern zu lächeln, als sie in dieses weiche Gesicht mit den undefinierbar grün-blau-grauen Augen sah. In ihrem Bauch begann etwas zu kribbeln. Sein Gesicht wurde plötzlich ernst, ebenso wie ihres. Und dann, ohne ein Wort und ohne den Blick von seinen Augen zu nehmen, nahm sie seine Hand und führte ihn in einen anderen Raum.

Anakin Skywalker sah ihnen verwirrt hinterher.

(Dido
Here with me

I didn’t hear you leave
I wonder how am I still here
And I don’t want to move a thing
that might chance my memory

Oh, I am what I am,
I’ll do what I want
but I can’t hide

And I won’t go
I won’t sleep
I can’t breath
until you’re resting here with me
And I won’t leave
I can’t hide
I cannot be
until you’re resting here with me

I don’t want to call my friends
that might awake me from this dream
and I can’t leave this bed
just forgetting all that’s been

Oh, I am what I am
I’ll do what I want
but I can’t hide

And I won’t go
I won’t sleep
I can’t breath
until you’re resting here with me
And won’t leave
I can’t hide
I cannot be
until you’re resting here with me)

Als Obi-Wan Kenobi erwachte, war er wie in Trance. Er stand auf und zog sich an ohne auch nur einmal den Blick von der schlafenden Gestalt Thayets zu nehmen. Endlich war er fertig, riss sich nach einem letzten Blick endgültig los und verließ das Zimmer durch den Hinterausgang. Die frische Luft machte seine Gedanken langsam wieder klarer und als er seinen Delta Wing erreichte und einstieg, fragte er sich was nur geschehen war. Gerade eben noch wollte er Anakin abholen und im nächsten Moment folgte er einer Wildfremden in ein Nebenzimmer um etwas zu tun was einem Jedi nicht gestattet ist. Er verstand es nicht. Er hatte sie angesehen, sie hatten sich in die Augen geblickt und er hatte sich in diesen Augen verloren. Alles andere um ihn herum war plötzlich unwichtig geworden. Er war sich sicher sie hatte es auch gespürt, dieses Gefühl – er hatte nur bei ihr sein wollen, ihr nahe sein. Dieses Gefühl war so übermächtig gewesen... . Er hatte die Kontrolle verloren. Und das vor seinem Padawan! Was dachte Anakin wohl jetzt? Er würde mit ihm reden müssen. Und was war mit dem Rat? Sollte er sie einweihen? Nein, der Rat durfte nichts erfahren, wenn er ein Jedi bleiben wollte. Und er würde mit Thayet reden müssen. Thayet. Oh, warum nur fühlte er sich so eigenartig, wenn er an sie dachte? Warum schmerzte es ihn so, ihr sagen zu müssen, das er sie nie wieder sehen konnte? Warum wünschte er sich nur, er wäre kein Jedi, sobald es um sie ging? Er hätte sich selbst belügen müssen, um zu behaupten, das die letzte Nacht für ihn nicht wunderschön gewesen war. Thayet ging ihm einfach nicht mehr aus dem Sinn. Er wünschte, es gäbe einen Weg wie er bei ihr sein und ein Jedi sein konnte. Doch einem Jedi waren Bindungen dieser Art untersagt. Er musste sie sich aus dem Kopf schlagen und weiter machen wie bisher. Er musste mit Anakin reden und ihm alles erklären. Doch wie sollte er ihm etwas erklären, für das er selber keine rechte Erklärung hatte?

Kaum das er den Jedi-Tempel erreicht hatte, stürmte Obi-Wan Kenobi in Anakin Skywalkers Unterkunft. Der jüngere Jedi blickte überrascht auf: „Meister...“. „Anakin, weiß der Rat was gestern Abend geschehen ist?“, fragte Obi-Wan ohne Umschweife. „Nein, ich weiß ja selbst nicht genau, was das gestern war, Meister.“. „Gut, denn da bist du nicht der Einzige. Trotzdem wäre es wahrscheinlich besser, wenn der Rat nichts erfahren würde...“. „Meister, Ihr habt doch nicht etwa...?“, die Frage blieb Minuten lang im Raum stehen. „Es wird nie mehr geschehen, das schwöre ich. Ich kann nicht mal erklären, wie das passieren konnte. Aber Anakin, wenn du lieber mit dem Rat darüber sprechen willst... .“, er sah seinen Padawan fragend an. „Nein, Meister. Euer Geheimnis ist bei mir sicher.“. „Dann...dann sollten wir wohl den Rat über den Fortgang unserer Ermittlungen aufklären.“, meinte Obi-Wan vorsichtig. Wenn Anakin den Rat nicht informieren wollte, war es wohl das Beste weiterzumachen, als wäre nichts geschehen. Jedenfalls hoffte Obi-Wan das.

Thayet Mi-Long trat gerade aus den Privaträumen von Senator Mick Kadenga von Kadenscha. Sie war in eine elegante weiße Robe gekleidet, ihr Haar war straff zurückgebunden. Sie wirkte wirklich wie eine Senatorin und keiner der sie auf dem Weg durch das Senatsgebäude sah, wäre auf die Idee gekommen, dass diese Frau hier keineswegs einer politischen Arbeit nachkam, noch dazu, weil sie einem bereits des öfteren über den Weg gelaufen war. Thayet hatte einige Kunden unter den Senatoren. Denn welcher Politiker hat schon Zeit sich nach einer Partnerin umzusehen? Also besorgt man sich eine käufliche Bettgenossin. Würde das allerdings herauskommen, wäre es ein Skandal. Also spielte Thayet die dem Verein Zugehörige. Sie hatte nie Probleme mit ihrer Arbeit gehabt. Nicht bis zur letzten Nacht. Sie war es gewohnt gewesen nichts zu empfinden wenn sie die Wünsche der Freier erfüllte. Oft war sie mit den Gedanken ganz woanders gewesen und hatte ihre „Arbeit“ wie ein Roboter ganz automatisch ausgeführt. Doch heute bei Mick war es anders gewesen. Die Nähe zu diesem Mann hatte sie abgestoßen, denn sie hatte sich einen anderen an ihrer Seite gewünscht. Obi-Wan war sein Name. Sie wusste kaum mehr über ihn. Und doch war in seinen Augen, in seiner Stimme, in seiner ganzen Erscheinung so viel Wärme gelegen. Sie hatte so jemanden wie ihn noch nie zuvor getroffen. Es war ihr vom ersten Moment an gewesen als ob sie ihn kennen würde, als ob sie etwas verband, etwas Tiefes und Starkes. Sie seufzte als sie einen langen Korridor entlang ging und die Erinnerung an die letzte Nacht in ihr hoch drang. Sie hatte so etwas noch nie erlebt. Zum ersten Mal hatte sie sich gut und glücklich gefühlt, während sie mit einem Mann schlief. Zum ersten Mal ging es nicht darum die Wünsche des Mannes zu erfüllen. Und auch sonst war es ganz anders gewesen: Sie hatte es selber gewollt, nicht um Geldes willen, nein sie wollte ihm einfach nah sein. Und dann war da auch die Art gewesen auf die er ihr nahe gekommen war. Er war sanft und zärtlich und er war ihr... unerfahren erschienen. Sie musste unwillkürlich lächeln. Es war ein verträumtes Lächeln über die süße Erinnerung. Ob er wiederkommen würde? Sie verdrängte diesen Gedanken. Er hatte schließlich nicht einmal bezahlt, er war am Morgen einfach gegangen. Außerdem sollten ihr allein schon die Gefühle, die in ihr hochkamen, wenn es um diesen Mann ging, zu denken geben. Eine Prostituierte verliebte sich nicht. Das würde nur böse enden. Das sagte ihr Kopf, aber ihr Herz dachte ganz anders darüber. Sie hatte Obi-Wan sogar geküsst, richtig auf den Mund. Und sie sehnte sich danach ihn wiederzusehen. Auch gab es sonst keinen Morgen. Nach dem Geschlechtsakt nahm sie ihr Geld und verschwand wieder. Doch letzte Nacht war sie einfach in Obi-Wans Armen eingeschlafen. Und sie hatte sich dort so sicher und geborgen gefühlt... . Der Klang einer vertrauten Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Sie stand auf einer Treppe, die zur Eingangshalle des Senatsgebäudes führte und blickte auf diese herab. Dort unten sah sie einen Senator stehen und ihm gegenüber einen Mann in Jedi-Robe, der ihr den Rücken kehrte. Doch dieser Rücken und die fast bis zur Schulter reichenden rot-braunen Haare kamen ihr vertraut vor, außerdem hatte sie geglaubt Obi-Wans Stimme gehört zu haben. Sie kannte ihn zwar erst wenige Stunden, doch sie wusste diese Stimme würde sie überall erkennen. Sie schlich sich weiter die Treppe hinunter und duckte sich dann hinter dem Geländer. Nun konnte sie alles verstehen was gesagt wurde. „Was kann ich für Sie tun, Meister Jedi?“, fragte der Senator. „Ich bin Obi-Wan Kenobi, Meister Yoda sagte mir, ich solle etwas von Ihnen abholen, das im Jedi-Tempel verwahrt werden soll“, entgegnete der Jedi-Ritter mit leiser Stimme. Thayet war sich sicher, das es Obi-Wans Stimme war, auch wenn sie hoffte sich zu irren, denn sie wollte es nicht wahr haben. Ganz zu Schweigen davon, das er sich mit Obi-Wan vorgestellt hatte. Aber das konnte ja ein Zufall sein, wenn auch ein Unwahrscheinlicher. „Folgen Sie mir bitte.“, entgegnete der Senator und setzte sich in Bewegung. Der Jedi folgte ihm und nun konnte Thayet auch einen kurzen Blick auf sein Gesicht erhaschen. Kein Zweifel. Es war der Obi-Wan von letzter Nacht. „Oh Thayet“, schimpfte sie sich selbst, „nicht nur das du dich verliebst, nein, es muss auch noch ausgerechnet ein Jedi-Ritter sein!“. Sie wusste genug über die Jedi um zu wissen, das ein Liebesverhältnis bei ihnen nicht gestattet war und schon gar nicht mit einer Prostituierten, denn das würde den Ruf ja noch mehr schädigen, wenn es herauskäme. Ob diesen Jedi wohl gestern Nacht einfach nur der Hafer gestochen hatte? Sie hatte vor nicht weiter darüber nach zu denken. Sie würde diesen Mann aus ihrem Gedächtnis streichen. Wenn sie ehrlich war, hatte sie kindische Hoffnungen in ihn gesteckt. Sie hatte das Gefühl gehabt, es wäre ihm genauso gegangen wie ihr und darauf hatte sie die Hoffnung aufgebaut, dass dieser Mann ihr „strahlender Ritter“ sein würde, der mit ihr ein neues Leben anfangen und sie aus ihrem bisherigen erretten würde, auch, wenn sie es vor sich selbst bisher nicht zugegeben hatte. Doch nun war das vorbei. Es war kindisch gewesen überhaupt nur daran zu denken. Sie würde ihn vergessen. Ganz einfach. Doch als sie das Senatsgebäude verlies und in ein Lufttaxi nach Hause stieg, konnte sie es nicht verhindern, das einige Tränen einen Schleier über ihre Augen legten.

