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Visionen

von Yade 085

Lichtschwerter summten, prallten aufeinander. Obi-Wan Kenobi schwitzte in seiner Tunika, der Schweiß lief an seinem Gesicht hinab und in seine Augen. Er achtete nicht darauf; voller Konzentration bereitete er sich auf seinen nächsten Angriff vor. Den gezielten Schlag seines Gegners konnte er nur mit Mühe parieren. Er schlug einen Salto rückwärts und landete völlig ausbalanciert. Sein Gegner setzte ihm nach und der Kampf begann von Neuem. Sie keuchten und schwitzten und trieben sich gegenseitig durch den Trainingsraum. Obi-Wan spürte wie er müde wurde, wie die Erschöpfung sich an seine Arme und Beine klammerte und sie schwer werden ließ. Mit großer Anstrengung parierte er einen weiteren Schlag, drehte sich weg ... und bemerkte seinen Fehler sofort. Er stolperte über eine weitere Kiste und das Lichtschwert flog ihm aus der Hand. Schwer atmend setzte er sich auf. Er wagte kaum den Blick zu heben und seinem Gegner in die Augen zu sehen. Das war ein Anfängerfehler gewesen, das wusste er nur zu gut. Aber ein Jedi durfte sich nie vor den Folgen seines Handelns drücken und so hob er schließlich doch den Kopf und blickte sein Gegenüber beschämt an. Qui-Gon deaktivierte sein Lichtschwert und hockte sich neben Obi-Wan hin. „Du hast gut gekämpft, Padawan.“ Sagte er. „Allerdings musst du lernen, dich nicht nur auf deinen Gegner sondern auch auf deine Umgebung zu konzentrieren.“ fügte er hinzu als er die Dankbarkeit in Obi-Wans Augen bemerkte. „Wenn du auch müde wirst, darfst du deine Umwelt nicht aus den Augen verlieren.“ Obi-Wan senkte den Kopf und nickte. „Ja, Meister.“ sagte er leise. Qui-Gon erhob sich und half Obi-Wan beim Aufstehen. Obi-Wans Arme und Beine schmerzten etwas, aber es ließ bereits nach. Er bückte sich, hob sein Lichtschwert auf und behielt es noch eine Weile in der Hand. Er verstand noch immer nicht warum er diesen unnötigen Fehler gemachte hatte. Zumal er nicht neu war: Jedesmal wenn er müde wurde und die Erschöpfung in seine Glieder kroch, ließ seine Konzentration so rapide nach, dass so ein Fehler kaum zu vermeiden war. Er spürte Qui-Gons Hand auf seiner Schulter und wandte sich um. Er blickte direkt in Qui-Gons tiefblaue Augen, die ihn warm ansahen. „Wir werden daran arbeiten, Padawan. Fehler sind manchmal notwendig. Akzeptiere sie und lerne daraus.“ sagte er. „Danke, Meister. Das werde ich.“ Gab Obi-Wan zurück und lächelte. Er fühlte sich besser. Qui-Gon lächelte zurück. „Lass uns aufräumen und dann schlafen gehen. Ich denke, dass haben wir uns heute ehrlich verdient.“ Obi-Wan befestigte sein Lichtschwert an seinem Gürtel und beeilte sich Qui-Gon beim Wegräumen der Kisten zu helfen. Er war davon überzeugt, dass er diese Nacht hervorragend schlafen würde.

***

Erleichtert, mit einem tiefen Seufzer ließ sich Obi-Wan auf sein Bett sinken. Er schloss für einen Moment die Augen und atmete tief durch. Oh, er würde heute nacht wie ein Toter schlafen. Als er ein Geräusch an der Tür hörte hob er den Kopf. Dort stand Qui-Gon mit einem Lächeln auf den Lippen und einem Drink in der Hand. „Du siehst sehr müde aus, Padawan.“ stellte er immer noch lächelnd fest. Obi-Wan musste unwillkürlich grinsen. „Das bin ich auch, Meister.“ sagte er und ließ den Kopf zurück in die Kissen sinken. Sein Körper begann sich zu entspannen, ließ ihn schwerer und schwerer werden. Obi-Wan schloss die Augen. Nur einen Moment, dachte er. Nur einen Moment bevor ich aufstehe und mich umziehe. Er spürte wie Qui-Gon in die Küche ging. Aufstehen, Obi-Wan! sagte er sich. Aufstehen! Aber er fühlte bereits wie der Schlaf ihn einhüllt wie eine warme Decke... „Obi-Wan möchtest du auch etwas trinken?“ fragte Qui-Gon aus der Küche. Keine Antwort. „Obi-Wan?“ Qui-Gon stellte sein Glas ab und ging zurück zu Obi-Wans Zimmer. Der Anblick ließ erneut ein Lächeln um seine Lippen spielen. Sein Padawan war bereits in einen tiefen Schlaf gesunken. Leise trat er näher, nahm eine Decke und breitete sie über dem Junge aus. Obi-Wan seufzte im Schlaf und drehte sich etwas zur Seite. Vorsichtig, um den Jungen nicht aufzuwecken, schloss Qui-Gon die Tür hinter sich. Es war ein anstrengender Tag gewesen, nicht nur für seinen Padawan. Er nahm noch einen Schluck von seinem Drink und zog sich in sein Zimmer zurück. Leise zog er sich um und legte sich auf sein Bett. Nur Minuten später war kein Laut mehr zu hören, außer dem ruhigen Atmen zweier Jedi.