Die Nacht senkte sich über Coruscant herab und Obi-Wan Kenobi machte sich in Zivilistenkleider gehüllt schweren Herzens auf in die tiefsten und schmutzigsten Ebenen des Planeten um mit Thayet zu sprechen. Er hoffte sie allein vorzufinden, ohne „Kunden“. Allein die Vorstellung, dass sie vielleicht gerade jetzt in den Armen eines anderen lag, lies ihn ihm gleichermaßen Übelkeit wie Wut hochsteigen. Als er den Nachtclub „The Dark Side“ betrat, wurde er gleich von einer hübschen Blondine angesprochen. Er fragte sie nach Thayet. Die Blondine blickte etwas enttäuscht drein und bedeutete ihm dann mit dem ganz in der Nähe herumschwirrenden Toydarianer, Ricco, zu sprechen. Der allerdings meinte nur: „Sie hat Kundschaft. Sie können jetzt nicht zu ihr.“. „Wo ist sie?“, fragte Obi-Wan nun eindringlicher. Mehr als seine Stimme schien den Toydarianer allerdings der Druck, der wie von unsichtbarer Hand auf seine Kehle ausgeübt wurde zu beeindrucken. „Raum 3“, keuchte er und sank müde auf den nächsten Stuhl, als der Druck nachließ. Obi-Wan stürzte in Raum 3. Als er den anderen Mann über Thayet sah, verkrampfte sich sein Magen. „Hey, was fällt dir ein? Hier ist besetzt! Verschwinde bloß!“, stieß der andere hervor, als er den Jedi entdeckte. Als Obi-Wan ruhig stehen blieb und die Tür schloss, sprang der Mann auf und wollte sich auf ihn stürzen, da hatte er plötzlich die Klinge eines Lichtschwerts an der Kehle. „Nein, du bist derjenige, der verschwinden wird“, sagte Obi-Wan ruhig, aber eindringlich. „Ein Jedi.“, flüsterte der andere, zog sich zurück und begann sich anzuziehen. „Bin schon weg“, meinte er noch, als er das Zimmer verlies. Thayet hatte sich im Bett aufgesetzt: „Wieder da und schon meine Kundschaft vergraulen. Der kommt nie wieder.“ „Ist vielleicht besser so.“, antwortete Obi-Wan leise. „Also, warum dieses ganze Theater?“, fragte Thayet etwas ungeduldig. Sie versuchte damit ihre Nervosität zu überspielen und sich selbst von dem wilden Klopfen ihres Herzens und dem Kribbeln in ihrem Bauch abzulenken. „Ich...“, Obi-Wan wusste nicht wie er anfangen sollte. Vielleicht war es ihr ja ganz egal, ob er wieder kam. Um es herauszufinden meinte er: „Ich bin hier um zu bezahlen.“. Thayet wurde blass, doch sie lies sich ihre Gefühle nicht anmerken. „Ja, natürlich.“, antwortete sie leise. „Es...“, Obi-Wan nahm all seinen Mut zusammen. „Es war wunderschön, gestern Nacht.“. Thayet brachte nichts heraus. Sie nickte nur. So vergingen einige Minuten in denen keiner etwas sagte, in denen sie sich nur ansahen. „Du gehörst nicht an einen Ort wie diesen“, sagte Obi-Wan mehr zu sich selbst. Doch Thayet hatte es gehört. „Wohin gehöre ich dann?“, fragte sie. „Zu mir.“, dachte er, doch er sagte es nicht. „Wirst du wieder kommen?“, fragte Thayet nach einer Weile. Obi-Wan schüttelte nur den Kopf. Endlich stand Thayet auf und schlüpfte ihn ihr Kleid. Dann ging sie auf ihn zu. „Obi-Wan...“, sie fand einfach nicht den Mut ihm zu sagen, was sie empfand. „Ich bin ein Jedi-Ritter.“, stieß er hervor. „Ja, ich weiß.“, sie zwang sich zu einem Lächeln. Dann fuhr sie fort: „Ich will dein Geld nicht. Letzte Nacht, das war kein Geschäft.“. „Nein, das war es nicht.“, sagte er leise. „Ich gehe jetzt besser.“. „Warum?“. „Weil ich sonst nicht mehr von dir weg gehen kann.“. Thayet küsste ihn, sie konnte es einfach nicht kontrollieren. Einen Moment erwiderte er den Kuss, dann schob er sie sanft von sich. Sie würde nie erfahren, wie schwer ihm das gefallen war. „Du solltest dir eine andere Arbeit suchen.“, meinte er. Dann lächelte er schwach und berührte sanft ihre Wange: „Gib gut auf dich acht, Thayet.“. „Möge die Macht mit dir sein.“, erwiderte sie leise. Er nahm seine Hand weg. Dann verlies er das Zimmer und sie sah ihm nach bis er den Nachtclub verlassen hatte.

(The Calling
Stigmatized

If I give up on you,
I give up on me
If we fight what’s true,
will we ever be?
Even God himself
and the faith I knew
Shouldn’t hold me back,
shouldn’t keep me from you

Tease me, by holding out your hand
Then leave me, or take me as I am
And live our lives, stigmatized

I can feel the blood rushing through my veins
When I hear your voice, driving me insane
Hour after hour,
day after day
Every lonley night
that I sit and pray

Tease me, by holding out your hand
Then leave me, or take me as I am
And live our lives, stigmatized

We’ll live our lives on different sides,
But we keep together you and I
Just live our lives, stigmatized

We’ll live our lives,
we’ll take the punches every day
We’ll our lives,
I know we’re gonna find our way

I believe in you
Even if no one understands
I believe in you
and I don’t really give a damn
If we’re stigmatized
We live our lives on different sides
But we keep together you and I
We live our lives on different sides

We’re gonna live our lives
Gotta live our lives,
We’re gonna live our lives
We’re gonna live our lives,
Gonna live our lives stigmatized)

Obi-Wan war mit Anakin auf dem Weg zum Jedi-Rat. Er war dankbar, dass sein Padawan keine Fragen stellte, denn er war in Gedanken ganz woanders. Natürlich hatte es schon früher Momente gegeben in denen er an seiner Berufung zum Jedi gezweifelt hatte. Doch das war meist nur die Angst vor dem Versagen gewesen oder eine Erschütterung seines Glaubens an die Macht. Dann hatte er mit Qui-Gon darüber sprechen können oder nach dessen Tod mit Yoda oder einem anderen der erfahreneren Jedi-Ritter. Doch jetzt – jetzt wagte er mit niemandem darüber zu sprechen. Das heißt, zu Qui-Gon hätte er das nötige Vertrauen gehabt. Qui-Gon hatte schließlich selbst geliebt und auch so manchen Fehler gemacht. Doch Qui-Gon war tot. Und die anderen, so glaubte er, könnten ihn nicht verstehen und würden sein Verhalten verurteilen. Außer vielleicht Anakin. Doch seinem Padawan gegenüber so offen darüber zu sprechen, hielt er nicht gut für dessen Ausbildung. Obi-Wan musste selber damit fertig werden. Doch dafür musste er weg, weg aus Coruscant. Er durfte nicht mal auch nur in Versuchung geraten Thayet wieder zu sehen. Das war der Grund warum sie jetzt zum Rat gingen. Ihre Mission auf Coruscant war beendet und er hatte von einer Mission auf Ansion gehört. Nun wollte er den Rat darum bitten, das Anakin und er diese Mission übernehmen durften. Der Auftrag würde ihn ablenken, der Flug ihm Zeit geben in Ruhe nachzudenken. Ja. Dann würde er sich wieder in den Griff bekommen.

Thayet hatte alle Verabredungen mit „Kunden“ abgesagt und sich krank gemeldet. Den ganzen Tag schon war ihr übel und sie hatte sich schon mehrmals übergeben. Auch sonst fühlte sie sich miserabel. Sie konnte an nichts anderes denken, als an Obi-Wan und der Gedanke ihn niemals wieder zu sehen trug nicht gerade zu ihrem Wohlbefinden bei. Ihre Wohnung hatte zwei Zimmer. Sie lag mit einer Wärmflasche auf ihrem Bett im Schlafzimmer, als es klingelte. Sie quälte sich zur Tür und öffnete. Als sie sah wer davor stand, hätte sie sie am liebsten wieder zugeschlagen. Es war ihr verhasstester Kunde. Sie hatte ihn vom ersten Moment an gehasst. Vor einem halben Jahr hatte sie das erste Mal in seine kalten Augen geblickt. Er war grob und hart und verlangte, dass sie ihn „Imperator“ nannte. Sein wahrer Name war allerdings Palpatine. Kanzler Palpatine. Die meisten hielten ihn für einen guten, freundlichen Mann. Doch Thayet hatte sehr schnell sein wahres Gesicht kennen gelernt. Manchmal waren sie unterbrochen worden, weil der Kanzler zu einem wichtigen Gespräch gerufen wurde. Im Nebenzimmer. Sie konnte durch die Wand sehen, doch die Leute auf der anderen Seite sahen nur eine Spiegelwand. Nach diesen Gesprächen hatte er ihr oft erzählt, was er diesen Leuten wieder vorgespielt hatte. Nun also stand der Kanzler vor ihr mit einem Blumenstrauß in der Hand. Sie hatte ihm eigentlich für heute abgesagt. „Imperator...“. „Ich wollte einfach nicht auf unser Treffen heute verzichten und dachte ich mache einen Krankenbesuch. Ich darf doch hereinkommen?“ Ohne ihre Antwort abzuwarten trat er an ihr vorbei in die Wohnung. Er sah sich um: „Gemütlich hast du’s hier.“. „Woher haben Sie meine Adresse?“. „Ricco war so freundlich sie mir zu verraten.“. Thayet sah ihn ungläubig an. „Ich dachte ich nehme die Gelegenheit beim Schopfe und mache dir ein Angebot über das ich schon eine ganze Weile nachdenke.“, fuhr Palpatine unbeirrt fort, „Ich möchte dich nicht mehr teilen müssen. Ich möchte, dass du immer für mich Zeit hast. Ich werde dir eine Wohnung mieten, weit größer und komfortabler, als dieses Loch hier und du wirst natürlich besser bezahlt werden. Also, wirst du annehmen?“. „Nun... Imperator... eigentlich überlege ich derzeit auszusteigen.“, antwortete sie vorsichtig. „Aussteigen?“, fragte er bedrohlich, dann bekam er sich wieder in den Griff und meinte liebenswürdig: „Du bist doch für diese Arbeit wie geschaffen, warum also aussteigen? Und du hättest ja nur noch mich als Kunden.“. Dann fügte er schärfer hinzu: „Ein solch lukratives Angebot lehnt man nicht einfach ab, Thayet. Also überleg es dir gut.“. Thayet fühlte das, wie schon so oft bei diesem Mann, die Angst in ihr hochstieg. Er wurde wieder freundlicher: „Also, ich muss jetzt. Ich habe noch ein Gespräch mit dem jungen Anakin Skywalker. Ich habe viel vor mit diesem Jungen.“. Sprach er etwa von dem Anakin aus dem „Dark Side“? Dem sympathischen Schüler von Obi-Wan? Überrascht fragte sie: „Anakin?“. „Kennst du ihn?“, fragte Palpatine misstrauisch. „Nein. Nein.“. „Er ist ein Jedi-Ritter, das heißt noch wird er unterrichtet von diesem Obi-Wan Kenobi. Er ist der Einzige, der mir bei meinen Plänen mit dem Jungen noch im Weg steht...“. Thayets Herz begann zu rasen. Palpatine hatte Pläne mit Anakin. Allein das war schon erschreckend genug. Doch wenn Obi-Wan diesen Plänen im Weg stand, war er in Gefahr. Sie musste ihn warnen. Und sie musste ihm sagen, dass er auf Anakin achten musste. Palpatine schien ihre Sorge nicht zu bemerken. „Wie dem auch sei, ich muss jetzt leider wirklich. Also dann: Gute Besserung. Ich höre von dir.“. „Danke. Natürlich.“. Palpatine verlies ihre Wohnung und lies eine sehr besorgte Thayet zurück, die sich erst mal ihres nicht vorhandenen Mageninhalts entledigen musste.

Zwei Wochen lang musste Thayet das Bett hüten. Zwei Wochen in denen nicht eine Stunde verging in der sie nicht fieberhaft überlegte, wie sie Obi-Wan warnen konnte. Doch das Einzige das ihr einfiel, war zum Tempel zu gehen und mit ihm zu sprechen. Doch Tag um Tag war sie ans Bett gefesselt. Und ihre tiefe Besorgnis verfolgte sie bis in ihre Träume. Ja, sie hatte viel Zeit zum Nachdenken in diesen zwei Wochen. Und so entschied sie sich Obi-Wans Rat zu folgen und sich eine neue Arbeit zu suchen. Schließlich kam ihr schon beim Gedanken einem anderen Mann näher zu kommen alles hoch. Es schien ihr wie ein Verrat. Ganz zu schweigen davon, dass Mick mit ihrem letzten Treffen gar nicht zufrieden gewesen war. Und wenn das so weiter ging würden ihre Kunden ohnehin abspringen. Also warum sich noch weiter quälen? Kaum das Thayet wieder halbwegs auf den Beinen war, machte sie sich auf den Weg zum Jedi-Tempel. Als sie vor dem großen ehrwürdigen Gebäude stand, überkam sie Furcht. Sie wusste, sie gehörte nicht an einen solchen Ort. Sie kam sich unwürdig vor und glaubte, dass jeder Jedi sofort eine Prostituierte in ihr erkennen würde. Dann würde alles ans Licht kommen und man würde Obi-Wan des Tempels verweisen. Und sie wäre daran schuld. Doch dann nahm sie ihren Mut zusammen. Das war doch lächerlich. Trotzdem kostete sie der erste Schritt einige Überwindung. Langsam betrat sie den Tempel und bestaunte die große Eingangshalle voll mit Pflanzen. Auch einen kleinen Wasserfall konnte sie erkennen. Wären nicht die Sitzgelegenheiten und die Treppen gewesen, sie hätte sich wie im Dschungel gefühlt. Doch wo sollte sie nun hin? Wo konnte Obi-Wan sein? Sie beschloss die Treppe hochzusteigen, sich um- und dann weiterzusehen. Weit kam sie nicht, denn auf halbem Weg kam ihr ein Wookie in Jedi-Kleidung entgegen. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte er freundlich. „Ich suche Meister Obi-Wan Kenobi.“, antwortete Thayet. „Oh, der ist auf einer Mission. Aber vielleicht kann Ihnen jemand anders weiterhelfen. Um was für ein Pro...“. „Nein, vielen Dank. Aber vielleicht könnt Ihr mir sagen, wann er zurückerwartet wird?“. Der Jedi sah sie etwas beleidigt an, doch er antwortete ihr höflich: „In circa zwei Wochen, werden er und sein Padawan wohl zurück sein.“. „Vielen Dank.“. Und damit verlies Thayet den Tempel so schnell sie konnte.

Knappe weitere zwei Wochen später machte sich Thayet erneut auf den Weg in die höheren Viertel Coruscants. Als sie den Jedi-Tempel betrat, spürte sie wieder die Weisheit in diesen Hallen. Sie ging die Treppen hinauf und dann einen Korridor entlang. Dort begegnete sie einem hochgewachsenen, dunkelhäutigen Mann. Sie sprach ihn gleich an. „Könnt Ihr mir sagen, ob Meister Obi-Wan Kenobi bereits von seiner Mission zurückgekehrt ist?“. „Sie haben Glück,“, antwortete der Jedi freundlich, „er und Anakin sind gestern Nacht angekommen.“. „Ich würde gerne mit ihm sprechen, wenn das möglich ist.“. „Natürlich. Folgen sie mir.“. Sie setzten sich in Bewegung. „Er trainiert gerade unsere Jüngsten. Ich werde Sie in seine Kammer bringen und ihn dann holen. Was möchten sie denn von ihm?“, fragte er neugierig. „Es geht um Anakin.“. „Hat er etwa schon wieder etwas ausgefressen?“, fragte der Jedi-Meister und er schien sich nicht entscheiden zu können, ob er bei dem Gedanken amüsiert sein oder in Wut geraten sollte. „Oh nein. Keine Sorge.“. Ihr Führer blickte etwas verwirrt drein, harkte aber nicht weiter nach. „Sie werden ungestört mit Obi-Wan über Anakin reden können, der Junge ist im Moment nicht hier.“. Er stoppte vor einer Tür, öffnete sie und bedeutete Thayet einzutreten. Dann verabschiedete er sich, fragte sie noch wen er Obi-Wan ankündigen solle. „Thayet wird genügen.“. Dann ging er Obi-Wan holen. Thayet sah sich derweil in dem kleinen Kämmerchen um. Das war also Obi-Wans Reich, wenn man es überhaupt so bezeichnen konnte, denn da war nicht viel mehr als eine Pritsche, ein Kleiderschrank und ein kleines Tischchen. Dieses Tischchen, oder besser gesagt, was auf dem Tischchen stand, war wohl das Einzige, das etwas über den Bewohner aussagte und selbst das war nicht viel. Es standen nur zwei Hologramme darauf und ein Lichtschwertknauf lag daneben. Das überraschte Thayet ein wenig, hatte sie doch gehört das Jedi-Ritter ihre Lichtschwerter immer bei sich trugen. Sie betrachtete die Hologramme. Auf dem einen war Obi-Wan mit Anakin zu sehen, auf dem anderen stand er, ohne Bart und mit Padawanfrisur, neben einem großen Mann mit stolzen Gesichtszügen und langen Haaren, ebenfalls in Jedi-Kleidung. Sie verglich die zwei Bilder. Obi-Wan sah immer noch jung aus, auch wenn die weichen Gesichtszüge teilweise vom Bart verdeckt und teilweise verhärtet waren. Thayet hätte gern gewusst, wer der stolze Mann war. Vielleicht Obi-Wans Meister?

Obi-Wan versuchte verzweifelt die Kontrolle über sich zu wahren, während er zu seinem Zimmer ging. Mace Windu hatte ihm erzählt, das dort eine junge Frau namens Thayet warte, angeblich um mit ihm über Anakin zu reden. Widerstreitende Gefühle stiegen in ihm hoch. Er war wütend, dass sie her gekommen war, und wütend, dass er sich nicht in der Gewalt hatte. Auf Ansion hatte er gedacht seine Gefühle in den Griff gebracht zu haben und nun spielte wieder alles verrückt. Denn da war diese Freude darauf sie wiederzusehen, dieses Herzrasen und er konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Er betrat die kleine Kammer und blieb wie angewurzelt stehen, als er sie sah. Sie stand mit dem Rücken zu ihm, ein Hologramm in der Hand und bemerkte ihn nicht. Er hätte sie ewig einfach nur so ansehen können. Ihre Anmut bewundern und das Glücksgefühl, das ihr Anblick ihm gab auf sich wirken lassen können. Doch er tat es nicht. Stattdessen drückte er auf einen Knopf, die Tür schloss sich und Thayet drehte sich um. Eine Weile sagten sie nichts. Thayet versank einfach in den Anblick des Mannes den sie liebte. Sie wollte sich seinen Anblick einprägen um ihn nie wieder zu vergessen. Nicht die kleinste Kleinigkeit. Denn sie wusste das sie ihn nie mehr wiedersehen würde. Dann brach sie endlich das Schweigen. „Wer ist das hier auf dem Bild?“, sie zeigte auf das ältere Hologramm. „Mein Meister, Qui-Gon Jinn. Er ist bereits gestorben. Vor zehn Jahren schon. Ein Sith hat ihn getötet. Und ich konnte nichts tun.“, fügte er bitter hinzu. „Ich konnte nur noch dafür sorgen, dass der Sith nie mehr jemanden töten würde.“, den Ton in dem Obi-Wan das sagte, kannte Thayet nicht von ihm. Schwang da etwa Hass mit? Durfte ein Jedi nicht ebenso wenig hassen, wie er lieben durfte? „Das ist Qui-Gons Lichtschwert.“, er zeigte auf den Knauf auf dem Tischchen, „das Einzige was mir von ihm geblieben ist.“. Sein Meister musste Obi-Wan viel bedeutet haben. Hatte der Mann, den sie als so sanft und gut einstufte, etwa aus blindem Hass den Sith getötet? Es herrschte wieder Stille. Thayet riss sich aus ihren Gedanken. „Ich bin hier wegen Anakin. Du musst gut auf ihn-“, Thayet spürte wie Übelkeit in ihr hochstieg. Sie legte eine Hand auf den Mund, die andere auf den Bauch und beugte sich leicht vor. „Thayet, was ist mit dir?“, fragte Obi-Wan besorgt. „Habt ihr hier Toiletten?“, stieß sie hervor. Obi-Wan nahm Thayets Arm und führte sie den Korridor hinunter zu den WC’s. Dort verschwand sie in einer Kabine und übergab sich heftig. Blass trat sie wieder hinaus. Erst jetzt fiel ihm auf, wie schmal sie geworden war. „Ist alles in Ordnung?“, eine Sorgenfalte bildete sich zwischen seinen Augenbrauen. „Es ist nichts. Vor ein paar Wochen hatte ich eine schwere Grippe. Ich dachte ich wäre wieder in Ordnung.“, sie zwang sich zu einem Lächeln, „Tja, ich habe mich wohl geirrt.“. Ganz entsprach das nicht der Wahrheit. Doch Thayet hatte nicht vor Obi-Wan von ihrem Verdacht zu erzählen. „Du musst auf Anakin Acht geben. Jemand will ihn für seine Zwecke benutzen. Und auf dich solltest du auch aufpassen, du bist der Einzige der noch zwischen ihm und Anakin steht.“, sagte sie mit schwacher, aber eindringlicher Stimme. „Was meinst du damit? Von wem redest du?“, fragte Obi-Wan. „Ich... ich muss jetzt gehen.“, sie konnte ihm nicht in die Augen sehen. „Gib auf dich Acht.“. Einen Augenblick lang wollte sie ihm über sein Gesicht zu streichen, doch sie zog die Hand zurück. Als sie sich umdrehte, fragte Obi-Wan leise: „Soll ich dich nicht nach Hause bringen?“. „Besser nicht.“. Und dann ging Thayet.