***

Bis gleich, Padawan! Wir sehen uns in der Bibliothek. Er muss ihn aufhalten. Er darf das nicht tun! Angst. Hilflos. Allein. Er kann das nicht zulassen. Er kann nicht...

Mit einem Schrei wachte Obi-Wan auf. Hellwach blickte er sich um. Wo war er? Was war passiert? Langsam verschwand der Schleier vor seinen Augen und er erkannte sein Zimmer. Erschöpft ließ er den Kopf auf seine Knie sinken. Er war schweißgebadet und sein Herz raste. Er hatte geträumt. Aber warum war das so furchtbar gewesen? Warum hatte er diese Hilflosigkeit gefühlt, die ihn krank gemacht hatte? Er hatte es nicht aushalten können. „Padawan? Was ist los?“ Er hob den Kopf und sah Qui-Gon im Türrahmen stehen. „Ich... Ich habe geträumt. Ist schon in Ordnung.“ sagte Obi-Wan. Er war noch zu durcheinander, um darüber sprechen zu können, aber aus irgendeinem Grund war er über alle Maßen erleichtert Qui-Gon wohlbehalten an der Tür zu sehen. Er senkte wieder den Kopf. „Padawan? Irgend etwas stimmt doch nicht!“ hörte er Qui-Gon sagen. Qui-Gon machte das Licht an und kurz darauf spürte Obi-Wan wie Qui-Gon sich neben ihm auf die Bettkante setzte. „Was ist los mit dir? Du lässt dich doch von Träumen sonst nicht so aus der Ruhe bringen.“ Obi-Wans Kopf schoss nach oben. Von Träumen nicht aber... von Visionen. „Obi-Wan, jetzt sag mir endlich was mit dir los ist.“ In Qui-Gons Stimme war nun deutlich Ungeduld zu hören. Obi-Wan sah Qui-Gon an. „Ich glaube ich hatte eine Vision, Meister!“ sagte er schließlich. „Eine Vision?“ hakte Qui-Gon nach. Er runzelte die Stirn. „Ja... es war... alles andere als angenehm.“ sagte Obi-Wan zögernd. Qui-Gon berührte beruhigend seinen Arm. „Visionen können in die Irre führen. Du musst genau abwägen, ob du ihr Glauben schenken kannst oder nicht. Als wenn du neuen Grund auf Sicherheit prüfst, so musst du deine Vision prüfen. Nur wenn du dir absolut sicher bist, darfst du weiter gehen. Nicht vorher.“ Qui-Gon sah, dass diese Vision Obi-Wan zutiefst aufgewühlt hatte. Der Junge musste sich erst beruhigen, sonst machte ein Gespräch überhaupt keinen Sinn. „Entspann dich.“ sagte er. „Finde deine innere Ruhe und erzähle mir dann was du gesehen hast.“ Obi-Wan entspannte sich etwas und sein Atem ging langsamer. Er war froh darüber, jemanden zu haben der ihm sagte was er tun sollte. „Ich sah... oder vielmehr ich hörte, wie Ihr zu mir sagtet wir würden uns gleich in der Bibliothek treffen.. „ „Und?“ fragte Qui-Gon als Obi-Wan abbrach und verstummte. Er verstand nicht, warum das seinen Padawan so aus der Ruhe brachte. „Ich... Ich fühlte mich so hilflos.“ fuhr Obi-Wan fort. „Ich wusste aus irgendeinem Grund, dass das abgrundtief falsch war. Ihr durftet einfach nicht gehen. Aber ich konnte nichts machen. Ich hatte Angst und war wie gelähmt.“ Er ließ den Kopf wieder auf die Knie sinken. Er fühlte wie die Verzweiflung wieder hoch kam und atmete kurz durch. Qui-Gon drückte aufmunternd seinen Arm. „Es ist gut, dass du mir das erzählt hast, Padawan.“ sagte er. Obi-Wan hob den Kopf. „Kann ich diese Vision ernst nehmen?“ und sprach damit die Frage aus die ihn nun am meisten beschäftigte. Qui-Gon seufzte. „Ich weiß es nicht, Padawan.“ gestand er schließlich. „Aber um das heraus zu finden werden wir morgen meditieren. Wenn man sich in absoluter Ruhe befindet, kann man leichter erkennen, ob man in die Irre geleitet wird.“ Obi-Wan nickte. „Bis dahin können wir nichts machen. Wir sollten wieder schlafen gehen.“ Obi-Wan seufzte. Er glaubte nicht, dass er heute Nacht noch einmal einschlafen könnte. Qui-Gon stand auf und ging zur Tür. „Versuch noch etwas Schlaf zu finden, Obi-Wan. Es wird morgen kein leichter Tag werden.“ Er löschte das Licht und ließ einen erschöpften Obi-Wan zurück. Obi-Wan legte sich hin und versuchte sich zu entspannen. Schließlich sank er in einen unruhigen Schlaf.