Ihr nächstes Ziel lies die Übelkeit erneut in ihr aufsteigen, doch sie ignorierte dieses Gefühl einfach. Sie musste es hinter sich bringen. Jetzt. Sie betrat das Senatsgebäude und wenige Minuten später hatte sie die Räume des Kanzlers erreicht. Gerade wollte sie klopfen, als sie Schritte hörte. Sie wich zurück in den nächsten Türrahmen. Erschrocken erkannte sie, wer da das Büro des Kanzlers verlies. Es war Anakin. Hier also war er gewesen. Sollte sie mit ihm sprechen? Nein, die Gefahr das Palpatine es mitbekam, war zu groß. Als Anakin außer Sichtweite war, betrat sie die Büroräume. Als der Kanzler von seiner Sekretärin erfuhr, wer da war, lies er sie sofort eintreten. „Thayet. Endlich. Ich wurde schon langsam ungeduldig.“, er kam mit ausgebreiteten Armen auf sie zu. Sie wich zurück und nahm all ihren Mut zusammen. „Ich bin hier um Ihnen mitzuteilen, das ich aufhöre. Ich werde Ihr großzügiges Angebot also nicht annehmen.“. Er lies die Arme sinken. Einen Moment spiegelte sich Überraschung auf seinem Gesicht, dann wurde daraus Wut. „Du glaubst also, du kannst mich zurückweisen, glaubst, du kannst mein Angebot abschlagen? Doch so einfach kommst du mir nicht davon! Das wirst du noch bereuen!“, brüllte er und kam wieder bedrohlich auf sie zu. „Nichts kann meine Entscheidung ändern.“, rief sie und dann rannte sie aus dem Büro, gefolgt von einem wutentbrannten: „Das werden wir ja sehen!“. Sie verlies das Senatsgebäude und übergab sich dann auf offener Straße.

Schwanger. Thayet war nach ihrem „Gespräch“ bei Palpatine zum Arzt gegangen. Ihr Verdacht hatte sich bestätigt. Es war Obi-Wans Kind. Ein Kind der Liebe. Die Technik war weit genug fortgeschritten um den genauen Tag der Zeugung feststellen zu können. Doch er würde nichts von diesem Kind erfahren. Sie würde es weit weg von hier großziehen. Weit weg von Coruscant. Und ja, auch weit weg von Obi-Wan. Denn auch wenn sie sich dessen nicht sicher sein konnte, befürchtete sie, das er sein Leben als Jedi-Ritter für das Baby aufgeben würde. Das Risiko konnte sie nicht eingehen. Das Leben eines Jedi war sein Schicksal. Und sie würde schon irgendwie klar kommen. Sie würde diesem Kind eine Zukunft geben. Sie würde es zu einem guten Menschen erziehen, auf den Obi-Wan stolz wäre. Und vielleicht eines Tages würde er sein Kind kennen lernen... . Etwas von ihm wuchs jetzt in ihr heran, ein Teil von ihm würde bei ihr sein in der noch unbekannten Zukunft, an einem fremden Ort. Das gab ihr die Stärke die sie brauchte.

Doch eine Brücke galt es noch abzureißen. Sie stattete Ricco einen Besuch ab. „Na, auch mal wieder hier, Thayet? Wieder gesund?“, begrüßte er sie. „Es geht schon. Ricco, ich... .“, jetzt wo sie hier vor ihm stand, hatte sie fast das Gefühl Ricco im Stich zu lassen, auch wenn das wahrscheinlich lächerlich und dumm war. Doch schließlich war er nie schlecht zu ihr gewesen und hatte ihr einen Anteil gelassen, der groß genug war um nun ein neues Leben zu beginnen. „Ich möchte aufhören.“. „Aufhören? So plötzlich? Mein bestes Stück?“. „Ich bin schwanger, Ricco.“. „Welches Mistschwein war es?“. „Er ist kein Mistschwein. Er ist das Beste, was mir je passiert ist.“, fügte sie leise hinzu. „Ah, und für diesen Wunderknaben und seinen Balg lässt du mich hier sitzen? Ich hoffe er weiß das zu schätzen.“. „Er weiß gar nichts davon und er wird auch nichts erfahren.“. „Ist es vielleicht dieser Jedi, der neulich hier war?“, fragte Ricco mit funkelnden Augen. „Niemand wird es erfahren, hörst du?“. „Schon gut. Ich nehme an, du weißt was du tust. Ich lass dich ja nur ungern gehen... Aber ich kann dich wohl ohnehin nicht aufhalten?“. „Nein.“. „Na dann: viel Glück. Und wenn du den dicken Bauch wieder los hast und wieder einen Job brauchst, du weißt ja: Ricco hat immer Arbeit für dich.“. Thayet nickte nur. Und dann ging sie nach Hause. Sie würde packen. Und dann würde ihr neues Leben beginnen.

Den ganzen Tag lang war Obi-Wan ruhelos durch den Jedi-Tempel gezogen und hatte seinem Padawan einige Bücher über die Geschichte der Jedi zu lesen gegeben, nur um mit seinen Gedanken allein sein zu können. Solange, bis Anakin ihn fand und ihm sagte, dass Meister Yoda ihn im Ratsraum erwarte. Obi-Wan machte sich keine Illusionen worum es ging. Also versuchte er sich innerlich auf seinen Abschied vom Jedidasein einzustellen. Immerhin würde er sich dann nicht mehr selber entscheiden müssen. Obi-Wan fand Yoda allein vor. Die meisten waren überrascht wenn sie erfuhren, dass der Weiseste aller lebenden Jedi-Ritter ein kleines grünes Geschöpf mit spitzen Ohren war, das ständig Worte an die grammatikalisch falsche Stelle setzte, nur um seinen Zuhörern volle Aufmerksamkeit abzuverlangen. Yoda lächelte Obi-Wan freundlich an. „Meister Yoda.“, sagte Obi-Wan und neigte den Kopf leicht zur Begrüßung. „Etwas dich beschäftigt, Obi-Wan, es dich besorgt. Vor deiner Reise nach Ansion du warst schon ungewöhnlich unruhig, nach deiner Rückkehr wieder besser es war, dann diese Frau kam... .“. Obi-Wan wusste es hatte keinen Sinn zu lügen. Der alte Jedi-Meister hatte die Macht direkt in sein Herz zu blicken. „Ich möchte Eure Zeit nicht unnötig strapazieren. Ich werde gleich meine Sachen packen.“. Obi-Wan drehte sich um und wollte gehen, doch der ältere Jedi fuhr fort. „Für so schwer dein Vergehen du hältst? Du glaubst alle anderen Jedi gefeit vor der Liebe sind?“. Obi-Wan drehte sich wieder Yoda zu und sah ihn fragend an. „Gestattet Bindungen dieser Art nicht sind, nein. Aber das nicht heißt keiner von uns manches Mal mit dem Gedanken hat gespielt. Eine Prüfung es ist für einen jeden Jedi. Ein Test wie stark seine Verbindung zur Macht und wie stark seine Selbstkontrolle sind. Wie es aussieht mit deiner Standhaftigkeit?“. „Ich weiß es nicht.“, antwortete Obi-Wan ehrlich, „Auf Ansion dachte ich, ich hätte mein inneres Gleichgewicht zurückgewonnen, doch jetzt... .“. „Ein starker Jedi, du bist, Obi-Wan, klarzukommen mit diesem Gefühl du lernen wirst.“. Mit diesen Worten verlies Yoda Obi-Wan und lies ihn so wieder mit seinen Gedanken und seiner Verwirrung allein. Nach einer Weile beschloss Obi-Wan nach Thayet zu sehen, herauszufinden ob es ihr gut ging. Dann würde er seine Ruhe vielleicht wieder zurückerlangen und weiter leben können wie bisher.

Er ging zu Ricco. Der war gar nicht erfreut den Jedi wiederzusehen. „Thayet ist nicht da.“, erklärte er ärgerlich, „Und sie kommt auch nicht wieder.“. „Wo wohnt sie?“, verlangte Obi-Wan zu erfahren. „Ich verrate die Adressen meiner Mädchen nicht.“. Obi-Wan packte den herumschwirrenden Toydarianer wutentbrannt an den Flügeln. „Schon gut, schon gut, ich nehme an, sie hat-“ ein dreckiges Lachen drang aus dem Mund des Toydarianers, „-ohnehin eine Überraschung für dich.“. Obi-Wan verwunderte diese Aussage zwar, doch er harkte nicht weiter nach. Er schrieb sich die Adresse auf und flog hin.

Thayet fühlte sich müde und schwach, als sie ihre Wohnungstür erreichte. Als sie ihre Wohnung betrat, entdeckte sie auf der kleinen Couch in der Mitte des einen Zimmers zwei Dugs. Sie wollte wieder davonlaufen, doch blitzschnell war der eine Dug aufgesprungen, hatte die Tür zugestoßen und versperrte ihr den Fluchtweg. „Du weißt, warum wir hier sind.“, sagte der andere Dug mit brüchiger Stimme. Seine Augen glitzerten böse. „Sagt Palpatine, ich werde ihm nie gehören. Eher sterbe ich.“. „Oh, ich denke auch das lässt sich einrichten, wenn du den Chef erst mal selber über deine Entscheidung in Kenntnis gesetzt hast.“. Und dann stürzten sich die beiden Dugs auf Thayet. Sie wusste das sie keine Chance gegen ihre zwei Gegner hatte. Mit letzter Kraft stieß sie einen verzweifelten Schrei aus.

Obi-Wan war gerade im Turbolift als er einen markerschütternden Schrei vernahm. Er erkannte Thayet und sein Magen verkrampfte sich. Verzweifelt versuchte er mit Hilfe der Macht den Lift zu beschleunigen. Endlich kam er im 110. Stock an. Als sich die Tür öffnete, rannte er los, entzündete dabei sein Lichtschwert und folgte seinem Gefühl, das ihn zielsicher zu Appartement Nummer 615 leitete. Er stieß die Tür mit dem Fuß auf und stürzte mit einem verzweifelten „Thayet!“ ins Zimmer. Wutentbrannt warf er sich den Dugs entgegen, die gerade versuchten, mit Thayet in einem Sack, durch das Fenster zu entkommen. Sie ließen den Sack los und spannten die Drachengleiter, die sie an ihren Armen befestigt hatten, auf. Dann sprangen sie aus dem Fenster und segelten davon. Obi-Wan wandte den Blick von ihnen ab, stürzte zu dem zugeschnürten Sack, öffnete ihn und half Thayet hinaus. Sie saßen auf dem Boden. Und dann nahm er sie erst einmal in die Arme. Sie zitterte am ganzen Leib. Ein blaues Auge hatten die Kerle ihr geschlagen und auf Armen und Beinen zeichneten sich Blutergüsse ab. „Es ist gut. Alles ist jetzt gut.“, flüsterte Obi-Wan während er ihr beruhigend über das Haar strich, „Ich bin jetzt hier. Ich werde dafür sorgen, dass dir nie wieder jemand weh tut, das schwöre ich.“. „Nein, tu das nicht.“, Thayet hob den Kopf, dann schob sie ihn von sich. Sie wurde langsam wieder ruhiger und ihre Gedanken wurden wieder klarer. „Ich komm schon allein klar.“. Obi-Wan schien etwas bestürzt, als er fragte: „Du weißt wer die Kerle waren?“. „Ja.“. „Werden sie wiederkommen?“. „Oh ja.“. „Dann werde ich dich schützen, du musst dir keine Sorgen... .“. „Das wird nicht nötig sein,“, unterbrach sie ihn, „ich gehe weg, ich verschwinde noch heute Nacht.“. „Du... du gehst weg? Wohin?“, fragte Obi-Wan entsetzt. „Es ist wohl besser, wenn du nicht weiter fragst.“, antwortete Thayet leise. „Aber... aber ich muss wissen, ob es dir gut geht. Ich muss wissen-“. „Nein Obi-Wan, der Jedi-Orden ist deine Welt und in der gibt es nun mal keinen Platz für mich. Wir sollten es nicht schlimmer machen als es ohnehin schon ist.“. Er brachte kein Wort hinaus. Er sah sie einfach nur völlig verstört an. Und das schmerzte Thayet kaum weniger, als ihre Worte ihn getroffen hatten. Sie sah keine mögliche Zukunft mit ihm. Sie lehnte seine Hilfe ab. „Du solltest jetzt besser gehen.“, Thayet musste für diese Worte all ihre Willenskraft aufbringen. Obi-Wan nickte. Es war ein Nicken der völligen Resignation. Er stand auf und verlies wie benommen das Appartement. Thayet konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

(Patty Smith & Don Henley
Sometimes love just ain’t enough

I don’t wanna lose you
but I don’t wanna use you,
just to have somebody by my side
And I don’t wanna hate you,
I don’t wanna take you,
but I don’t wanna be the one to cry

That don’t really matter to anyone, anymore
But like a fool I keep losing my place
and I keep seeing you walk through that door

There’s a danger in loving somebody too much
and it’s sad when you know, it’s your heart you can’t trust
There’s a reason why people don’t stay where they are,
Baby, sometimes love just ain’t enough

Now, I could never change you,
but I don’t wanna blame you
Baby, you don’t have to take a fall
Yes, I may have hurt you,
but I did not desert you
maybe I just wanna have it all

It makes us sound like thunder,
it makes me feel like rain
And like a fool, who will never see the truth
I keep thinking something’s gonna change

There’s a danger in loving somebody too much
and it’s sad when you know, it’s your heart you can’t trust
There’s a reason why people don’t stay where they are,
Baby, sometimes love just ain’t enough

And there’s no way home,
when it’s late at night and you’re all alone
Are there things that you wanted to say?
Do you feel me beside you in your bed?
There beside you where I used to lay

And there’s a danger in loving somebody too much
and it’s sad when you know, it’s your heart they can’t touch
There’s a reason why people don’t stay who they are
Baby, sometimes love just ain’t enough
Baby, sometimes love just ain’t enough

No.)

Am nächsten Morgen stand Thayet in der Dockbucht 94 und wartete auf ihre Fähre. Sie wusste, sie hatte Glück gehabt ihr Kind nicht verloren zu haben in der letzten Nacht. Und sie hoffte, das plötzlich Obi-Wan auftauchen und sie davon abhalten würde zu fahren. Doch als sie das Raumschiff endlich bestieg, war er immer noch nicht da. Es ist besser so. Das sagte ihr Verstand. Doch ihr Herz dachte etwas ganz anderes.

Obi-Wan Kenobi hatte kaum mehr als eine Nacht Zeit sich mit seinem Liebeskummer auseinander zusetzen. Denn schon am nächsten Morgen erhielten Anakin und er den Auftrag Padmé Amidala, die die beiden vor zehn Jahren auf Naboo das letzte Mal gesehen hatten, und die mittlerweile von der Königin zur Senatorin von Naboo geworden war, zu schützen. Anakin bereitete Obi-Wan Sorgen, denn er begriff schnell welche Gefühle sein Padawan für die Politikerin hegte. Und so war es Obi-Wan auch nicht recht, das sein Schüler allein mit Padmé nach Naboo flog, während er den Attentäter, der die Senatorin schon mehrmals bedroht hatte, suchen musste. Durch diese Mission gerieten sie alle in eine politische Intrige, die weder sie, noch die anderen Jedi-Ritter rechtzeitig erkannten. Der Sieg den Obi-Wan auf dem kargen Planeten Geonosis davon getragen zu haben glaubte, war in Wirklichkeit der Anfang vom Ende der Republik. Denn die Republik spaltete sich in zwei Gruppen. Die eine wollte die Klonarmee weiterhin nutzen, die andere war gegen dieses Vorhaben. Aus dieser Konstellation entstand das, was in die Geschichte der Galaxie als die Klonkriege eingehen sollte. Der Kanzler sah nun endlich eine Chance seine Macht noch weiter auszubauen und wurde zum Kopf der Befürworter der Klonarmee. Obi-Wan schlug sich, wie auch ein Großteil der übrigen Jedi, Padmé Amidala, Bail Organa und noch einige Andere, auf die Gegenseite. Doch gegen die Übermacht der Klonarmee hatten sie kaum eine Chance. Doch das war nicht Obi-Wans einzige Sorge. Er hatte zwar seine Gefühle für Thayet verdrängt, nicht aber ihre Warnung. Und er merkte durchaus, das sein Einfluss auf Anakin schwand. Mit vielfachen Vorträgen über die Gefahr der dunklen Seite versuchte er seinen Padawan von der Versuchung eben dieser abzuwenden. Allerdings hatte er während der Kriege keineswegs genug Gelegenheit sich richtig mit seinem Schüler und Freund und dessen Schwierigkeiten auseinander zusetzen. Auch ahnte er nicht, dass Anakin trotz des Krieges immer noch Kontakt zu Kanzler Palpatine hielt. Doch das Verhängnis für Anakin, seinen Meister und die gesamte Galaxis lag vor allem in einem Gefühl gegen das sie mit Verstand nicht vorgehen konnten: der Liebe.

All die Kämpfe konnte Thayet nur erahnen. Ihr Weg hatte sie nach Tatooine geführt, auf einen Planeten auf den die Republik kaum Einfluss nahm, so nah lag er bereits am Outer Rim. Hier herrschten die Hutts. Und denen war die Klonarmee ganz egal. Mit dem gesparten Geld kaufte sie sich eine kleine Feuchtfarm und einen alten Landgleiter. Sie begann diesen kargen Wüstenplaneten zu mögen, auf dem keiner nach der Vergangenheit fragte. Außerdem mochte sie die Stille und Einsamkeit, etwas, das sie auf Coruscant nie gekannt hatte. Ungefähr siebeneinhalb Monate nach ihrer Ankunft spürte Thayet heftiges Ziehen im Bauch. Die Wehen waren eingetreten. Irgendwie schaffte sie es trotz der Schmerzen ihren Landgleiter zu besteigen und zur nächsten Med-Station in Mos Eisley zu fliegen. Nach Stunden im Kreissaal legte man ihr endlich ein kleines, runzliges Bündel in den Arm. Große blaue Augen blickten sie interessiert an. Auf dem Kopf leuchtete ein Büschel roter Haare. Dieses warme kleine Wesen ließ sie alle Schmerzen vergessen. Thayet war überglücklich. Die blauen Augen wurden bald blasgrau und blickten stets furchtlos und mit großer Neugierde in die Welt. Und schon nach wenigen Wochen zeigte sich das Nimue, so nannte Thayet das kleine Mädchen, eindeutig Obi-Wans Tochter war: Sie ließ Gestände mit bloßen Gedanken schweben. Ja, die Macht war stark in Nimue.

Fast zwei Jahre währten die Klonkriege nun schon und die wenigen übriggebliebenen Gegner des Kanzlers sammelten sich auf Alderaan für einen letzten verzweifelten Gegenschlag. Anakin Skywalker und Obi-Wan Kenobi, der mittlerweile aufgrund seines strategischen Geschicks zum General ernannt worden war, befanden sich ebenfalls dort. Ebenso wie Padmé Amidala. Anakin war zum Jedi-Ritter ernannt worden. Doch Obi-Wan konnte sich über diese Entscheidung nicht richtig freuen. Anakin hatte sich verändert. Er war aggressiver und unberechenbar geworden. Und Obi-Wan konnte kaum noch mit ihm reden. Er befand sich in der kleinen Unterkunft, die man für ihn bereitet hatte, als Padmé Amidala erst klopfte und dann, nach einer Aufforderung seinerseits, das Zimmer betrat. Die junge Senatorin sah müde aus. Sie war gekommen um über Anakin zu sprechen, mit dem einzigen Menschen dem sie genug dafür vertraute. Im Laufe der Kriege waren sie so etwas wie Freunde geworden. Freunde deren Freundschaft aus Respekt vor dem Wissen des Anderen bestand. Sie hatten gelernt dem Rat des Anderen zu vertrauen. „Ich muss mit Euch sprechen, Obi-Wan. Es geht um Anakin.“. Obi-Wan wies auf einen Stuhl ihm gegenüber und sah sie dann aufmerksam an. „Ich... ich weiß nicht... wie... wie viel ihr wisst... weiß nicht wie viel er Euch erzählt hat.“. Obi-Wan hob eine Augenbraue, sagte aber nichts. „Ich weiß nicht, ob Ihr – Anakin und ich sind verheiratet. Seit zwei Jahren schon.“, sie sah ihn nicht an. Obi-Wan wusste nicht was er sagen sollte. Zwei Jahre. Und er hatte es nicht gewusst, er hatte es nicht einmal geahnt. Natürlich kannte er die Neigung seines ehemaligen Padawans. Trotzdem... . Padmé fuhr schnell fort. „Euch ist sicherlich auch aufgefallen, wie sehr Anakin sich verändert hat...“. „Die dunkle Seite ist stark in ihm geworden.“, antwortete Obi-Wan bitter. Er versuchte sich auf das zu konzentrieren, was sie eigentlich sagen wollte, denn ihm war klar, das sie noch nicht fertig war. „Er ist mir so fremd geworden. Es ist lange her seit er mir das letzte Mal gezeigt hat, dass er mich liebt...“, sagte sie leise, „er- er macht mir Angst. Er... schreit mich an ohne Grund, er redet davon die Republik müsse von einer starken Hand geführt werden und man müsse die Leute zu ihrem Glück zwingen.“, nun sah sie ihm in die Augen, „Ich bin schwanger, Obi-Wan.“. Was sollte er darauf antworten? Schon die Nachricht ihrer Hochzeit hatte ihn aus der Bahn geworfen. Nun auch noch das. Noch dazu zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Als ob es nicht schon genug Probleme gäbe. „Ich weiß nicht... Denkt Ihr ich sollte es ihm jetzt schon sagen, oder...?“. „Sagt erst einmal nichts. Ich werde mit ihm reden. Ich werde ihn schon zur Vernunft bringen. Macht Euch keine Sorgen.“. „Danke.“. Ein wenig erleichtert verließ Padmé das Zimmer. Doch Obi-Wan furchte sorgenvoll die Stirn. Er hatte zwar gesagt, er würde Anakin zur Vernunft bringen, doch: Konnte er das überhaupt noch?