***

Als Obi-Wan am nächsten Morgen aufwachte, fühlte er sich elend. Ihm kam es so vor, als hätte er nur wenige Minuten geschlafen. Es war noch sehr früh. Trotzdem stand er auf, zog sich aus und stieg in die Erfrischungszelle. Als er das warme Wasser auf seiner Haut spürte ging es ihm etwas besser. Er duschte ausgiebig, zog sich eine frische Tunika an und ging in die Küche wo Qui-Gon bereits mit einer Tasse Tee auf ihn wartete. Verdutzt blieb Obi-Wan stehen. „Ihr seit schon wach, Meister?“ „Ich konnte einfach nicht mehr liegen bleiben.“ erwiderte der mit einem leichten Lächeln. „Aber im Gegensatz zu dir bin ich ausgeruht. Du siehst noch immer sehr müde aus.“ Obi-Wans Miene blieb ernst. „Ich habe schlecht geschlafen, Meister.“ sagte er. Qui-Gon hielt ihm eine Tasse Tee hin. „Dann hast du das hier erst recht nötig. Wir werden nach dem Frühstück in einen Meditationsraum gehen. Das wird hoffentlich etwas Klarheit bringen.“ „Danke, Meister.“ sagte Obi-Wan und nahm die Tasse aus Qui-Gons ausgestreckter Hand. Er setzte sich hin und nippte am Tee. Normalerweise war er um diese Zeit bereits ausgehungert, aber heute wollte sich kein Appetit einstellen. Visionen scheinen auf den Magen zu schlagen. dachte er bei sich und musste nun doch lächeln. Wahrscheinlich war es nur ein Alptraum gewesen und hatte weiter nichts zu bedeuten. Er nahm einen weiteren Schluck Tee.
Qui-Gon beobachtete seinen Schüler. Wie er gehofft hatte, ließ der Schrecken der Vision bei Tagesanbruch nach. Sobald der Junge sich wieder mit einigen Dingen beschäftigte, würde er diese Sache sicher nicht mehr so ernst nehmen. Wenn er allerdings an gestern Nacht dachte, war er sich nicht sicher, ob das der richtige Weg war. Er musste sich nur Obi-Wans Gesicht ins Gedächtnis rufen. Langsam, Qui-Gon. ermahnte er sich selbst. Diese Sache jetzt schon als unwichtig abzutun ist falsch. Obi-Wan war sich unsicher was diese Vision anging. Wie konnte er dann sicher sein? Er schüttelte den Kopf und trank von seinem Tee. Sie würden darüber heute meditieren. Vielleicht sahen sie dann beide klarer. „Nun, wollen wir?“ fragte er und stellte seine Tasse auf der Theke ab. Obi-Wan nickte und tat es ihm nach. Gemeinsam verließen sie ihr Quartier und machten sich auf Richtung Meditationsräume.

Als Obi-Wan den Raum zusammen mit Qui-Gon nach zwei Stunden wieder verließ fühlte er sich wie neugeboren. Unter der sanften Anleitung Qui-Gons war er in eine tiefe Meditation gesunken, durch die er sein inneres Zentrum schnell gefunden hatte. Er hatte viel Kraft und Ruhe schöpfen können und das in einem Ausmaß, von dem er sich nicht einmal bewusst gewesen war, dass er es in sich trug. Qui-Gon beobachtete seinen Schüler bei ihrem Gang zum Speisesaal aus dem Augenwinkel. Das leichte Lächeln und der entspannte Gesichtsausdruck bestätigten Qui-Gons ersten Eindruck: Die ausgiebige Meditation hatte dem Jungen mehr als gut getan. Er schien sich nun nicht mehr so große Sorgen um seine Vision zu machen. Zwar konnte er nicht sagen, ob er ihr Glauben schenken konnte, aber zumindest hatte sich die Situation erheblich entspannt. Und das konnte nur dazu beitragen, dass Obi-Wan besser reagieren würde, sollte sie sich als glaubwürdig erweisen. Er würde Ruhe bewahren können und dann eine Entscheidung treffen, die für alle Beteiligten das Beste war. Sehr zur Freude Qui-Gons entwickelte Obi-Wan auch einen beachtlichen Appetit, zumal er früh morgens nur eine Tasse Tee zu sich genommen hatte.
Der Rest des Tages war geprägt von weiteren Meditationsübungen und Lichtschwerttraining. Qui-Gon wusste natürlich wie gern Obi-Wan mit dem Lichtschwert trainierte und wie ihn der Fehler vom Vortag immer noch wurmen musste. Nun wollte er ihm eine Möglichkeit geben, diesen Fehler zu korrigieren und so das Selbstvertrauen des Jungen stärken. Qui-Gons Rechnung ging auf. Obi-Wan kämpfte konzentriert und wies eine Reihe von Taktiken und Strategien auf, vor denen sich Qui-Gon in Acht nehmen musste. Auch als der Junge langsam müde wurde, ließ er sich weiter von der Macht leiten und konnte so einigen Tücken und Fallen aus dem Weg gehen, die sich Qui-Gon für ihn zurecht gelegt hatte. Schließlich war es an der Zeit zum Ende zu kommen. „So, Padawan, ich glaube, dass sollte für heute genügen.“ Er deaktivierte sein Lichtschwert und legte Obi-Wan eine Hand auf die Schulter. „Du hast heute hervorragend gekämpft, Obi-Wan. Du hast deinen Fehler akzeptiert und eine Schwäche in Stärke verwandelt. Ich bin stolz auf dich.“ Obi-Wan strahlte als er ebenfalls sein Lichtschwert deaktivierte und sich vor Qui-Gon verbeugte. „Habt vielen Dank, Meister.“ sagte er und man konnte deutlich die Freude spüren die in seiner Stimme mitschwang. Qui-Gon nickte und beide kehrten in ihr Quartier zurück. Obi-Wan war völlig durchgeschwitzt und so verschwand er gleich in der Erfrischungszelle während Qui-Gon für das Abendessen sorgte. Mit großem Appetit aßen sie sich satt, wünschten sich eine gute Nacht und verschwanden in ihren Zimmern. Die meiste Zeit des Tages hatte er nicht an die Vision denken müssen, aber nun, da er wieder im Dunkeln in seinem Bett lag, kamen die Zweifel wieder hoch. Was, wenn sie nun wieder kam? Was, wenn sie sich nun jede Nacht wiederholte ohne das er etwas dagegen tun konnte? Energisch schüttelte er den Kopf und vertrieb diese düsteren Gedanken. Er hatte letzte Nacht schon nicht gut geschlafen. Er sollte sich jetzt nicht mit seinen Ängsten und Zweifeln wach halten. Langsam schloss er die Augen und ließ sich von seiner Müdigkeit übermannen.