Obi-Wan machte sich auf die Suche nach Anakin. Als er ihn endlich auf einem Gang traf, zog er ihn mit einem „Ich muss mit dir reden, Anakin.“, zu den nahegelegenen Energieförderungskammern, wo in Schmelzgruben alles mögliche verbrannt und daraus Energie gewonnen wurde. Als sie eine der Kammern erreicht und die Tür hinter sich verschlossen hatten, fragte Anakin: „Also, was gibt’s?“. „Es geht um Padmé. Sie hat mir von eurer Hochzeit erzählt.“. „Ich wüsste nicht was Euch das angeht, Obi-Wan!“, stieß der jüngere Jedi wutentbrannt hervor, „Ihr habt Euch mit dieser Thayet vergnügt und daraufhin dachte ich, wenn Ihr das tut, kann ich auch meinen Gefühlen folgen und Padmé heiraten! Wie konnte sie Euch überhaupt davon erzählen! Wir waren uns einig das niemand je davon erfahren sollte!“. All die Jahre hatte Obi-Wan gedacht diese eine Nacht mit Thayet hätte für Anakins Einstellung keine Folgen gehabt. Wie dumm er doch gewesen war! „Sie macht sich Sorgen um dich.“, sagte er ruhig. „Und ich mache mir auch Sorgen. Die dunkle Seite ist stark in dir geworden.“. „Oh, behandelt mich nicht wie ein kleines Kind! Ich weiß was ich tue. Ich bin nicht mehr Euer Schüler!“. „Ich dachte uns hätte weit mehr als das Verhältnis von Schüler und Lehrer verbunden. Ich dachte wir wären Freunde.“, immer noch war Obi-Wans Stimme gefasst. „Freunde? Vielleicht waren wir das mal, aber seit Eurer Nacht mit Thayet habt Ihr mich aus Euerm Leben ausgesperrt!“. Obi-Wan erschrak. Hätte er doch mit dem Jungen über das reden sollen was geschehen war? Es stimmt, er hatte sich zurückgezogen, hatte seinen Schüler und Freund nicht in seine Gedanken- und Gefühlswelt miteinbezogen. „Anakin... .“. „Nein! Ich habe jemanden gefunden der mich in all seine Pläne einweiht. Ja, ich bin sogar Teil seines Plans. Die dunkle Seite hat mich nur mächtiger gemacht!“. Es war wie ein Stich in Obi-Wans Herz. Sein ehemaliger Padawan gab offen zu zur dunklen Seite der Macht übergegangen zu sein. „Noch kannst du zurück, Anakin. Tu es für Padmé!“, ein verzweifelter Versuch seinen Freund zurückzugewinnen. „Das bist doch nicht du!“. „Woher wollt Ihr wissen, wer ich bin? Ich finde es ja gerade erst selber heraus. Ihr habt Euch doch nie wirklich für mich interessiert. Gebt es doch zu, ich war Euch immer ein Klotz am Bein! Ihr habt mich doch nur um Qui-Gons Willen angenommen. Und Padmé? Sie hat mich verraten, ebenso wie Ihr und wie meine Mutter! Alle habt ihr mich verlassen! Nur der Imperator hält zu mir! Ab jetzt dürft Ihr mich Darth Vader nennen!“. Er zückte sein Lichtschwert und entzündete eine rote Klinge. „Ich werde nicht mit dir kämpfen, Anakin.“, Obi-Wan konnte kaum glauben wie ruhig seine Stimme klang. „Das tut mir leid, denn dann wird Euer Tod schneller ausfallen.“. Und dann griff er an. In letzter Sekunde zog Obi-Wan sein Lichtschwert und parierte den Schlag, er griff jedoch nicht an, sondern sprach weiter auf den jungen Mann ein. „Niemand hat dich verraten, Anakin. Lass von der dunklen Seite ab!“. „Ihr seid doch nur eifersüchtig!“, schrie Anakin und griff von neuem an. Obi-Wan parierte seine Schläge immer wieder, während sein ehemaliger Padawan weiter sprach. „Ich war schon immer besser als Ihr! Ihr wollt mich nur von der dunklen Seite abbringen, weil sie mich noch stärker macht! Und Ihr seid eifersüchtig auf Padmé und mich, weil es mit uns geklappt hat und bei Euch nicht. Deswegen habt Ihr ihr eingeredet sie müsse sich Sorgen um mich machen!“. Anakin war so außer sich, dass er ein paar logische Löcher in dieser Theorie übersah. Er fuhr fort: „Ja, sie war wohl nicht mit Euch zufrieden, diese Hure!“. „Nenn sie nie wieder so!“, Obi-Wan fühlte wie eine gewaltige Wut in ihm hochstieg. „Ich hätte ihr wahrscheinlich mehr bieten können, dieser Huren! Hure! Hure! Hure!“. Ehe Obi-Wan wusste was er tat, hatte er Anakin, überrascht von den plötzlichen, wuchtigen Angriffen, bis an den Rand der Schmelzgrube zurückgetrieben. Als er endlich wieder zur Besinnung kam und „Anakin, pass auf!“ schrie, war es bereits zu spät. Der junge Mann hatte einen weiteren Schritt zurück gemacht um sich Luft zu schaffen und stürzte mit einem gellenden Schrei in die Schmelzgrube. Obi-Wan starrte in die Tiefe, unfähig sich zu rühren. Er hatte seinen früheren Schüler getötet, mehr noch, seinen Freund! Die Verzweiflung riss ihn zu Boden.

Obi-Wan hätte nicht sagen können wie lange er so am Rande der Schmelzgrube gesessen hatte. Nur ein Gedanke hatte ihn langsam aus der lähmenden Verzweiflung befreit: Padmé und ihr Kind. Wenn dieser „Imperator“, wie Anakin ihn genannt hatte, erfuhr, dass Anakin einen Nachkommen hatte, würde er versuchen das Kind für seine Zwecke einzuspannen. Das musste er verhindern. Er hatte bei Anakin Fehler gemacht, es war alles seine Schuld. Nun würde er wenigstens sein Kind schützen. Das war er seinem Freund schuldig. Er raffte sich auf und bemerkte auf dem Weg zu Padmé Amidalas Unterkunft, dass er etwas wackelig auf den Beinen war. Man lies ihn sofort ein und das hoffnungsvolle Glitzern in den Augen der jungen Senatorin versetzte ihm einen Stich. „Er ist tot. Er ist tot und es ist meine Schuld.“, sie wandte sich von ihm ab, „wir stritten uns, wir kämpfen, und er stürzte in die Schmelzgrube. Er... er war nicht mehr er selbst.“. Er hörte wie Padmé schluchzte. „Ich kann verstehen, wenn Ihr meine Hilfe nicht annehmen wollt, aber einen Rat möchte ich Euch trotzdem geben: Niemand darf erfahren das Anakin der Vater Eures Kindes ist. Anakin sprach von jemandem den er den „Imperator“ nannte. Dieser Imperator wird bestimmt Anakins Nachfahren für seine Zwecke nutzen wollen. Es... ich... .“. Er wusste nicht, was er sagen sollte und so wandte er sich der Tür zu und lies Padmé allein. Ca. eine Woche war Padmé krank gemeldet. Obi-Wan war mit sich und seinen Gedanken allein und mehr als einmal schrammte er nur hart an der Grenze der blinden Verzweiflung die zur Selbstaufgabe führt. Es war nicht einfach mit der Schuld umzugehen. Dann kam eine von Padmés Dienerinnen und überbrachte Obi-Wan die Nachricht, das die Senatorin ein Gespräch wünsche. Er fragte sich, ob sie ihm, jetzt da sie über alles nachgedacht hatte, ihren ganzen Hass entgegenbringen würde. Aber schlimmer als die Qual und den Schmerz in ihren Schluchzern zu hören konnte es nicht werden. Als er das Zimmer betrat, saß Padmé aufrecht, mit reglosem Gesicht, in ihrem Bett. Sie wies ihm den Stuhl neben dem Bett zu. „Ich brauche Eure Hilfe, Obi-Wan.“, sie sah seinen fragenden Blick. „Wie könnte ich Euch hassen? Es war ein Unfall.“, sagte sie leise, den Tränen nah und nahm seine Hand, „Ich weiß Ihr habt ihn geliebt. Es kann nur ein Unfall gewesen sein.“, dann lies sie die Hand wieder los. Obi-Wan war völlig überrumpelt von dieser großen Geste, er bekam kein Wort heraus. „Was kann ich tun um mein Kind zu schützen?“. „Ohne Vater kein Kind, M’lady.“. In Obi-Wan war wieder der Kampfgeist erwacht. „Was wollt Ihr damit sagen?“. „Euer Kind braucht einen anderen Vater.“, sie sah ihn schockiert an. „Ich meine damit, Ihr braucht jemanden, der sich als Vater Eures Kindes ausgibt.“. Nun wurde ihr Blick bestürzt. Sie war in tiefer Trauer um Anakin und sollte tun als liebe sie einen anderen? „Es ist der einzige Weg, damit Euer Kind wirklich sicher ist. Verstecken wir es, kann es durch eine Entdeckung immer noch in die Hände des Imperators gelangen. Die letzten Überreste der Republik sind schwach, wir werden kaum eine Chance haben es zu schützen. Doch wenn nur Ihr, der angebliche Vater und ich von dem wahren Vater des Kindes wissen, besteht kaum die Gefahr einer Entdeckung.“. Padmé musste sich dieser einleuchtenden These beugen. „Und ich bin sicher, Ihr habt auch schon jemanden als Vater meines Kindes im Auge, hab ich Recht?“.

Senator Bail Organa war ein großer Mann mit gut geschnittenem Bart, der stets auf der Seite Amidalas gestanden hatte und den Obi-Wan sehr schätzte. Als der Jedi ihn um ein Gespräch allein bat, war er etwas verdutzt. „Was kann ich für Euch tun, General Kenobi?“. „Was ich Ihnen jetzt sage, Senator, darf auf keinen Fall jemand anders erfahren, egal, wie Sie sich entscheiden.“. „Wie ich mich entscheide?“. „Egal ob sie sich dafür oder dagegen entscheiden Senatorin Amidala zu helfen.“. „Senatorin Amidala? Wie könnt Ihr an meiner Hilfe zweifeln?“. „Ich dachte mir schon, dass Ihr so reagieren würdet. Aber es handelt sich um eine heikle Angelegenheit.“. „Ja?“. „Die Senatorin ist schwanger.“. Bail Organa wurde blass. “Und was habe ich damit zu tun?”, fragte er langsam. „Es ist das Kind von Anakin Skywalker. Er-“, Obi-Wan musste sich zusammenreißen um die Kontrolle über seine Stimme zu bewahren, „er verstarb, wie ihr wisst, vor Kurzem und niemand darf erfahren, dass er Nachkommen hat.“. Ja, es war bekannt, das Anakin verstorben war, doch unter welchen Umständen, das wusste keiner. Obi-Wan wartete auf den Abgesandten der Jedi, Meister Yoda selbst hatte sich angekündigt. Ihm würde er alles erzählen und er sollte dann entscheiden. Obi-Wan fuhr fort: „Deswegen muss jemand sich als Vater des Kindes ausgeben, das ist das Sicherste.“. „Und dieser Jemand soll ich sein?“, fragte Bail mit bebender Stimme, „Wie kommt Ihr darauf, dass ich eine solche Hilfe auch nur erwägen würde?“. „Sie lieben Padmé Amidala.“. „Was weiß ein Jedi schon von der Liebe?“. „Mehr als Sie ahnen.“. Obi-Wan fühlte einen Stich als ihm für einen Moment der Gedanke an Thayet kam und daran, das sie mit Sicherheit längst eine Familie gegründet hatte. Eine Frau wie sie fand sicherlich schnell einen Mann. Bail Organa seufzte. „Sie liebt aber immer noch Anakin Skywalker?“. „Ja, doch sie wird Ihnen über alles dankbar sein, dass sie ihr und ihrem Kind geholfen haben.“, wandte Obi-Wan ruhig ein. „Ja.“, es war fast ein Flüstern, doch der Senator verstärkte es mit einem Nicken.

Es waren fast zwei Wochen seit Anakins Sturz in die Schmelzgrube vergangen als Yoda nach Alderaan kam. Müde sah er aus und stark gealtert war er in den letzten Monaten. Er hörte sich Obi-Wans Geschichte an. Und der lies nichts aus. Yoda sagte eine Weile nichts, sondern saß nur mit geschlossenen Augen da. Obi-Wan kannte das sehr gut von dem Jedi-Meister, doch diesmal erforderte es all seine Willenskraft sich in Geduld zu üben. Dann endlich begann Yoda zu sprechen. „Eine schwere Zeit es ist, Obi-Wan. Wie du vielleicht gehört hast, Palpatine sich zum Kaiser ausrufen lies.“. „Ja, und viele Mächtige halten zu ihm. Der Schlag, der gegen die Klonarmee geplant war, wurde abgeblasen, die Diktatur die entstand, erfordert das alles hier im Untergrund geschieht. Plötzlich sind wir zu Rebellen geworden.“. Yoda nickte. „Auch auf die Jedi ein falsches Licht er warf. Überall nach uns gesucht wird. Gefangen und tot er uns sehen will.“. Obi-Wan war entsetzt, das hatte er noch nicht erfahren. „Seit kurzer Zeit ein dunkler Lord mit Atemmaske sein Unwesen treibt. Er Mace schwer verletzte. In seinen letzten Atemzügen er sagte, der Name dieses Sith wäre Darth Vader.“. Mace Windu war tot! Der jüngere Jedi-Ritter spürte wie die Trauer ihn umfasste. Einer der größten Jedi war tot. Er hatte Mace sehr gern gehabt. Und Anakin lebte! Nein. Der Anakin, den er gekannt hatte, sein Freund, war bereits gestorben. Der „neue“ Anakin war ihm fremd. Durch seine Klinge war Mace gestorben! Er selber war an allem schuld, er ganz allein. „Denk nicht so was, Obi-Wan, nicht allein deine Schuld es war. Anakin stets schwierig war. Selbst ein erfahrener Jedi vielleicht nicht ihn hätte retten können. Und du warst noch jung. Deine Reaktion sicherlich nicht ganz richtig war, als herausgefordert du wurdest. Doch dennoch wir brauchen dich. Die Republik dich braucht. Ein guter Jedi du bist und eine Aufgabe zu erfüllen du hast.“. „Bin ich denn keine Gefahr für das Kind? Bei Anakin habe ich bereits alles falsch gemacht, warum nicht auch bei seinem Kind?“, fragte Obi-Wan völlig entmutigt von den Neuigkeiten. „Nein.“, antwortete der weise Jedi mit Nachdruck. Mehr gab es für ihn dazu nicht zu sagen. „ Aber warum du gehst aus nur von einem Kind?“. „Warum... “, er versuchte die Mutlosigkeit in den Griff zu kriegen. „Warum sollte ich es nicht tun?“. „In der Zukunft ich sehe zwei Kinder. Wenn dieser Fall eintrifft, du sie trennen musst. Sie eines Tages könnten sein der Schlüssel zur neuen Hoffnung der Republik. Starke Eltern sie haben. Stark sie werden sein. Und wenn getrennt sie aufwachsen die Chance größer ist, zumindest einer von ihnen bleibt unentdeckt.“. Das waren fast zu viele Neuigkeiten auf einmal. „Wenn die Kinder geboren, auch du selber dich in Sicherheit bringen solltest, Vader dich suchen wird. So wie mich. Deswegen ich auf dem Weg nach Daghoba bin. Leb wohl Obi-Wan. Mein Vertrauen dir gehört. Möge die Macht mit dir sein.“. „Mit Euch auch, Meister Yoda. Lebt wohl.“. Yodas Vertrauen gab Obi-Wan neuen Mut und neue Kraft.

Palpatine hatte schnell fast alles zerstört, was einst die Republik ausmachte. Zwar blieb der Senat bestehen, doch was er sagte, zählte kaum. In dieser Zeit also kamen Anakins und Padmés Kinder, Luke und Leia, auf die Welt. Padmé war ohnehin schon lange seit Anakins Tod sehr schwächlich und die Geburt entzog ihr jegliche Kraft. Trotzdem verlies sie das Bett an dem Tage an dem Obi-Wan Luke mit sich nach Tatooine nahm. Es war ein trauriger Abschied, denn sie wusste, dass er für immer war. Bevor der Jedi-Ritter die Fähre nach Tatooine bestieg, in Bauernkleidung gehüllt, strich Padmé ihrem Sohn über den Kopf und gab ihm einen sanften Kuss. Dann umarmte sie Obi-Wan und bat ihn gut auf Luke Acht zu geben. Er versprach es. Tränen standen in den Augen der jungen Frau. Doch sie wusste das es so am Besten war. Ihre Gesundheit sollte sich nie wieder erholen. Knappe zwei Jahre später starb Padmé Amidala-Organa an gebrochenem Herzen.

Auf Tatooine bekam man den Wechsel der Regierung kaum mit. Das Imperium hatte kein Interesse an diesem „Dreckklumpen“. Trotzdem wusste Thayet genug über die jetzige politische Lage um sich Sorgen um Obi-Wan zu machen, auch noch nach über zwei Jahren. Die Jedi wurden überall verfolgt. Irgendwie hatte Palpatine den Hass der Bevölkerung der Galaxis auf die ehemaligen Hüter von Frieden und Gerechtigkeit gelenkt. Außerdem waren seine Truppen ständig auf der Suche nach den verbliebenen Jedi. Thayet flog mit Nimue nach Anchorhead Besorgungen machen. Dort stellte sie den Landgleiter ab und zerrte Nimues Heliobuggy, eine Art schwebender Kinderwagen, hervor. Sie hatte sich noch gar nicht weit von dem Gleiter entfernt als ein eigenartiges Gefühl in ihr hochstieg. Sie hatte dieses Gefühl stets gehabt, wenn sie Obi-Wan gesehen hatte. Sie blickte sich um als erwarte sie irgendwo Obi-Wan zu entdecken, aber ohne wirklich mit seinem Anblick zu rechnen. Als sie ihn tatsächlich entdeckte, war sie wie erstarrt. Das musste ein Traum sein! Da stand er in Bauernkleidung und Poncho, ein kleines Bündel im Arm! Er hatte sich kaum verändert. Er trug seine Haare immer noch fast bis zur Schulter und auch der Bart war noch da. Nur seine Gesichtszüge waren schärfer geworden. Sie wusste nicht was sie tun sollte. Sollte sie ihn ansprechen? Oder doch lieber warten, ob er sie sah?

Obi-Wan hatte gerade den Gleiter, mit dem er von Mos Eisley her gekommen war, verkauft, als er plötzlich das Gefühl hatte, beobachtet zu werden. Hatte man ihn gefunden? Nein, das durfte einfach nicht sein, nicht bevor er den Jungen in Sicherheit gebracht hatte! Doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass die Person die ihn ansah ihm nichts Böses wollte, da war etwas Vertrautes... . Trotzdem legte er seine rechte Hand an seinen Lichtschwertgriff unter dem Poncho. Er konnte es nicht riskieren, dass Luke etwas zustieß, nur weil er ein Gefühl hatte, das ihn vielleicht täuschte. Kaum merklich wandte er den Kopf um sich ein bisschen umzusehen. Da sah er sie. Sein Herz begann plötzlich zu rasen. Es war ihr Blick gewesen den er gespürt hatte. Jahrelang hatte er sich besorgt gefragt, was aus ihr geworden war. Und wie sie sich verändert hatte. Die einst so eleganten, enganliegenden Kleider hatte sie gegen eine bequeme, weite Hose und ein ebensolches Hemd eingetauscht. Das einst so blasse Gesicht hatte eine gesunde Farbe bekommen. Statt hochkomplizierter Frisuren trug sie ihre Haare nun zu einem einfachen Knoten gebunden. Trotzdem lag in ihren Bewegungen immer noch diese Anmut. Sie war ihm nie schöner vorgekommen. Da wurde er gewahr, das vor ihr ein Heliobuggy schwebte. Natürlich hatte sie bereits Mann und Kind! Er beschloss sich nicht unnötig zu quälen und sie nicht anzusprechen. Er begann in die Gegenrichtung zu gehen. Als Obi-Wan sich in Bewegung setzte, wurde Thayet klar, dass sie es, wenn sie ihn jetzt gehen lies, für immer bereuen würde. Mit dem Heliobuggy lief sie ihm nach. Endlich hatte sie ihn erreicht. „Obi-Wan?“, wie ihr Herz raste! „Thayet.“, er bemerkte Tränen in ihren Augen. Nimue blickte ihn mit großen Augen an. „Was... was machst du hier?“, fragte sie ihn strahlend. „Das selbe könnte ich dich fragen.“, er versuchte zu lächeln. Da entdeckte Thayet, dass das Bündel kein Bündel war, sondern ein in eine Decke gehülltes Baby. War das etwa Obi-Wans Kind? Hatte er eine andere getroffen und sein Dasein als Jedi aufgegeben? „Dein Kind?“, ihr Lächeln war eingefroren. Er blickte sie überrascht an. Glaubte sie etwa das es für ihn eine andere gab? „Nein. Das ist Luke. Er ist auch der Grund aus dem ich hier bin.“. Thayet war erleichtert. „Und wer ist das?“, er zeigte auf den Buggy und musst sich stark zusammenreißen damit sie seine Bitterkeit nicht seiner Stimme entnehmen konnte. „Das ist Nimue, meine Tochter.“. Sie wollte ihm noch immer nicht sagen, das er ein Kind hatte. Erst musste sie wissen warum genau er hier war. „Hallo Nimue.“, sagte er freundlich. „Allo du!“, antwortete Nimue und fing an zu lachen. „Hast du Zeit?“, fragte Thayet nun, „Wir könnten etwas trinken. Ich bin sicher, der Kleine könnte ein wenig Ruhe gebrauchen. Ich wohne etwas weiter draußen, aber wenn du noch Zeit hast... “. „In Ordnung.“, dann würde er vielleicht ihren Mann treffen und wenigstens feststellen können, ob er gut zu ihr war.