***

Mitten in der Nacht schreckte Qui-Gon aus tiefem Schlaf hoch. Er hatte etwas gehört. Leise stand er auf und verließ sein Zimmer. Er horchte aufmerksam. Da war es wieder: Ein leises Wimmern. Plötzlich durchfuhr es ihn. Obi-Wan. Er horchte an der Tür. Eindeutig! Das Wimmern kam aus Obi-Wans Zimmer. Er öffnete die Tür und machte das Licht an. Obi-Wan wälzte sich im Bett hin und her als würde er gegen etwas ankämpfen. Hin und wieder hörte Qui-Gon ihn sagen: „Nein...nein, bitte... nein!“ Er ging zum Bett und setzte sich. Obi-Wans Gesicht war von Verzweiflung und Angst gezeichnet und er wimmerte. Qui-Gon packte ihn an den Schultern und schüttelte ihn sanft. „Obi-Wan, wach auf!“ sagte er. „Nein... bitte nicht!“ rief Obi-Wan. Er drehte sich weg, wie in einem nicht enden wollenden Kampf schlug er um sich. Qui-Gon drehte ihn wieder zu sich. „Obi-Wan, aufwachen!“ sagte er, dieses mal etwas lauter. Mit einem Mal schlug Obi-Wan die Augen auf und blickte sich im Zimmer um. Schweiß glänzte auf seiner Stirn und er atmete schwer. Seine Blicke trafen Qui-Gons. „Ist ja gut, Obi-Wan. Du hast wieder geträumt. Es ist alles in Ordung.“ beruhigte ihn Qui-Gon. Er bemühte sich um eine ruhige Stimme und sich seine Sorgen nicht anmerken zu lassen. „Meister! Was...?“ fragte Obi-Wan und in seiner Stimme lag nur langsam abklingende Angst. „Du hattest wieder einen Alptraum. Es ist alles gut!“ sagte er. „Nein, ist es nicht.“ sagte Obi-Wan bestimmt. Qui-Gon sah Obi-Wan ernst an. „Was hast du gesehen?“ fragte er nach einer Weile. Obi-Wan senkte den Blick. „Es war wie das letzte Mal ...nur ... schlimmer.“ lautete die zögernde Antwort. „Wie schlimm?“ hakte Qui-Gon nach und legte eine Hand auf Obi-Wans Schulter. „Erzähl es mir.“ bat er. Zögernd und sehr langsam erzählte Obi-Wan was er gesehen und gehört hatte. Wie beim letzten Mal hatte sich Qui-Gon von ihm verabschiedet und war dann durch eine Tür verschwunden. „Ich weiß nicht, warum ich mich so sehr dagegen auflehne. Ich weiß es einfach nicht.“ sagte Obi-Wan verzweifelt. „Ich weiß nur, dass das falsch ist und ich kann nichts tun.“ Er ließ den Kopf auf seine Knie sinken und begann am ganzen Körper zu zittern. Qui-Gon streichelte seinem Schüler übers Haar. Auch er war ratlos. Er hatte angenommen, dass diese Vision nach einer langen, tiefen Meditation langsam verschwinden würde. Statt dessen war sie schlimmer geworden und hatte seinen Schüler vollends aus der Bahn geworfen. Das Einzige was sie tun konnten war warten, aber das wollte er Obi-Wan nicht sagen. Das war ganz sicher nicht das was Obi-Wan hören wollte. Langsam beruhigte Obi-Wan sich wieder. Er atmete tief durch und hob dann den Kopf. „Es tut mir leid, Meister.“ sagte er und wirkte nun fast etwas beschämt. „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist.“ „Sieh nicht nur das Negative, Obi-Wan.“ sagte Qui-Gon aufmunternd. Obi-Wan sah ihn verdutzt an. Was konnte an solch einer Vision positiv sein? „Die Macht spricht zu dir. Du machst Fortschritte.“ sagte Qui-Gon gerade so, als hätte er Obi-Wans Gedanken gelesen. Und es verfehlte seine Wirkung nicht. Ein leises Lächeln erschien auf Obi-Wans Lippen und Qui-Gon lächelte zurück. So gesehen konnte er sich fast darüber freuen eine Vision gehabt zu haben. Aber nur fast. Er wurde wieder ernst. „Meinst du, du könntest versuchen noch einmal etwas zu schlafen?“ fragte Qui-Gon besorgt. Obi-Wn ließ sich in die Kissen sinken. „Es gibt kein Versuchen.“ sagte er und grinste. Qui-Gon grinste zurück und stand auf. „Gut. Schlaf gut, Padawan.“ „Ihr auch.“ sagte Obi-Wan leise. Als Qui-Gon das Licht löschte, drehte Obi-Wan sich auf die Seite. Er glaubte nicht, dass ihn die Vision heute Nacht noch einmal heimsuchen würde. Dennoch wälzte er sich noch einige Zeit unruhig hin und her bevor er erschöpft in einen tiefen Schlaf sank.

***

Am nächsten Morgen wachte Qui-Gon sehr viel später auf als sonst. Was ihn allerdings nicht wunderte. Wenn man jede Nacht einmal aufstand, war es schließlich nur natürlich, dass man den Schlaf irgendwann nachholen musste. Er zog sich an, ging in die Küche und war mehr als erleichtert Obi-Wan dort nicht an zu treffen. Nach einem schnellen Frühstück war Obi-Wan immer noch nicht aufgewacht und so beschloss Qui-Gon in den Saal der Tausend Quellen zu gehen. Dieser Ort hatte ihm schon immer geholfen seine Gedanken zu ordnen. Vielleicht würde er so eine Lösung für das Problem finden. Als er durch die Gänge lief kam ihm Meister Yoda entgegen. Er schien auf dem Weg zum Ratssaal zu sein. Dennoch blieb er stehen und sah zu Qui-Gon auf. „Was für ein nachdenkliches Gesicht du machst, hhmmm?“ fragte er. Qui-Gon blieb stehen und verbeugte sich. „Meister.“ sagte er schlicht. „Nicht häufig man dich so sieht, Qui-Gon.“ stellte Yoda fest. „Irgend etwas dich beschäftigt, hhmmm?“ „Ja, Meister.“ sagte Qui-Gon. „Obi-Wan.“ „Obi-Wan?“ fragte Yoda und seine Ohren zuckten. „Ja, er hatte eine Vision und das schon zum zweiten Mal. Selbst eine lange Meditation hat ihm nur für eine kurze Weile helfen können. Jetzt mache ich mir Sorgen. Nun ist er verwirrt und völlig durcheinander.“ „Hhmm.“ machte Yoda und senkte den Kopf. „Ungewöhnlich das ist. Nicht viele Schüler in diesem Alter schon haben ein Vision.“ „Er wird stark in der Macht.“ sagte Qui-Gon. „Ja.. ja, soviel sicher ist.“ sagte Yoda und blinzelte Qui-Gon an. „Mit ihm darüber reden du solltest. Nun eine starke Hand er braucht, die ihn führt. Das ihm helfen wird, ich denke.“ „Aber wie soll ich ihn führen, wenn ich selbst nicht genau weiß wie ich ihm helfen soll?“ fragte Qui-Gon ratlos. Yoda stützte sich auf seinen Stock. „Bei ihm sei. Ihn nicht allein lassen du darfst in seiner Verwirrung. Ihm immer wieder zeige, dass er jemanden hat, bei dem Hilfe suchen er kann.“ „Danke, Meister.“ sagte Qui-Gon und verbeugte sich. „Jetzt sehe ich einen Weg.“ „Ihn immer ernst nehme. Auf die leichte Schulter nehmen man eine Vision nicht darf.“ Qui-Gon nickte und drehte sich um. Er brauchte nun nicht mehr in den Saal der Tausend Quellen zu gehen. Er wusste nun was er zu tun hatte und würde auch gleich damit anfangen. In ihrem gemeinsamen Quartier angekommen, saß Obi-Wan am Küchentisch und aß eine Schüssel Müsli. „Wo wart Ihr, Meister?“ fragte er als Qui-Gon zur Tür herein kam. „Ich habe nachgedacht.“ erwiderte Qui-Gon und ging damit der Frage aus dem Weg. Er wollte nicht, dass Obi-Wan etwas von seiner anfänglichen Unsicherheit mit bekam. Wie Yoda schon sagte brauchte Obi-Wan nun eine starke Hand und keinen Meister, der selbst um Rat fragen musste. „Und? Hast du gut geschlafen?“ fragte er. „Ja.“ sagte Obi-Wan kurz angebunden. Er schien gemerkt zu haben, dass Qui-Gon seiner Frage aus dem Weg gegangen war, sagte aber nichts dazu. Qui-Gon kam näher und setzte sich Obi-Wan gegenüber an den Tisch. „Wie geht es dir?“ fragte er. Obi-Wan stocherte mit gesenktem Kopf in seinem Müsli herum. „Nicht so besonders.“ sagte er ehrlich. „Ich habe gedacht, dass die Vision nach der Meditation gestern zumindest nicht in dem Ausmaß wieder kommen würde. Statt dessen ist sie schlimmer geworden. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Die Verzweiflung legte sich wie ein Schatten über Obi-Wans Gesicht. Qui-Gon beugte sich vor und legte seinem Schüler eine Hand auf die Schulter. „Egal wie schlimm es noch wird, Padawan; du darfst niemals vergessen, dass du nicht allein bist. Ich werde dir helfen so gut ich kann. Und Visionen erzählen von der nahen Zukunft. Einer möglichen Zukunft. Es ist nicht gesagt, dass alles so geschehen wird, wie du es gesehen hast. Und falls doch werde ich da sein.“ Obi-Wan hob den Kopf und Qui-Gon sah direkt in seine überraschten aber dankbaren Augen. „Vielen Dank, Meister.“ sagte der nach einer Weile. „Das weiß ich.“ Qui-Gon lächelte und auch Obi-Wan konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Er spürte, wie die Macht sie beide verband, wie sie in stärkte und sicherer machte. Er fühlte sich besser. Qui-Gon hatte das erreicht. Er hatte seine Ängste und Verzweiflung beiseite geschoben und ihn mit Zuversicht erfüllt. Und irgendwann würde er genauso geschickt und einfühlsam mit anderen umgehen können. Wenn er weiter machte. Und das werde ich! dachte er entschlossen. Er würde sich nicht von einer Vision lähmen lassen, von der niemand sagen konnte, ob sie auch nur im Ansatz wahr werden würde. Qui-Gon sah die Veränderung in Obi-Wans Augen. „Nun, was hälst du davon, wenn wir noch etwas trainieren würden?“ fragte er und bei sich kannte er die Antwort. Obi-Wan grinste. „Sehr viel.“ sagte er, stand auf und ging zur Tür. Sieht so aus, als hätte ich den Kampfgeist des Jungen geweckt. dachte er zufrieden. Mit einem Lächeln folgte er seinem Schützling.