Liebe kann verwirrend sein. Das war sie auch für Thayet und Obi-Wan. Beide hatten sich oft vorgestellt, wie es wäre, wenn sie sich wiedersähen. Doch nun war alles ganz anders. Da waren sie nun, hatten beide ein Kind bei sich, und wussten nicht, wie sie miteinander umgehen sollten. Und so saßen sie in Thayets Gleiter und ein furchtbares Schweigen umhüllte sie. Endlich brachte Obi-Wan den Mund auf. „Warum Tatooine?“. „Weil es weit weg von... Coruscant war.“. Stille. „Du wusstest, dass Palpatine es war, der Anakin für seine Zwecke nutzen wollte, nicht wahr?“, fragte Obi-Wan dann langsam. Thayet nickte schuldbewusst, während sie den Gleiter auf eine Düne zulenkte, dahinter befand sich schon die Farm. „Warum hast du mir nicht gesagt, von wem die Gefahr ausgeht?“. „Ich hatte wohl einfach... Angst.“, antwortete sie leise. „Wie geht es Anakin?“. „Er ist tot, zumindest der Anakin den du und ich einst kannten. - Ich möchte nicht darüber sprechen.“, sagte er mit Nachdruck. Nur in dem er sich sagte, der Anakin , der einst sein Freund und Schüler gewesen war, wäre schon lange vor seinem Sturz in die Schmelzgrube gestorben, konnte er mit dem Schmerz und dem Schuldgefühl klar kommen. Thayet verstand nicht. Glücklicherweise erreichten sie nun die Farm. Thayet brachte Nimue, die eingeschlafen war, schnell zu Bett und richtete für Luke die kleine Wiege her, die einst Nimue zum schlafen gedient hatte. Dann setzten sie sich einander gegenüber an einen kleinen Holztisch. „Dein Mann arbeitet wohl?“. Thayet musste über diese Frage lachen. Er glaubte also, sie hätte einen Mann. War er deswegen so abweisend? „Ich habe keinen Mann.“. „Und Nimues Vater?“, sie konnte doch nicht wie Anakin vaterlos sein! „Der musste seinen eigenen Weg gehen.“. „Und vermisst du ihn?“, fragte er nun mitfühlend. „Jeden Tag und jede Nacht.“, sie begann zu lächeln, „Das hat man davon, wenn man sich in einen Jedi-Ritter verliebt.“. Sie sah ihm direkt in die Augen. Und dann verstand er. „Heißt das, dass-?“. „Du Nimues Vater bist? Ja.“. Obi-Wan sprang auf, lief um den Tisch und küsste sie heftig. Thayet wurde ganz schwindlig vor Glück und Überraschung. „Aber warum hast du mir nie etwas gesagt?“, fragte er aufgeregt. „Ich wusste doch, dir war etwas anderes bestimmt.“. Er küsste sie noch einmal. Dann legte ihr beide Hände auf die Wangen und strich mit seinen Daumen über ihr Gesicht. „Ich werde dich nie mehr im Stich lassen.“, er küsste sie auf die Stirn. Dann sagte er etwas ruhiger. „Ich werde dann Luke zu seinem Onkel und seiner Tante bringen, deswegen bin ich nämlich eigentlich hier. Aber wenn ich zurück komme, werde ich nur für euch da sein.“. Er ging Luke holen. Doch vorher warf er einen Blick in das Zimmer in dem Nimue schlief. Da lag sie also. Seine Tochter. Was für ein eigenartiges Gefühl. Eigenartig, aber schön. Auch sie würde er nicht mehr im Stich lassen. Wie friedlich sie dalag. Sie war so schön wie ihre Mutter. Leise schloss er wieder die Tür. Mit Luke im Arm trat er wieder in die kleine Küche. „Weißt du, wo die Farm der Lars’ ist?“. „Die Lars’? Ja, ich weiß, wo sie wohnen. Ich werde dich hinbringen.“. „Nein, beschreib es mir lieber. Das muss ich alleine machen.“. Thayet beschrieb ihm, wo er hin musste. Dann machte er sich auf den Weg. Danach würde sich sein Leben für immer ändern. Und er freute sich darauf.

Die Lars hatten eine kleine Farm nahe Anchorhead. Als Obi-Wan sich dem Eingang zum Haus näherte, kam ihm eine junge Frau mit einem freundlichem Gesicht entgegen. „Guten Tag, mein Name ist Obi-Wan Kenobi. Ich suche Owen Lars oder Beru Whitesun.“. „Obi-Wan Kenobi? Sind sie nicht Anakins Jedi-Meister? Ist alles in Ordnung mit ihm? Ich bin Beru Whitesun, das heißt jetzt Beru Lars.“, sie errötete leicht, doch gleich darauf wurde sie wieder besorgt. „Ja, Anakin war mein Schüler. Ist Ihr Mann vielleicht auch zu sprechen? Ich muss mit ihnen beiden reden. Doch ich würde dafür lieber ins Haus gehen.“. Beru nickte, wies ihm den Weg ins Haus und ging dann Owen holen. Owen Lars war ein junger Mann mit Bart und warmen Augen. Aufgeregt schritt er auf Obi-Wan zu, der sich mittlerweile an den Küchentisch gesetzt hatte, und reichte ihm die Hand. „Sie sind also der Grund warum Anakin uns damals nach Shmis Beerdigung ohne ein Wort verlies.“, Owens Stimme war kühl. „Wahrscheinlich.“. Owen und Beru blickten nun irritiert das Kind an, das nun nicht mehr in Tücher, sondern nur noch in einen kleinen Hosenanzug gehüllt, in Obi-Wans Arm lag. Obi-Wan bemerkte ihren Blick. „Das ist Luke. Anakins Sohn.“. „Was ist mit Anakin?“, fragte Owen nun geradeheraus. Er und Beru setzten sich. „Er... ist tot. Getötet von einem Sith-Lord namens Darth Vader.“, antwortete Obi-Wan. Damals konnte er noch nicht wissen, dass dies einst auch seine eigene Wahrheit sein würde. Beru schossen Tränen in die Augen und ihr Mann nahm sie in den Arm. „Ich möchte sie darum bitten Luke bei sich aufzunehmen, bis seine Zeit gekommen ist.“, fuhr Obi-Wan nach einer Weile fort. „Bis seine Zeit gekommen ist?“, fragte der Feuchtfarmer misstrauisch. „Die Zeit für seine Ausbildung.“. „Sie wollen ihn zum Jedi-Ritter machen? Nach allem was Anakin widerfahren ist? Nachdem nun alle Jedi gejagt werden?“. „Werden Sie ihn nun aufnehmen, oder nicht?“, fragte Obi-Wan ungeduldig. „Natürlich. Doch er wird kein Jedi-Ritter werden.“. „Die Zeit wird kommen, da wird Luke das Lichtschwert seines Vaters tragen.“, antwortete Obi-Wan ruhig. Es war Lukes Schicksal. Doch bis dahin würde er hier gut aufgehoben sein. Die Lars waren gute Menschen. Er legte Beru das Kind in die Arme, strich ihm noch mal über die Stirn und sagte: „Geben sie gut auf ihn Acht. Möge die Macht mit Euch sein.“. Dann ging er.

Nun erfuhr Thayet alles. Sie erfuhr von Obi-Wans Streit mit Anakin, Anakins Sturz in die Schmelzgrube und Padmés Schwangerschaft. Und die kleine Nimue lernte ihren Vater kennen. Mit Fremden hatte sie ohnehin keine Probleme und nach und nach begriff sie, wer der Mann, der bei ihrer Mutter und ihr einzog, war. Als sie an diesem ersten Abend ihrer gemeinsamen Zukunft im Bett lagen, spürte Thayet, das Obi-Wan noch nicht schlafen konnte. „Was bedrückt dich?“, fragte sie leise. „Nichts.“, er setzte sich auf und an die Bettkante, „Ich meine, seit ich mit dir gesprochen habe, kann ich damit leben was ich getan habe, meine...meine Schuld lastet nicht mehr so schwer auf mir. Ich liege hier und bin glücklich. Da draußen tobt Krieg und ich bin glücklich bei dir zu sein, bei dir und Nimue. „Und nun hast du ein schlechtes Gewissen?“. „Ich sollte da draußen sein und kämpfen.“. Nun setzte sich auch Thayet auf und legte von hinten ihre Arme um ihn. „Nein. Das solltest du nicht. Die Jedi-Ritter werden gejagt, selbst Meister Yoda ist geflohen. Und du hast eine Aufgabe. Würdest du da raus in den Krieg gehen und getötet werden, wer sollte sich dann um Luke kümmern, wenn es soweit ist?“. Er seufzte. „Verrückt, das Meister Yoda mir diese Aufgabe überlassen hat. Wo ich doch bei Anakin so versagt habe.“. „Nein. Du hast dein Bestes gegeben. Du hast ihm das Wichtigste überhaupt gegeben: Liebe und Freundschaft. Hör auf damit dir ständig die Schuld zu geben. Du kannst nicht mehr ändern was mit Anakin geschehen ist. Du musst im Hier und Jetzt leben.“. Er drehte sich zu ihr um und sah sie traurig an. „Du wärst nicht der Mann den ich liebe, wenn dir das nicht nahe gehen würde.“, sagte sie liebevoll lächelnd, „Eines Tages wirst du mit dem Schmerz leben lernen.“. „Wenn ich mit dir zusammen bin, spüre ich ihn kaum.“, sagte er leise.

15 Jahre vergingen und aus Nimue wurde ein kluges junges Mädchen. Die Macht war stark in ihr und dennoch wollte sie von ihrem Vater nicht zur Jedi ausgebildet werden. Ihr Interesse ging eher in Richtung Schusswaffen. Nur manchmal lehrte Obi-Wan sie eine Jedi-Weisheit ohne das sie es merkte. Eines Tages beschloss sie auf die Akademie zu gehen und von dort gelangte sie in die Rebellenbewegung. Natürlich sorgte Obi-Wan sich um sein „kleines Mädchen“, aber Thayet brachte ihn dazu los und Nimue ihr eigenes Leben leben zu lassen. Sie verbrachten 15 friedliche und glückliche Jahre. Es war früh morgens als Thayet aufstand um Wasser aus einer kleinen Quelle in einer Schlucht in der Nähe zu holen. Obi-Wan schlief noch. Von den Wänden der Schlucht waren schon öfter ein paar Steine abgebröckelt. Als Thayet an der Quelle stand gellte der laute Schrei eines Tieres durch die Wüste Tatooines. Geröll löste sich von den Schluchthängen. Es ging zu schnell. Thayet hatte keine Chance. Die Felsbrocken stürzten auf sie herab und begruben sie unter sich. Obi-Wan wurde mit einem einzigen angstvollen Gedanken aus dem Schlaf gerissen. Mit dem Gleiter raste er zur Quelle. Die Macht führte ihn. Als er den Schutthaufen sah lief er hastig darauf zu und schrie mehrmals verzweifelt nach Thayet. Er begann mit der Kraft der Angst die Steine weg zu heben. Doch als er Thayet fand war ihr Körper bereits erschlafft. Er bettete ihren Kopf auf seine Knie und versuchte ihr wieder Leben einzuhauchen. Er beatmete sie, massierte ihr Herz, doch es war vorbei. Dann flüsterte er immer wieder ihren Namen. Tränen stiegen ihm in die Augen während er sie in seinen Armen wiegte. „Thayet, Thayet, was soll ich nur ohne dich tun, Thayet?“. „Weiterleben.“, Obi-Wan konnte nicht sagen, ob es ein Windhauch gewesen war, der dieses Wort zu ihm getragen hatte oder seine Vorstellung was Thayet antworten würde. Oder hatte sie ihm sogar geantwortet? „Das kann ich nicht.“, er glaubte eine sanfte Berührung auf seinem Gesicht zu fühlen, doch schon war sie wieder verschwunden. „Du musst stark sein, Obi-Wan. Denk an Luke.“. Lange saß Obi-Wan in der Schlucht, den leblosen Körper Thayets im Arm. Dann begrub er sie tief im Wüstensand Tatooines. Thayet Kenobi stand auf dem Grabstein. Dann baute sich Obi-Wan eine kleine Hütte und wurde zum Einsiedler Ben Kenobi. Und eines Tages würde er Luke unterrichten. Thayet hätte es so gewollt.

Ende