***

Es sollte ein weiterer Tag des Lernens und der Anstrengung werden. Qui-Gon ließ Obi-Wan nicht zur Ruhe kommen, bedachte ihn immer wieder mit neuen Aufgaben. Er sollte gar nicht die Gelegenheit bekommen weiter über die Geschehnisse der letzten Nacht nach zu denken. Das hatte einen positiven Nebeneffekt: Jedesmal wenn die düstere Erinnerung in ihm hoch zu kommen drohte, konzentrierte er sich ganz auf seine Aufgabe. Das stärkte seine Entschlossenheit und seinen Willen. Als es Abend wurde war Obi-Wan zum Umfallen müde. Zusammen mit Qui-Gon ging er in ihr Quartier und ließ sich auf sein Bett sinken. Er war so kaputt, dass er kaum einen klaren Gedanken fassen konnte, geschweige denn, dass er auf die Idee kam sich um zuziehen. Qui-Gon betrat sein Zimmer und setzte sich neben Obi-Wan auf die Bettkante. „Hast du keinen Hunger?“ fragte er. Obi-Wan schüttelte den Kopf. Das Einzige an das er jetzt denken konnte war schlafen. Er machte Anstalten auf zu stehen, aber Qui-Gon hielt ihn zurück. Erstaunt sah Obi-Wan Qui-Gon an. „Meister?“ fragte er und ihm fiel auf wie müde er klang. „Ist schonin Ordnung, Obi-Wan. Du solltest jetzt schlafen.“ sagte Qui-Gon in seiner ruhigen Art. „Aber ich...“ setzte Obi-Wan an, wurde aber von Qui-Gon unterbrochen. „Schlaf jetzt.“ Obi-Wan gab den Widerstand auf und legte sich hin. Er hatte so wieso das Gefühl, dass er beim Umziehen eingeschlafen wäre. Kaum hatte er die Augen geschlossen, da war er auch schon eingeschlafen.

***

Einige Stunden später wachte Qui-Gon auf. Nicht schon wieder! dachte er resignierend und stand auf. Er ging zu Obi-Wans Zimmer. Die Tür stand offen und das Licht brannte. Qui-Gon sah hinein: Das Bett war leer. Im nächsten Moment hörte er Wasser rauschen. Es kam aus dem Bad. Leise ging er weiter und spähte durch die geöffnete Tür. Sein Padawan stütze sich auf den Rand des Waschbeckens, Wasser tropfte von seinem Gesicht auf den Boden und bildete eine kleine Pfütze. Qui-Gon war erschrocken als er sah, wie blass sein war. Er sah aus als hätte er einen Geist gesehen. Qui-Gon trat hervor und stellte sich hinter seinen Schüler. Der schien davon nichts zu bemerken. Ein weiterer Grund für Qui-Gon sich Sorgen zu machen, denn das wollte so gar nicht zu Obi-Wan passen. „Obi-Wan.“ sagte er leise. Obi-Wans Kopf schoss hoch als hätte man ihn angeschrien. Er fuhr herum und sah Qui-Gon aus weit geöffneten Augen an. Der hätte um ein Haar einen Satz zurück gemacht: Unter die Augen seines Schülers hatten sich dunkle Ringe gelegt, was einen krassen Gegensatz zu seiner blassen Hautfarbe bildete. Er sah furchtbar aus. Qui-Gon legte eine Hand auf Obi-Wans Schulter. „Wieder eine Vision?“ fragte er vorsichtig. Obi-Wan senkte den Blick und nickte. „Das war die schlimmste.“ sagte er und seine Stimme zitterte. Seine Entschlossenheit war in sich zusammen gesackt und hatte ihn in völliger Verzweiflung zurück gelassen. „Ich halte das nicht mehr lange aus.“ gestand er immer leiser werdend. Qui-Gon zog ihn an sich in seine starken Arme. Obi-Wan fühlte wie sich seine Selbstbeherrschung in nichts auflöste und versuchte sich aus der Umarmung zu befreien. Er wollte nicht, dass Qui-Gon ihn so erlebte wie er sich fühlte. Doch Qui-Gon hielt ihn fest. „Gefühle lassen sich nicht verdrängen, Obi-Wan. Du musst sie akzeptieren und überwinden.“ „Das kann ich nicht. Lasst mich los!“ sagte Obi-Wan und erzitterte als Qui-Gon ihn nur noch fester an sich drückte. „Lass sie zu, Obi-Wan. Ich weiß, dass du es kannst.“ Obi-Wan fühlte wie seine Verzweiflung sich mit seiner Angst vermischte und eine große Welle bildete, die ihn zu überrollen drohte. „Lass sie zu.“ sagte Qui-Gon noch einmal. „Kein Gefühl ist schlecht.“ Erschöpft und ausgelaugt ließ sich Obi-Wan in die Arme seines Meisters sinken. Die gewaltige Welle an aufgestauten Gefühlen brach aus ihm heraus und er stieß die Luft aus die er unbewusst angehalten hatte. Ein leises Schluchzen drang an Qui-Gons Ohr und er strich dem Jungen beruhigend über das Haar. Er hätte sich nie träumen lassen einmal in solch eine Situation zu kommen. Auch er war erschöpft; dass er jede Nacht aufstand ging auch an ihm nicht spurlos vorüber. Seinem Padawan ging es noch schlechter. Er machte sich ernsthafte Sorgen. Langsam beruhigte Obi-Wan sich wieder und löste sich etwas aus Qui-Gons Umarmung. Qui-Gon schob eine Hand unter Obi-Wans Kinn und hob es, so dass Obi-Wan ihm ins Gesicht sehen musste. „Es geht schon.“ sagte Obi-Wan und erklang etwas beschämt, dass Qui-Gon ihn so schwach hatte erleben müssen. Doch als er in Qui-Gons blaue Augen sah, konnte er dort keine Enttäuschung ausmachen. Nur Verständnis. Ihm gelang ein schwaches Lächeln und Qui-Gon erwiderte es. „Ich glaube kaum, dass wir heute Nacht noch zum schlafen kommen. Es sind nur noch ein paar Stunden. Lass uns Frühstück machen und etwas essen.“ Obi-Wan nickte und folgte Qui-Gon in die Küche. Er hatte in der Tat Hunger, aber an so etwas hatte er nun wirklich nicht mehr denken können seit die Vision ihn wieder heim gesucht hatte. Aber nun, da die innere Anspannung nach gelassen hatte, spürte er deutlich die Signale seines Körpers. Und so war er mit Qui-Gons Vorschlag, verfrüht etwas zu sich zu nehmen, mehr als einverstanden. Qui-Gon staunte dann auch nicht schlecht als er sah, wie viel Obi-Wan essen konnte. Als sie schließlich aufräumten, kam Leben in den Tempel. Überall wurden Türen geöffnet oder geschlossen und man konnte Schritte und Stimmen hören. Qui-Gon stellte seinen Teller in die Spüle. „Ich muss weg, Padawan.“ sagte er beiläufig. Obi-Wan sah auf. „Wohin denn, Meister?“ fragte er neugierig. „Mir ist etwas eingefallen, dass ich dringend mit Yoda besprechen muss. Ich bin bald zurück.“ antwortete Qui-Gon und schnappte sich im Vorbeigehen seine Robe. „Bis gleich, Padawan. Wir sehen uns in der Bibliothek.“ Sprachs und verschwand durch die Tür. Obi-Wan stand wie erstarrt und konnte sich nicht vom Fleck rühren. Genau das waren die Worte gewesen die Qui-Gon auch in seiner Vision gesagt hatte. Und genau wie in der Vision fühlte er nun Angst und Hilflosigkeit. Es war falsch. Er wusste es. Irgend etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Aber was? fragte er sich verzweifelt. Was? Er wollte diese Frage heraus schreien, aber er konnte es nicht. Die Lähmung, die ihn erfasst hatte, hatte sich auf seinen ganzen Körper ausgedehnt. Aber er musste etwas tun. Er musste Qui-Gon aufhalten. Lass sie zu, Obi-Wan. Kein Gefühl ist schlecht. Er hörteQui-Gons beruhigende Stimme in seinem Innern und ließ sich von ihr zu sich selbst zurück führen. Es gelang ihm seine Ängste beiseite zu schieben und zu vertrauen. Vertrauen auf die Macht und sich selbst. Er wirbelte herum und rannte Qui-Gon hinterher Richtung Turbo-Lift. Wenn Qui-Gon zu Yoda wollte, dann würde er den Lift benutzen müssen. Der Lift. Beinahe hätte Obi-Wans Herz für einen Moment ausgesetzt als ihn die Erkenntnis wie ein Blitz durchfuhr. Er sah Qui-Gon wie er gerade den Lift betreten wollte. „NEIN!“ rief Obi-Wan so laut er konnte und rannte nur noch schneller. Qui-Gon wandte sich um und Obi-Wan konnte die Überraschung auf seinem Gesicht erkennen als er Obi-Wan auf sich zu rennen sah. „Nein, Ihr dürft das nicht tun, Meister.“ sagte Obi-Wan und kam gerade noch vor Qui-Gon zum stehen. „Was darf ich nicht tun, Obi-Wan? Du bist ja völlig außer Atem. Beruhige dich, es ist doch nichts passiert.“ versuchte Qui-Gon seinen Schüler zu beruhigen. „Noch ist nichts passiert.“ erwiderte Obi-Wan und schnappte dabei japsend nach Luft. „Aber ihr dürft den Lift nicht benutzen.“ „Warum denn nicht?“ fragte Qui-Gon pikiert. Langsam begann er sich Sorgen zu machen. Das ergab alles überhaupt keinen Sinn. „Meine Vision.“ sagte Obi-Wan und erholte sich langsam. „Als Ihr unser Quartier verlassen habt, habt Ihr genau das gesagt wie in meiner Vision.“ Qui-Gon sah Obi-Wan erstaunt an. „Bist du sicher?“ fragte er dann. „Ganz sicher.“ beharrte Obi-Wan. „Ich glaube, dass mit dem Lift etwas nicht stimmt.“ „Was sollte denn nicht stimmen, Padawan?“ fragte Qui-Gon, der nun doch etwas ungeduldig wurde. „Ich weiß es auch nicht.“ gestand Obi-Wan. „Es ist nur ein Gefühl.“ Qui-Gon sah seinen Schüler eindringlich an. Wenn Obi-Wan diesem Gefühl so sehr vertraute, dann hatte er kein Recht an ihm zu zweifeln. „Ist gut, Padawan. Ich werde Miro bitten, sich diesen Lift mal anzusehen. In Ordnung?“ fragte er. Obi-Wan nickte erleichtert und lächelte. „Danke, Meister.“ Qui-Gon lächelte zurück. „Gut, dann werde ich Miro bitten hier her zu kommen.“ sagte er und griff nach seinem ComLink. Miro kam sofort. Er sah sich den Lift genau an und wandte sich dann an Qui-Gon und Obi-Wan. „Ich kann nichts ungewöhnliches feststellen.“ eröffnete er. Obi-Wan sah ihn verständnislos an. „Aber ich bin mir sicher, dass...“ „Vielleicht liegt das Problem ja auch an den Repulsorlift-Generatoren.“ unterbrach Miro ihn. „Sehen wir nach.“ Gemeinsam gingen sie hinunter und Miro untersuchte einen Repulsor nach dem anderen. Qui-Gon und Obi-Wan warteten geduldig. „Ich kann auch hier nichts... Halt! Hier ist etwas.“ sagte er und klang plötzlich aufgeregt. Obi-Wan und Qui-Gon sahen sich kurz an und liefen dann zu Miro der immer noch über einen Repulsor gebeugt da stand. „Was habt Ihr gefunden, Miro?“ fragte Qui-Gon. „Hier.“ sagte Miro und Obi-Wan sah, dass er noch etwas blasser geworden war. „Eine Leitung der Energieversorgung ist beschädigt. Ein leicht zu behebender Defekt, wenn man ihn rechtzeitig entdeckt. Aber dieses kleine Leck besteht schon länger.“ Er wandte sich um und lief nun wieder von einem Repulsor zum anderen und fand noch zwei weitere Leitungen die beschädigt waren. Schließlich wandte er sich Qui-Gon und Obi-Wan zu. „Ich fürchte, insgesamt hätten die Repulsoren nicht mehr genug Energie gehabt um den Lift oben zu halten. Ihr wärt abgestüzt, Meister.“ Qui-Gon sah Obi-Wan an. Obi-Wan sah Qui-Gon an. Und jeder konnte die Erleichterung des anderen wahrnehmen. „Eine einfache Alterserscheinung.“ hörten sie Miro mit ungläubiger Stimme sagen. „Sie ist schwer zu entdecken, deshalb habe ich sie bei den anderen nicht sofort gesehen. Nicht aus zudenken, was alles hätte passieren können. In diesem Lift fahren auch die kleinen Schüler noch zum Unterricht.“ Er schüttelte den Kopf. „Nichts aus zudenken, was passiert wäre, wenn die Kleinen im Lift gestanden hätten und er wäre abgestürzt.“ Wieder schüttelte er den Kopf. „Aber dank Obi-Wan ist nichts passiert.“ sagte Qui-Gon. Miro wandte sich um. „Genau! Woher wusstest du eigentlich, dass etwas nicht stimmt?“ fragte er mit gerunzelter Stirn. „Ach wisst Ihr..“ begann Obi-Wan. „Dass ist eine lange Geschichte.“ Er wandte sich an Qui-Gon und zwinkerte ihm zu. Qui-Gon zwinkerte zurück. Dann wurde er ernst und hockte sich neben Obi-Wan. „Ich muss dir danken, Padawan. Ohne dich wäre ich gestorben!“ Obi-Wan erschauerte. „Nein, Ihr müsst Euch nicht bedanken, Meister.“ erwiderte er. „Wenn Ihr mir gestern nicht eine wichtige Lektion erteilt hättet, dann hätte ich Euch nicht warnen können.“ sagte er. „Ich hätte mich vor Angst nicht mal rühren können.“ fügte er leise hinzu. Qui-Gon lächelte. „Dann haben wir beide etwas gelernt.“ sagte er. Obi-Wan erwiderte das Lächeln und sah Qui-Gon an. Und während sie sich so in Augen sahen, fühlten sie, wie die Macht zwischen ihnen pulsierte. Obi-Wans Vision hatte Qui-Gons Leben gerettet. Ihr Band war nun stärker als je zuvor.

Ende